Der offizielle Spatenstich läutet die Erschließung des rund sieben Hektar großen Gebiets in Kleinbottwar ein. Foto: Werner Kuhnle

Im Gebiet Scheibenäcker finden bis zu 700 Menschen Platz. Die Erschließung ist gestartet. Die Nachfrage nach Grundstücken ist gut. Doch der Mega-Boom scheint vorüber zu sein.

Man muss wahrscheinlich sehr lange suchen, um eine Gemeinde zu finden, die in den kommenden Jahren im Vergleich zu ihrer Einwohnerzahl so stark wachsen wird wie Kleinbottwar. Wie der Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter am Donnerstagabend beim Spatenstich für das Neubaugebiet Scheibenäcker verkündete, würden auf dem rund sieben Hektar großen Areal im Stadtteil in naher Zukunft 600 bis 700 Frauen, Kinder und Männer leben. Aktuell sind in Kleinbottwar rund 1600 Bürger gemeldet, sodass sich der Ort um nahezu die Hälfte vergrößern wird.

 

Im Sommer 2024 können Häuslebauer durchstarten

Allerdings wird das nicht von heute auf morgen geschehen. Der Startschuss für die Erschließung sei zwar vor wenigen Tagen erfolgt, und die Arbeiten würden nun auch Fahrt aufnehmen, sagte Benjamin Humpfer von der federführenden Firma Geoteck. Doch bis alle Kanäle und Leitungen verlegt sowie die Straßen modelliert sind, dürfte es Sommer 2024 werden, fügte Humpfer hinzu. Dann könnten die Häuslebauer aber tatsächlich loslegen und ihrerseits Bagger, Kräne und Maurer anrücken lassen.

Auch Cafés und Friseure sind denkbar

Entstehen soll auf dem Gelände am Ortsausgang Richtung Großbottwar ein Mix an Einzel-, Doppel-, Ketten- und Mehrfamilienhäusern. Außerdem könnten beispielsweise in den Geschossbauten kleinere Gewerbeeinheiten angesiedelt werden, erklärte Petra Zeese, Chefin des Büros FPZ Stadtplanung und Architektur, das von der Kommune mit der Konzeption für das Areal betraut worden war. Vorstellbar seien in dem Gebiet ein Friseur, ein Bäcker, ein Café und anderes geräuscharmes Gewerbe.

Den Starkregen im Blick

Zeese beteuerte überdies, dass das Thema Starkregen bei dem am Hang gelegenen Gelände mitgedacht worden sei. Durch die Mitte werde sich später eine Klinge ziehen, quasi als grüne Lunge, über die das Oberflächenwasser aufgefangen und abgeleitet werde. Die Planungen sähen ferner ein Regenüberlaufbecken vor. Auf allen Grundstücken seien Zisternen vorgeschrieben, die einen Teil des Wassers sammeln. Dachbegrünungen und viele unversiegelte Freiflächen sollen ebenfalls dazu beitragen, dass das Nass nicht mit voller Wucht nach unten saust. „Man hat viel Mühe und Zeit für die Planungen zur Wasserrückhaltung verwandt“, sagte Zeese.

Die Architektin hebt überdies hervor, dass die soziale Komponente ebenfalls eine Rolle spiele. Angebote solle es nämlich auch für Menschen geben, die keinen dicken Geldbeutel haben. Deshalb habe man insgesamt 15 Mehrfamilienhäuser eingeplant.

Gute Nachfrage

Wer unter die Bauherren gehen und von der Stadt ein Grundstück erwerben möchte, muss dafür mindestens 690 Euro pro Quadratmeter investieren. Die Bewerbungsfrist läuft seit dem 1. August, sie endet am 16. September und wird über das Online-Portal Baupilot abgewickelt. Die Kommune hat 22 Areale für Ketten-, Doppel und Einfamilienhäuser im Portfolio. 19 davon werden für besagte 690 Euro pro Quadratmeter veräußert, drei exklusivere Parzellen gehen an den Meistbietenden. „Die Nachfrage nach städtischen Bauplätzen in dem Gebiet ist gut und definitiv da “, zieht Thomas Winterhalter ein erstes Zwischenfazit. „Aber vor einem Jahr wäre die Resonanz mit Sicherheit noch größer gewesen“, ergänzt er – und erinnert an die seitherige Zinssteigerung, die eine Finanzierung erschwert.

Bürgermeister hätte mit mehr Bewerbern gerechnet

Eine Entwicklung, die man auch in Affalterbach registriert hat, wo derzeit das Gebiet Hinter dem Kirchhof urbar gemacht wird. Für zehn Bauplätze der Gemeinde à 640 Euro pro Quadratmeter interessierten sich hier 28 Personen. Ihm fehle zwar der direkte Vergleich, weil die Kommune zuletzt keine Neubaugebiete ausgewiesen habe, konstatiert Bürgermeister Steffen Döttinger. Denn nach der Erschließung des recht großen Areals Im näheren Grund sei gegenüber der Region versichert worden, bis 2016 kein weiteres Projekt in dieser Richtung anzupacken. „Nach meinem Bauchgefühl hätte ich aber mit der doppelten Zahl an Bewerbern gerechnet“, sagt der Rathauschef.

Über die Gründe für das nicht ganz so große Feld an Interessenten könne man nur spekulieren. „Tatsache ist aber, dass die Zinsen zuletzt deutlich gestiegen sind. Wobei ich mich schon ein wenig wundere, wenn bei einem Anstieg um zwei Prozent gleich die ganze Finanzierung wackelt“, sagt er.

Sieben von zehn Grundstücken gehen an Einheimische

Erfreut ist Döttinger über den Umstand, dass bei der Vergabe sieben Affalterbacher zum Zuge kamen – und damit alle Einheimischen, die ihren Hut in den Ring geworfen und die Vorgaben erfüllt hatten, die da lauteten: bis dato kein Wohneigentum größer als 100 Quadratmeter zu besitzen.

Interessenten können aus sechs Preiszonen wählen

Noch nicht gestartet ist der Vergabeprozess der 21 Grundstücke, die die Gemeinde Oberstenfeld im Neubaugebiet Dürren IV veräußert. Folglich könne er „keine Informationen zu den Auswirkungen der Zinserhöhungen, der Nachfrage und der Zuteilung an Oberstenfelder Bürger geben“, erklärt Bauamtsleiter Kai Kraning. Fest steht aber, dass die Grundstücke je nach Bebaubarkeit und Attraktivität in sechs Preiszonen aufgeteilt wurden, die bei 480 Euro pro Quadratmeter anfangen und bei 625 Euro enden.