Die Wilhelma-Verantwortlichen waren überrascht, als am 10. Juli ein Irbis-Kätzchen das Licht der Welt erblickte. Jetzt ist der niedliche Nachwuchs auch für die Besucherinnen und Besucher zu bestaunen.
Neugierig erobert die kleine Schneeleopardin ihr neues Revier. Die Geburt bei den von der Weltnaturschutzorganisation IUCN als gefährdet eingestuften Raubkatzen war überraschend. Bereits am 10. Juli erblickte die weibliche, noch namenlose Katze das Licht der Welt. Jetzt ist sie auch für die Wilhelma-Gäste zu sehen.
Zu Beginn blieben Kailash und ihr Jungtier zunächst noch hinter den Kulissen. Auch in der Natur sind Neugeborene anfangs hilflos und bleiben versteckt in einer Höhle, bis sie alt genug sind, erste Erkundungstouren allein zu unternehmen. Nach gut zwei Monaten ist der kleine Irbis, wie Schneeleoparden auch genannt werden, bereit, auch die Außenanlagen zu erobern. Kater Ladagh wird vorerst Zaungast bleiben.
„Die Geburt war eine echte Überraschung“, sagt Ulrike Rademacher, Kuratorin der Schneeleoparden. „Kailash ist mit 13 Jahren bereits im hohen Alter und wir haben nicht mehr mit einer Schwangerschaft gerechnet.“ Das kleine Weibchen spielt bei der Arterhaltung eine wichtige Rolle. Mutter Kailash ist eine Nachkommin von Dshamilja, die von Wilderern so schwer verletzt worden war, dass sie nicht mehr in der Natur selbstständig überleben konnte. Sie kam daher in die Obhut von Menschen und lebte bis zu ihrem Tod im Zoo Zürich. Dshamilja sorgte für eine genetische Auffrischung der Schneeleoparden-Population in den zoologischen Gärten. Aus diesem Grunde ist auch das nun geborene Jungtier für die Erhaltung der Irbisse von großer Bedeutung.
Mutter Kailash ist bereits 13 Jahre alt
Weltweit gibt es nur noch 4000 Irbisse
Schneeleoparden zählen zu den seltensten Großkatzen der Erde. Nur noch rund 4000 leben in freier Wildbahn. Dazu kommt, dass der Schneeleopard im Hochgebirge lebt und damit zu den ersten Leidtragenden der weltweiten Klimakrise zählt. Daneben setzten Wilderei und Lebensraumverlust den Tieren zu. Schneeleoparden leben in zentralasiatischen Gebirgszügen wie Altai, Pamir, Hindukusch und Himalaja. Mit ihrem dichten Fell sind sie für ein Leben in Schnee und Eis ausgerüstet. Die breiten Pfoten wirken im tiefen Schnee wie Schneeschuhe. Ihren langen, buschigen Schwanz nutzen sie zum Ausbalancieren beim Springen und als Wärmespender. Wenn sie sich eingerollt hinlegen, legen sie die Schwanzspitze über die Nase, so wird die Luft vorgewärmt und erleichtert ihnen das Atmen.
Wilhelma züchtet seit 30 Jahren
Die Wilhelma hält und züchtet bereits seit mehr als 30 Jahren die bedrohte Großkatzenart. Gleich dreifachen Nachwuchs gab es am im April 2021. Und das tapsige Trio Dawa, Karma und Nyima brauchte damals nicht lange, um die Herzen der Besucherinnen und Besucher zu erobern. Am 2018 eröffneten neuen 730 Quadratmeter großen Gehege, das der zoologisch-botanische Garten mit Zuschüssen des Fördervereins errichten konnte, bildeten sich schnell große Menschentrauben.
Mit dem Naturschutzverbund Deutschland (NABU) engagiert sich die Wilhelma für den Schutz des Lebensraums von Schneeleoparden. Zusätzlich wurden unterschiedliche Projekte seit 2019 mit insgesamt rund 67 000 Euro Spenden unterstützt. Hierzu zählt die Absicherung der Arbeit der Anti-Wilderer-Einheit „Gruppa Bars“ sowie die Ausrüstung neuer Anti-Wilderer-Vereine in Kirgistan. Zudem wird der Bau von schneeleopardensicheren Ställen finanziert, damit die Schneeleoparden kein Vieh erlegen können.