So stellen die Architekten sich die Fassade des Einkaufszentrums vor. Im obersten Stock sollen links Büros, in der Mitte Gastronomie, rechts Wohnungen entstehen. Foto: z

Mangels Mietinteressenten entfällt in den Plänen für den Neubau auf dem Seeländer-Areal die Hälfte der Verkaufsfläche. In den neuen Plänen ist im gesamten ersten Stock statt einer Einkaufspassage ein Parkdeck eingezeichnet.

Herrenberg - In den Gemeinderatsunterlagen wird die unangenehme Härte der Kernbotschaft umschifft: Das Vermarktungskonzept für den Neubau auf dem Seeländer-Areal ist gescheitert, jedenfalls für die erste Etage. Genauso wie im Erdgeschoss sollten in sie Einzelhändler einziehen. Mit der Suche nach geeigneter Klientel ist eigens ein Projektmanager beauftragt worden. Dessen Arbeit mündete in das Ergebnis: kein Interesse.

Jedenfalls nicht bei den Wunschkandidaten. „Einen Discounter hätten wir problemlos kriegen können“, sagt Roman Höhne vom Bauunternehmen Geiger. Discounter sind für das neue Herrenberger Einkaufszentrum aber nicht erwünscht. Weshalb „von Einzelhandelsflächen im Obergeschoss Abstand genommen“ wird, wie in den städtischen Papieren zu lesen ist.

Die ursprünglich geplante Tiefgarage entfällt ersatzlos

Statt Läden werden im ersten Stock Parkplätze gebaut. Die sollten ursprünglich in einer Tiefgarage untergebracht werden. Diese wiederum entfällt ersatzlos. Der Streichplan hat in Nebenaspekten durchaus seine Vorteile. Das Gelände liegt im potenziellen Überschwemmungsgebiet des Aischbachs. Der für das Projekt unumgängliche Hochwasserschutz wird ohne Tiefgarage vereinfacht. Nicht zuletzt sind unterirdische Parkplätze die teuersten. Die Architekten haben nun mehr finanziellen Spielraum bei der Gestaltung des Komplexes. Letztlich habe der Verzicht „eine Vielzahl von Gründen, die Wirtschaftlichkeit spielt auch eine Rolle“, sagte der Oberbürgermeister Thomas Sprißler.

Die Bauarbeiten sollen in rund einem Jahr beginnen. Im Idealfall könnten die Läden im Erdgeschoss zur Weihnachtszeit 2019 eröffnen. Rewe, die Drogeriekette Rossmann und der Biomarkt Denn’s haben bereits Mietverträge unterschrieben. Erwünscht ist außerdem die Filiale einer Bekleidungskette. Ein Kandidat sei gefunden, aber noch keine Entscheidung gefallen, sagte Höhne. Dies ist der seit Monaten unveränderte Stand.

Bereits 2014 hatte Geiger gemeinsam mit dem Architekturbüro ARP den Wettbewerb für das Projekt gewonnen. Der Neubau auf dem bisherigen Schotterparkplatz inmitten Herrenbergs wird nicht nur im Rathaus sehnsüchtig erwünscht. Er gilt gleichsam als Beginn eines neuen städtebaulichen Zeitalters. Nach und nach sollen Brachen überbaut, Lücken geschlossen werden, Schandflecke schwinden. Das Seeländer-Areal ist das erste dieser Projekte.

Auf dem Dach finden Büros, Wohnungen und Gastronomie Platz

Auf dem Dach des Einkaufszentrums, nun über dem Parkdeck, sollen in drei Aufbauten Wohnungen, Büros und Fläche für Gastronomen entstehen. Diese Flächen sind gegenüber den ursprünglichen Entwürfen gewachsen. Zwischen den Aufbauten sind in den Plänen begrünte Dachterrassen eingezeichnet. Die gesamte Vorderfront des Komplexes ist verglast und so ausgerichtet, dass der Blick stets auf die gegenüber liegende Altstadt gelenkt wird.

Die Rückseite ist dem Lieferverkehr vorbehalten. „Die Anlieferung ist vollständig eingehaust, so dass man nichts hört und riecht“, sagt der Architekt Michael Wenderoth. Details sind zwar noch nicht ausgearbeitet, aber „es soll eine homogene, akzentuierte Fassade werden mit Balkonen zur Altstadt“, sagt Wenderoth. Auf dem künftigen Seeländer Platz soll der Aischbach, der bisher kanalisiert ist, oberirdisch fließen. Der Weg ins Einkaufszentrum führt über Brücken. Auf der Seestraße soll – obwohl Bundesstraße – vor dem Einkaufszentrum Tempo 30 gelten.

Oberbürgermeister Sprißler und der Baubürgermeister Tobias Meigel halten die Pläne für ausgesprochen gelungen. Auch die architektonische Notlösung, das Parkhaus ins Obergeschoss zu verlegen, bekommt ausdrückliches Lob. Allein schon, weil „wir statt einer dunklen Tiefgarage ein lichtdurchflutetes Parkdeck bekommen“, wie Meigel sagt. „Es war ein längerer Diskussionsprozess, aber mit der neuen Ebene gewinnen wir eine Riesenqualität.“

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