Der Naturpark erhält nach jahrelanger Vorbereitung ein neues Besucherleitsystem. Mit einem Rundweg zwischen der Herrenberger Altstadt und dem Schönbuchturm wird jetzt der Anfang gemacht. Mountainbiker dürfen sich auf viele Trails freuen.
Herrenberg - Verirrte Wanderer haben sich regelmäßig bei Mathias Allgäuer beschwert. Doch mit der Orientierungslosigkeit im Schönbuch ist es bald vorbei. Laut dem Geschäftsführer des Naturparks werden in den kommenden Monaten rund 1000 neue Schilder aufgestellt. Das 20 Jahre alte Besucherleitsystem ist komplett überarbeitet worden. Dabei umfasst das Projekt nicht nur neue Wegweiser, sondern auch neue Wanderungen und Strecken für Mountainbikefahrer. „Es soll den Ansprüchen aller Nutzer des Naturparks gerecht werden“, sagt Mathias Allgäuer. Am Sonntag ist mit der Turm-Tour bei Herrenberg der erste Rundweg des neuen Angebots eingeweiht worden.
Ein komplexes und aufwendiges Projekt
„Es ist wirklich komplex und aufwendig“, sagt Christine Bengel-Fritz über das Projekt. Die Regionalmanagerin wurde vor zwei Jahren extra dafür beim Naturpark eingestellt. In unzähligen Sitzungen hat sie mit allen Betroffenen das neue System ausgeklügelt. Kompliziert ist die Angelegenheit, weil sich der Naturpark über die vier Landkreise Böblingen, Tübingen, Reutlingen und Esslingen erstreckt. Neben den Behörden holte sie auch die Förster und Jäger, die Wanderer und Radfahrer, die Naturschützer und Landwirte an einen runden Tisch. „Wir wollen die Besucher dahin lenken, wo es besonders schön ist“, erklärt Christine Bengel-Fritz. „Und dafür schützen wir andere Bereiche.“
Das Ergebnis sind 320 Kilometer an „bestens markierten“ Wanderwege nach dem System des Schwäbischen Albvereins. Das bestehende Wegenetz, das den Schönbuch der Länge und der Breite nach durchquert, wird ergänzt durch neue Rundwanderwege. Jede Anrainerkommune hat eine solche Tour beigesteuert, im Kreis Böblingen sind dies neben Herrenberg etwa auch Nufringen, Gärtringen, Hildrizhausen und Altdorf. „Das bisherige Angebot entspricht nicht mehr den Bedürfnissen“, sagt Christine Bengel-Fritz. Die Naturparkbesucher würden mehrheitlich einen Wanderparkplatz ansteuern und dann lieber einen kürzeren Rundweg laufen als eine weite Wanderung absolvieren. Bisher zeigten die Schilder aber nur, wie Wanderer von A nach B kämen – mit einigen Lücken dazwischen, erklärt sie.
Neuer Rundweg mit vielen Trails für Mountainbiker
Mountainbikefahrern beschert das Besucherleitsystem einen neuen Rundweg zusätzlich zum bestehenden Radwegenetz. „Wir haben festgestellt, dass die Nutzergruppe immer größer wird“, sagt die Regionalmanagerin. Und bei der letzten Beschilderung vor 20 Jahren sei sie gar nicht berücksichtigt worden. Allein die Genehmigung der 100 Kilometer langen Strecke hat ein Jahr in Anspruch genommen. Sie wurde gemeinsam mit Mountainbikern entwickelt. Bei etwa 20 Kilometer davon handelt es sich um Pfade mit einer Breite von weniger als zwei Metern, unter den Sportlern als Trails bezeichnet. „Damit sind wir im Vergleich mit anderen Naturparks in der Spitzengruppe“, sagt Christine Bengel-Fritz. Die Radfahrer müssen sich allerdings etwas gedulden. Als nächster Schritt werden 170 Kilometer an Fußwegen bis zum Frühjahr neu beschildert, wofür allein 420 Wegweiser notwendig sind. Außerdem erscheint im Frühjahr eine neue Wanderkarte. Das neue Angebot wird in die Schönbuch-App integriert. An den Eintrittspforten zum Naturpark sollen große Karten mit dem gesamten Wegesystem installiert werden.
Erstes Etappenziel sehr reizvoll
Für Stefan Metzing ist das erste Etappenziel „eine sehr reizvolle Tour“. Der Herrenberger Rundweg verbinde mit der Stiftskirche und dem Schönbuchturm zwei Highlights, findet der Finanzbürgermeister. „Nach langen Jahren der Planungsarbeit werden jetzt Ergebnisse sichtbar“, freut sich Martin Strittmatter, der Vorsitzende des Naturparks. Rund 300 000 Euro koste das Projekt. Er hofft, dass es nicht nur für mehr Orientierung, sondern auch eine konfliktfreie Nutzung des Schönbuchs sorgt.