Malen nach Zahlen: Andreas Kienzle, Geschäftsführer von EMT, beschriftet die Stellplätze für das Autokulturfestival. Foto: factum/Granville

Beim ersten Autokulturfestival in Süddeutschland genießt man die Show hinter dem eigenen Steuer. Die Veranstalter bieten Musik, Zauberei und Comedy.

Gärtrtingen - Etwa 30 Städte und Gemeinden haben gezögert, Bedenken gehabt, unüberwindliche Schwierigkeiten gesehen – und Gärtringen hat es dann einfach gemacht: Das erste Autokulturprogramm in Süddeutschland. Das Festival, das Andreas Kienzle, 38 Jahre alt, von der Herrenberger Firma EMT organisiert, läuft so ähnlich wie ein Autokino ab. Das Programm mit Musik, Comedy, Kabarett und Zauberei spielt sich auf einer 1,60 Meter hohen Freiluftbühne auf einem Parkplatz ab. Die Besatzungen von 100 Autos können zuschauen, die hinteren Reihen können das Programm zusätzlich auf zwei Videoleinwänden betrachten. Der Ton dazu kommt genauso wie beim Autokino per Ultrakurzwelle ins Autoradio.

Zehn Tage, vom 15. Mai bis zum 25. Mai, dauert das Festival auf dem Festplatz an der Schwarzwaldhalle. Die Tickets kann man online buchen, ebenso wie die Getränke und Verzehrpakete, aber Andreas Kienzle ist den Zuschauern auch nicht gram, wenn sie ihr eigenes Vesperdösle mitbringen.

Familien brauchen keinen Babysitter

Der Vorteil beim Autokulturfestival ist: Es macht nichts, wenn es regnet. Auch braucht man nicht das allerletzte Augenmerk auf das Outfit zu legen, weil man eine gewisse Distanz zum Nachbarn hat – weswegen man in den Konzerten auch lauthals mitsingen kann. Familien mit kleinen Kindern haben den Vorteil, dass sie keinen Babysitter brauchen. Sie können die Babys auf den Rücksitz schlafen legen – ganz wie früher im Autokino.

Apropos Kleine: Die Kleinen dürfen selbstverständlich nach vorne. Das heißt, die flacheren Autos mit Dachhöhen bis zu 1,65 Metern. Größere Autos müssen weiter hinten parken, aber das macht nicht viel, denn in einem Kleinbus sitzt man ja auch höher.

Neben der Suche nach einer innovationsfreudigen Gemeinde war die größte Schwierigkeit für Andreas Kienzle tatsächlich, die UKW-Funkfrequenzen von der Bundesnetzagentur zu bekommen. Er ist auf Risiko gefahren und hat die Veranstaltung organisiert, ohne auf das grüne Licht der Lizenzgeber zu warten. Wäre das schief gegangen, dann hätte er sich eine andere technische Lösung überlegt, entweder mit individuellen Lautsprecherboxen oder Audioguides wie im Museum.

Nachdem Andreas Kienzle Anfang April knapp 30 Gemeinden angeschrieben hatte, war Gärtringen die einzige, in der ihn der Bürgermeister und der Hauptamtsleiter so unterstützten, dass Kienzle seine Idee verwirklichen konnte. Dabei ist das Konzept relativ autark. Gibt es vor Ort weder Strom noch Wasser, dann stellt Kienzle einen Toilettenwagen und ein Notstromaggregat auf. Der Parkplatz muss auch nicht allzu groß sein, 50 auf 60 Meter reichen völlig.

Die Firma gibt es seit 15 Jahren

Die Firma EMT (Event-Media-Tec) mit ihren acht Mitarbeiter gibt es seit etwa 15 Jahren. Begonnen hat sie mit der Vermietung von Ausrüstung für Großveranstaltungen, mittlerweile fertigt sie auch technische Anlagen und rüstet Hallen aus. Mit dem Autokulturfestival hat sich die Firma sozusagen ein viertes Standbein geschaffen. Von heute an wird sich zeigen, ob es trägt.

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