Endlich fertig: Bernd Bachofer kann seinen Gästen nun direkt über seinem Waiblinger Lokal Zimmer zur Übernachtung anbieten. Ausgestattet hat sie Sabine Schneider. Foto: Gottfried Stoppel

Safran, Muskat, Wacholder – im Boutique-Hotel, das am Samstag in Waiblingen seinen Betrieb aufnimmt, schlummern Gäste in nach Gewürzen benannten Zimmern, die wir uns vorab angeschaut haben. Gewürze statt Nummern – das passt, denn im Erdgeschoss des Gebäudes bekocht der Sternekoch Bernd Bachofer die Besucher.

Waiblingen - Safran, Muskat, Kardamom, Ingwer, Chili – würzige Überraschungen finden Gäste des Waiblinger Sternekochs Bernd Bachofer künftig nicht nur auf ihren Tellern im Restaurant direkt am Marktplatz, sondern auch in den drei Stockwerken über dem Lokal. Dort eröffnet an diesem Freitag das vom Gastronomen lang ersehnte Boutique-Hotel mit insgesamt acht individuell gestalteten Zimmern. Jeder Raum ist nach einem Gewürz benannt, jeweils eine Wand im Zimmer farblich passend dazu gestaltet.

„Wir wollten Emotionen wecken und nicht nur Nummern vergeben“, sagt Bernd Bachofer zu den mit Namen versehenen Räumen, die von Samstag an gebucht werden können. Um die 85 Euro muss ein Gast beispielsweise für das Honig-Zimmer, eines von zwei Einzelzimmern, berappen. Die weiteren Räume sind Doppelzimmer, zudem gibt es eine Safran-Suite mit einer Wand im passenden satten Gelbton.

Insolvenz verzögerte den Umbau

Damit geht für Bernd Bachofer ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: eigentlich wollte er seinen Gästen bereits vom Frühjahr 2012 an die Möglichkeit bieten, nach einem gemütlichen Abend mit Sternekoch-Menü einfach eine Treppe höher zu steigen und dort zu übernachten. Wegen der Insolvenz des ursprünglichen Hotel-Investors Alexander Weis ist das aber erst jetzt, rund sieben Jahre später als geplant, möglich. „Bedarf ist auf jeden Fall da“, sagt Bernd Bachofer über das Hotel: „Viele unserer Gäste kommen von auswärts und das Vergnügen ist schon eingeschränkt, wenn man danach noch nach Hause kommen und 80 Euro für ein Taxi zahlen muss.“

Der Umbau und die Renovierung der nach der Investorenpleite quasi im Rohbau zurückgebliebenen Räume seien eine Herausforderung gewesen, erzählt der Gastronom: „Es gibt hier im Haus keinen rechten Winkel. Die Handwerker sind fast verzweifelt.“ Genau das mache aber den Charme des aus der Mitte des 17. Jahrhundert stammenden Gebäudes aus, sagt Sabine Schneider. Sie hat die Räume eingerichtet – im Auftrag der neuen Hauseigentümerin, der Alpenland-Grundstücksgesellschaft, deren Geschäftsführer Harald Panzer und Andreas Bayer sind. Sie haben das alte Fachwerkhaus von der Stadt Waiblingen gekauft und umgebaut.

Zum Kaufpreis wie auch zu den Umbaukosten wolle man keine Angaben machen, sagt Schneider, fügt jedoch hinzu: „Das ist ein Invest, der sich nicht rechnen wird.“ Aber den Geschäftsführern, beide sind Waiblinger, liege dieses Haus eben am Herzen. Technisch seien die Zimmer auf dem neuesten Stand – mit Telefon, Wlan und Klimatechnik ausgestattet. Die Devise sei: „Alles vom Feinsten, aber nicht Luxus um des Luxus Willen.“

