Künftig braucht man in weiten Teilen der Böblinger Innenstadt kein Kleingeld mehr, um ein Parkticket zu lösen. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Bürke

Keine Groschen für den Parkautomaten: In Böblingen reicht für das Ticket nun ein Smartphone. Wie funktioniert das? Ein Test.

Wer in Böblingen mit dem Auto unterwegs ist, kennt das Problem: Nicht nur das Vorankommen in Stoßzeiten ist zeitweise sehr zäh, wenn das Ziel erst erreicht ist, muss auch noch ein passender Parkplatz gefunden werden. Gerade im Innenstadtbereich ist der Parkraum oft rar und meist kostenpflichtig. Und wer einen Platz ergattert hat, braucht dann auch noch genügend Kleingeld, um einen Parkschein lösen zu können. Die gute Nachricht: In großen Teilen des Böblinger Stadtgebiets fällt dieses lästige Suche nun weg.

 

Ein Selbstversuch für den Durchblick

Die Stadt hat Ende Oktober das sogenannte Handyparken eingeführt. Seitdem können Autofahrer ihre Parkgebühren auch über eine App mit dem Smartphone bezahlen. Dafür kooperiert Böblingen mit der bundesweiten Plattform Smartparking, einer Initiative für digitale Parkraumbewirtschaftung. Über verschiedene Handyparken-Apps wie EasyPark, moBiLET, Yellowbrick/flowbird, paybyphone, Parkster und PARCO können Autofahrer dabei ihren digitalen Parkschein ohne Zusatzgebühren lösen.

An Anbietern mangelt es also nicht. Doch wie funktioniert das digitale Parken überhaupt? Und was sind die Vorteile? Ein Selbstversuch bringt Klarheit.

Ich wähle für meinen Versuch die App Parkster, die ich mir im Google Play Store kostenlos auf mein Mobiltelefon herunterladen kann. Im Böblinger Stadtgebiet listet die App 42 Parkbereiche auf, in denen das Angebot genutzt werden kann. Darunter ist der Parkplatz am Bahnhof, die Konrad-Zuse-Straße, die Stadtgrabenstraße und viele Bereiche rund um den Schlossbergring oder auf dem Flugfeld. Ich parke mein Auto in der Wilhelmstraße.

Die App ist schnell heruntergeladen, auch die Registrierung läuft zügig: Standort zulassen, Adresse, Handy- und KFZ-Nummer eingeben und Zahlungsart hinzufügen. Zur Auswahl stehen, Rechnung per E-Mail, Kreditkarte und Papierrechnung. Ich wähle die Variante Rechnung per E-Mail und muss keine weiteren Angaben machen.

Die Parkdauer wird minutengenau berechnet

In der App suche ich den gewünschten Parkplatz aus, stelle die Parkdauer von 40 Minuten ein ( der Preis wird dabei genau ausgerechnet: 43 Cent), dann klicke ich auf den Button Auto auswählen und parken. 15 Minuten vor Ablauf kann ich mich per Nachricht auf das Mobiltelefon erinnern lassen, wann mein digitales Ticket abläuft. Sollte ich früher zurückkommen, könnte ich den Parkvorgang per Knopfdruck stoppen. Falls ich länger parke, kann ich den Parkschein per Klick aus der Ferne verlängern. Die Rechnung wird Mitte des Monats per Mail zugesandt und muss innerhalb von 14 Tagen beglichen werden.

Mein Fazit: Mit wenigen Klicks kann man bequem und sorgenfrei parken und einem Knöllchen entgehen. Eine gute Alternative, wenn man kein Bargeld dabei hat oder der Automat kaputt ist. Doch ist das digitale Parkticket für jeden Autofahrer etwas?

Eine ältere Frau, die ihr Auto gerade abgestellt hat, in ihrer Handtasche ein paar Münzen zusammensucht und in den Automaten wirft, ist da anderer Meinung. Wusste sie vom Handyparken? „Nein“, sagt sie. Aber das interessiere sie auch nicht. Für sie sei es einfacher, mit Münzgeld zu bezahlen. „Da bin ich schneller.“ Mit Apps und dem Mobiltelefonen kenne sie sich nicht so gut aus.

Die Münzfunktion besteht weiterhin

Ob ein Auto ein digitales Ticket hat, erkennen die Mitarbeitenden des Ordnungsamts übrigens am Autokennzeichen. Sie können es mit einem zentralen Online-System abgleichen und sehen so, wer die Parkgebühr ordnungsgemäß bezahlt hat und wer nicht. Das weitere Vorgehen bei der Kontrollen sei dann gleich wie bisher, heißt es vonseiten des Ordnungsamts. „Mit der Umsetzung des Handyparkens bieten wir der Bürgerschaft mehr Bequemlichkeit und Flexibilität. Gleichzeitig gehen wir einen weiteren Schritt in Richtung Digitalisierung unserer Stadt“, erklärt der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz.

Wie gut das Handyparken bislang von den Autofahrern angenommen wurde, erfährt die Stadtverwaltung über die Abrechnung mit den Park-App-Anbietern. Die ersten Zahlen werden im Laufe des Dezembers erwartet. Doch auch, wenn die Ergebnisse gut seien sollten, denkt die Stadt nicht über die Abschaffung der Münzfunktion an Parkautomaten nach. „Die bestehende Bezahlmöglichkeit an Parkautomaten wird beibehalten, vor allem auch für Menschen, die nicht über ein Smartphone verfügen oder nicht elektronisch bezahlen möchten“, so Fabian Strauch, Pressesprecher der Stadt.

Stadt hofft auf weniger Parksünder

Da mit Ausnahme der Parkhäuser alle öffentlich bewirtschafteten Parkplätze in Böblingen sowie der Parkplatz an der Konrad-Zuse-Straße auf dem Flugfeld am Handyparken teilnehmen, plant die Stadt aktuell keine weitere Ausdehnung der Parkflächen, auf denen Handyparken angeboten wird. Allerdings erhofft sie sich durch das neue Serviceangebot, dass sich die Anzahl der Parksünder verringert. „Es ermöglicht eine bequeme, für etliche sicher noch niederschwelligere Möglichkeit zum Bezahlen und auch Verlängern der Parkzeit“, so Strauch.

Handyparken: Einige Kommunen sind schon am Start

Leonberg
 In den beiden von den Stadtwerken betriebenen Parkhäusern in der Altstadt und am Bahnhof in Leonberg ist das Handyparken seit 2019 möglich.

Böblingen; Gärtringen
 Parken mit der Parkster-App ist in über 450 Städten in Deutschland und Österreich möglich. Im Kreis Böblingen ist der Service des schwedischen Unternehmens bisher außer in Böblingen nur noch am Park-and-Ride-Parkplatz Gärtringen verfügbar.

Plochingen
 Auch wer sein Auto auf einem der städtischen Parkplätze in Plochingen abstellt, kann die Parkgebühren per Handy über die Parkster-App bezahlen.

Esslingen
 Voraussichtlich im März des kommenden Jahres könnten auch in Esslingen Park-Apps zum Einsatz kommen. Vorausgesetzt der Gemeinderat stimmt dem Vorschlag des Verwaltungsausschusses zu, dass die Initiative „Smart Parking“ als Anbieter der digitalen Bezahlung der Parkgebühren fungiert.