Der Eckensee an der Oper wird zum Schauplatz eines neuen Festivals. Foto: dpa/ Weissbrod

Hochkultur und Subkultur ziehen an einem Strang: Mit dem Festival Artländ soll ein mitunter problematischer Ort in der Stuttgarter Innenstadt kreativ erblühen.

Corona hat die Kultur über viele Monate ausgeknockt, aber gleichzeitig auch positive Entwicklungen befördert. Viktor Schoner, Intendant der Staatsoper Stuttgart, denkt an „Solidarität und Zusammenhalt“, die in der Pandemie die heimische Kulturszene stärker als zuvor verbunden hätten. „Irrsinnig“ freut er sich, Teil eines „innovativen Konzepts“ zu sein, das am Eckensee im September für ein „gemeinsames, neues Kulturerlebnis“ sorgen soll.

 

Der Neuzugang bei den Stuttgarter Festivitäten heißt Artländ. Kunst steckt in dem Namen, aber auch der Claim der neuen Baden-Württemberg-Imagekampagne „The Länd“. Ein Festival mit Open-Air-Bühne soll entstehen, das kulturelle Gegensätze überwindet und die Vielfalt der heimischen Kreativität feiert. „Wir als Staatsoper suchen gern den Schulterschluss zu anderen Partnern in der Stadtgesellschaft“, sagt Viktor Schoner. Auch Ballett und Schauspiel machen mit.

Der Eckensee befindet sich im Herzen der Stadt. Um im Bild zu bleiben, könnte man sagen: Vor allem nachts leidet dieses Herz immer wieder unter Vorhofflimmern. Ein Herz gerät aus dem Takt. Manche sagen, hier brennt von Zeit zu Zeit die Luft, ein sozialer Brennpunkt sei im Oberen Schlossgarten entstanden. Mit kreativer Lust haben sich nun mehrere Protagonisten der Stuttgarter Kreativszene um Kulturmanagerin Christina Semrau zusammengetan, um einem einst königlichen Ort, der zum Flanieren, Entspannen und später für Begegnungen geschaffen worden ist, etwas von der alten Bedeutung und Schönheit zurückzugeben.

Vorhofflimmern am Eckensee

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In der City kann wieder gefeiert werden. Das SWR-Sommerfestival macht vom 3. bis zum 6. Juni auf dem Schlossplatz den Anfang (zu den Höhepunkten zählt Tim Bendzko am Freitag vor Pfingsten). Die Jazz Open folgen vom 7. bis zum 17. Juli (erst im Alten Schloss, dann auf dem Schlossplatz mit Sting zum krönenden Abschluss). Vom 4. bis zum 7. August meldet sich das Stuttgarter Sommerfest nach zwei Jahren Pause zurück. Und am 17. und 18. September feiert dann Artländ rund um den Theatersee Premiere.

Hochkultur trifft Subkultur

Im Vorbereitungsteam für das neue Stuttgarter Seefestival sind neben Christina Semrau, die als Veranstalterin des Kultursalons La Fête Privée eine leidenschaftliche Netzwerkerin ist, Deniz Keser, der Mitveranstalter des Stuttgart Electronic Music Festivals (Semf), und Fabian Seewald von der Dundu-Künstlergruppe. „Wir wollen an diesem besonderen Ort des Eckensees eine neue Geschichte schreiben“, sagen die Macher, „eine Geschichte, die im Gegensatz zu den Ausschreitungen vom Juni 2020 für Neues und Verbindendes stehen soll.“

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Hochkultur trifft Subkultur. Die Idee entstand auf dem Clubschiff Fridas Pier. Für die Internetreihe „United We Stream Stuttgart“ interviewte Moderatorin Semrau den Generalmusikdirektor Cornelius Meister und Axel Preuß, den Intendanten der Schauspielbühnen, auf der Kulturcoach. Die Stadt saß im Lockdown fest – zu einer Zeit, da nix ging, kamen viele Ideen hoch, was man tun könne, sobald die Pandemie überwunden ist. Cross-over lautete das Zauberwort. Brückenbauen ist das Ziel. Cornelius Meister will das Staatsorchester mit einem DJ zusammenbringen. Nur für dieses Konzert in der Oper wird bei Artländ Eintritt verlangt. Alles andere im Freien ist kostenlos und wird von Sponsoren finanziert. Weitere Geldgeber und Kulturschaffende können sich per Mail melden unter: info@christinasemrau.de.