Röhrenheizkörper und Lichtschalter im Retro-Stil

Kein Zimmer gleiche dem anderen, die Grundrisse seien ganz verschieden, ebenso die Ausstattung, die aber zum Haus und seiner Entstehungszeit passe, betont Sabine Schneider. Da steht im Flur ein prächtiger Barockschrank aus dem frühen 18. Jahrhundert, der Weg ins Badezimmer mit Emailwaschbecken führt durch eine alte Holztür mit mächtigem Schloss, Röhrenheizkörper sorgen für Wärme und Lichtschalter im Retro-Stil wecken nostalgische Gefühle. Jedes Zimmer ist mit einem Holzschreibtisch ausgestattet, der ein jeweils individuell gestaltetes Bein hat: mal ist es ein Spazierstock, mal die mächtige Wurzel eines Wacholders, mal ein Fensterbogen aus Sandstein. In einigen Zimmern erinnern mächtige Holzbalken daran, dass das Gebäude ein Fachwerkhaus ist. „Laut der ursprünglichen Planung sollten die Wände begradigt werden und das Fachwerk war zum Teil verkleidet worden“, erzählt Sabine Schneider, die andere Pläne hatte – und die Balken ans Tageslicht geholt hat.

Dass sich die Brandschutzbestimmungen seit dem ersten Anlauf zum Umbau im Jahr 2011 mehrfach geändert haben, hatte auch sein Gutes. Ursprünglich hätten die alten Balken wegen Feuergefahr umbaut werden müssen, erzählt Bernd Bachofer – das sei aber aufgrund inzwischen veränderter Bestimmungen nicht mehr nötig.

Fürs Frühstück hat der Gastronom sich ein besonderes Modell ausgedacht: im „Stüble“, einem mit großem Tisch, Kühlschrank, Kaffeemaschine und Teekocher ausgestatten Raum dürfen sich Gäste ein eigens von Bernd Bachofer kreiertes Müsli zubereiten, zudem gibt es auf jedem Zimmer eine Espressomaschine.

Wer ausgiebiger frühstücken will, kann drei Häuser weiter im Café Tagblatt einkehren. „Dort gibt es ab 8 Uhr ein ,Bachofer-Frühstück’ speziell für unsere Gäste“, sagt Bernd Bachofer. Serviert werde den Übernachtungsgästen gebeizter Lachs mit Ingwer und Sternanis – zwei Lieblingsgewürzen des Sternekochs.

Der lange Weg zum Hotel

Geschichte:
Das Gebäude Marktplatz 6 gehört zu den ältesten Häuser Waiblingens: es wurde im Jahr 1647 erbaut und beherbergte erst eine Apotheke, später eine Metzgerei und diverse Lokale. Im Februar 2003 wechselte der Sternekoch und gebürtige Waiblinger Bernd Bachofer vom Fellbacher Hotel Zum Hirschen nach Waiblingen ins nun nach ihm benannte Restaurant „Bachofer“.

Umbau:
Im Herbst 2011 wurde Bernd Bachofers Restaurant im Erdgeschoss umgebaut, parallel dazu sollte mit dem Investor Alexander Weis der Ausbau der darüberliegenden Stockwerke zu einem Boutique-Hotel mit acht Zimmern beginnen, der im Frühjahr 2012 vollendet sein sollte. Die bis dahin in den Obergeschossen untergebrachten städtischen Abteilungen zogen aus. Alexander Weis einigte sich mit der Stadt Waiblingen, der das Gebäude gehörte, auf einen 30 Jahre gültigen Erbpachtvertrag. Umbau- und Folgekosten sollten auf seine Rechnung gehen.

Insolvenz:
Weil Weis’ Firma in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, ging in Sachen Hotel lange Zeit nichts voran, die Stockwerke über dem Restaurant blieben im Zustand einer Baustelle. Alexander Weis verlegte seinen Wohnsitz nach England und meldete Insolvenz an. Nach längeren Bemühungen gelang es schließlich, das Gebäude aus der Insolvenzmasse herauszulösen. Der Erbpachtvertrag wurde aufgehoben, die Stadt erhielt den Schlüssel zurück und konnte sich auf die Suche nach einem Investor machen, der die Räume zum Hotel ausbaut – als Ergänzung zum Lokal von Bernd Bachofer.

Eigentümer
: Die Alpenland-Grundstücksgesellschaft ist ein Tochterunternehmen der Wohninvest mit Sitz in Fellbach und bereits an verschiedenen Gastronomie- und Hotelbetrieben beteiligt, dazu gehören in Schorndorf das Hotel an der Stadtmauer und der „Pfauen“ sowie das Hotel Koch in Waiblingen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: