Neues Album von Panda-Rapper Cro „Ich bin ein Fuchs“

Von mm 

Beste Ausblicke? Der Stuttgarter Rapper Cro setzt weiter auf die Pandamaske und will bald neue Songs schreiben Foto: dpa
Beste Ausblicke? Der Stuttgarter Rapper Cro setzt weiter auf die Pandamaske und will bald neue Songs schreiben Foto: dpa

Der Stuttgarter Pop-Rapper Cro ist mit zwei Nummer-eins-Alben und Erfolgen wie „Easy“ oder „Traum“ ganz oben. An diesem Freitag erfreut Carlo Waibel, wie Cro eigentlich heißt, seine Fans mit dem Live-Mitschnitt des „MTV Unplugged“-Konzerts, der als CD und DVD in den Handel kommt.

Herr Waibel, manche hatten spekuliert, dass Sie bei dem „MTV Unplugged“ die Maske lüften würden.
Nee, warum denn? Ich habe mir das jetzt so schön aufgebaut und habe meine Ruhe, warum sollte ich mir diese Freiheit zerstören?
Sie haben immer noch keine Lust, Ihr Gesicht zu zeigen?
Ich brauche keine Anerkennung für mein Gesicht. Jetzt die Maske abzusetzen wäre das Dümmste, das ich machen könnte. Die Maske hat total geholfen, mich bekannt zu machen, in der Öffentlichkeit bin ich der Rapper mit der Pandamaske. Und das finde ich super so. Ich würde ohne Maske meine komplette Privatsphäre verlieren. Viele andere Promis sind sooo neidisch auf mich. Ich kann 200 Meter hinter der Konzerthalle tanken gehen, und kein Mensch erkennt mich.
Wenn man im Netz ein bisschen sucht, findet man aber Bilder von Ihrem Gesicht. Wer macht die?
Die Mütter! Die sehen irgendwo ein Foto in der Zeitung, und obwohl ich nie bestätigt habe, dass ich das auch wirklich bin, denken die: „Och, das Geheimnis ist ja schon gelüftet.“ Neeein. Ist es nicht.
Sie sind der jüngste Deutsche, der je ein „MTV Unplugged“ aufgenommen hat. Eine ziemliche Ehre.
Eine megakrasse Ehre. Ein total geiler Ritterschlag. Als das Angebot kam, habe ich sofort Ja gesagt.
Waren Sie nervös bei der Aufzeichnung?
Am Anfang war ich ultranervös. So wie in der Schule früher. Nein, schlimmer. Als wenn ich die mündliche Abiturprüfung in Mathematik vor der ganzen Stufe hätte ­ablegen müssen. Auf Englisch.
So schlimm?
Ja, wirklich. Mir war so schlecht. Nach hinten raus wurde es lockerer und cooler. Mit den vielen Instrumenten, der großen Band, das hat mich tierisch geflasht.
Was war für Sie das Besondere?
Das Konzert hatte eine ganz andere Energie als normale Auftritte. Ich musste die ganze Zeit sitzen, man durfte nicht richtig abgehen, wegen der Aufzeichnung war der Sound längst nicht so fett aufgedreht wie üblich.
Warum haben Sie immer „Hallo, Stuttgart“ gesagt? Das Konzert war doch in Ludwigsburg, also etwa 15 Kilometer von Stuttgart entfernt.
Ludwigsburg ist für mich noch Stuttgart. Ich hoffe, da sind die Ludwigsburger nicht beleidigt. Das Publikum kam auch aus Stuttgart. Alle waren da. Meine Freundin, meine Mutter, die Geschwister, meine ­Freunde.
Und Sami Khedira. Woher kennen Sie sich?
Sami ist Stuttgarter, der kommt von hier, deshalb kenne ich den. Sami ist ein cooler Typ. Als ich noch gar nicht so bekannt war, rief er an und sagte „Hey, lass uns mal zusammen abhängen.“ Ich bin auch schon mal mit ein, zwei Liedern auf seinem Geburtstag aufgetreten. Sami ist echt ein guter Kumpel geworden.
Haben Sie selbst mal im Verein gespielt?
Ja, von Bambini bis B-Jugend, also von ungefähr sechs bis 16. Dann kam das mit dem Feiern am Wochenende, und es wurde mir zu doof, dreimal die Woche zu trainieren und am Wochenende zu spielen. Ich hatte nebenher schon mit der Musik angefangen, das hat nicht mehr zusammengepasst. Und ich fand auch irgendwann die ganzen Fußballer nicht mehr so cool.
Halten Sie sich für schlau?
Wie komme ich Ihnen denn vor?
Manchmal machen Sie einen etwas gemächlichen Eindruck. Aber irgendwie clever.
Ja, ich glaube, das trifft es. Ich bin clever. Ich kann schnell denken und logisch kombinieren. Ich bin nicht klassisch schlau, beim „Trivial Pursuit“ bin ich nicht gut, Hauptstädte und Allgemeinbildung und so, da weiß ich nicht so viel. Aber ich bin ­streetsmart. Ich bin ein Fuchs.
Sie sind 25, haben zwei sehr erfolgreiche ­Alben veröffentlicht, sind Mitbesitzer einer Kleidungsfirma und spielen eine Hauptrolle im Film „Cro – Don’t Believe The Hype“, der nächstes Jahr ins Kino kommt und von Til Schweiger mitproduziert wird . . .
. . . die Idee zu dem Film kam eher von den Jungs hier bei meinem Label Chimperator Records. Wir haben bestimmt zwei Jahre an der Geschichte gefeilt. Die Story ist megaverrückt. Ich glaube, der Film wird krass. Und Til ist ein supercooler Typ.
Noch mal: Sie sind 25 und ein Star. Flippen Sie da mal aus vor Freude?
Ach, dazu habe ich gar keine Zeit. Ich habe so viele Ideen und so viele Projekte am Laufen, ich bin immer viel zu beschäftigt. Und „Mitte 20“ kommt mir sowieso komisch vor- Gefühlt bin ich höchstens 18.
Woran stellen Sie das fest?
Ich bin noch voll jugendlich. Obwohl, jetzt habe ich was ganz Erwachsenes gemacht. Ich bin in eine neue Wohnung gezogen, ein fettes Loft in Stuttgart. Ich habe einen Riesenraum mit einer Riesensofalandschaft drin, ein Studio werde ich auch noch einbauen. Und es gibt Kühlschränke, die voll sind.
Gute Voraussetzungen für neue Songs . . .
Ich hoffe, das neue Studio wird mich kreativ flashen. Im Moment fehlt mir zum Schreiben so etwas der nötige Druck. Auf dem ersten Album war eh alles neu, auf meinem zweiten Album „Traum“ war dann Amanda die große Inspiration, deswegen sind da so viele Liebeslieder drauf. Mann, was ich alles für die geschrieben habe . . .
Fallen Ihnen zu Ihrer Freundin keine neuen Lieder ein?
Mal schauen, ich denke gerade: „Okay, Amanda, für dich habe ich jetzt genug Songs geschrieben.“ Man kann ja auch nicht immer nur Liebeslieder machen. Ich denke aber, wenn der Stress mit dem Unplugged-Album und dem Film mal vorbei ist, komme ich ­wieder in den Modus. Dann geht es ab.
Sie haben beim „Unplugged“-Auftritt auch ein Stück zusammen mit dem Rapper Haftbefehl gemacht. Man denkt ja: Das ist der totale Gegensatz – der krasse Gangsta und Cro.
Ich feiere den Hafti extrem. Er mich auch, obwohl ich in seinen Augen ja eigentlich ein uncooler, deutscher Idiot sein müsste. Ich war auf seinem Konzert, er auf meinem, wir mögen uns einfach.
Wächst im deutschen Hip-Hop gerade sowieso alles zusammen – die harte Straße und das Bürgerliche?
Sieht so aus. Es gibt da keine Grenzen mehr. Das ist cool. Bis vor kurzem war das noch anders, aber jetzt haben sich alle lieb. Vielleicht sind die Schlachten geschlagen. Der Zusammenhalt in der Szene war noch nie größer, man hilft sich gegenseitig. Aber klar, es gibt auch noch ein paar, die sich nicht leiden können.
Haben Sie mit Ihrem freundlichen Auftreten das Image des Hip-Hop gedreht?
Ein bisschen vielleicht. Kann sein, dass ich mit schuld daran bin, dass jetzt alle so gute Kumpels sind. Bin halt nett.
Haben Sie auch mal versucht, ein böser Rapper zu sein?
Klar, am Anfang, mit 15, 16. War natürlich alles Quatsch, was ich da erzählt habe, ich bin einfach kein Gangster.
Sind Sie für Ihre vielen jungen Fans ein Vorbild?
Ich habe einen gewissen Einfluss. Ich hatte mal ein bestimmtes Paar Schuhe an und hab’ das auch gepostet. Und zack, schüttelt mir der Nike-Chef auf einer Party die Hand und sagt: „Danke, Alter. Du hast diese Schuhe wiederaufleben lassen.“
Ihr Freund Max Herre ist politisch sehr engagiert. Käme ein politischer Song für Sie infrage?
Nein, das liegt mir nicht. Ich habe mir mal überlegt, was passiert, wenn wir eine Partei gründen würden. Wir haben so viele Anhänger. Ich denke, wir würden es auf jeden Fall in den Bundestag schaffen.
Was wäre Ihr Programm?
Ach, das ist mir zu hoch. Was will man groß verändern. Ich werde nie Bock haben, politische Dinge zu entscheiden. Der Chef ist immer der Buhmann, auch wenn er es gut meint. Die Welt zu verbessern, es allen recht zu machen ist sehr, sehr schwer. Kanzler Carlo wird es nicht geben. Lieber ziehe ich irgendwann in eine Finca, habe einen kleinen Zoo, baue Gemüse an und lasse die Welt gemütlich an mir vorbeiziehen.
Zur Person: Cro

Cro wurde am 31. Januar 1990 als Carlo Waibel in Mutlangen bei Stuttgart geboren. Er besuchte die Realschule auf dem Galgenberg in Aalen sowie die Johannes-Gutenberg-Schule in Stuttgart.

Nach dem Abschluss der Mittleren Reife absolvierte Waibel eine Ausbildung zum Mediengestalter im Stuttgarter Pressehaus und arbeitete als Cartoonzeichner.

Unter dem Pseudonym Lyr1c war Waibel von 2006 bis 2008 auf der Internetplattform Reimliga Battle Arena aktiv. 2009 veröffentlichte er das Mixtape „Trash“, 2011 „Meine Musik“, das er kostenlos im Internet zum Herunterladen anbot.

2012 erschien Cros Debütalbum „Raop“ (kurz für Rap-Pop) bei dem Stuttgarter Independent-Label Chimperator. Es verkaufte sich mehr als 1,5 Millionen Mal.

An diesem Freitag erscheint Cros neues Album „Cro – MTV Unplugged“. Der Live-Mitschnitt entstand im Live-Club Scala in Ludwigsburg.

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