Tua hat mit seiner Musik den Deutschrap geprägt. Jetzt meldet sich das Orsons-Mitglied mit neuem Soloalbum zurück. Und das klingt überraschend optimistisch.
Ein Roadtrip durch Südeuropa, das Auto schlängelt sich durch enge Straßen, Palmen ziehen vorbei. „Marlboro und Coca-Cola / Irgendwo in Südeuropa / Für immer oder bis Oktober / Der Himmel ist weit und blau“, singt Tua im Auto sitzend. Nach fünf Jahren veröffentlicht der Musiker am 15. März ein neues Album und was schon seine erste sommerlich-leichte Single „Weit und blau“ mit dazugehörigem Musikvideo bei ihrer Veröffentlichung angedeutet hat, setzt sich auch in den anderen Liedern fort: Tua hat seinen in Schwarzweiß gehaltenen künstlerischen Output in Farbe getaucht. Die Songs sind versöhnlicher, beschwingter, weniger schwer.
Mit seinen vorangegangenen Alben „Grau“ und „Tua“ hat der in Reutlingen geborene Rapper einen ganz eigenen Sound geschaffen, changierend zwischen den Musikstilen, mal mit Elektrobeats, mal eingängig, mal experimentell, und immer ziemlich düster. Die Themen seiner Texte: Schlägereien, Depressionen, Vorstadttristesse. Tua hat mit seinen Alben den deutschen Rap geprägt und wurde nicht nur zum Kritiker- und Szeneliebling – zum Lieblingsrapper der Rapper – , sondern auch zum „König der Melancholie“.
Nach vielen Jahren Schwarzweiß habe sich das nicht mehr authentisch angefühlt, sagt Tua, bürgerlich Johannes Bruhns, im Interview. Die Vorstadt hat er schließlich lange schon verlassen, er wohnt in Berlin, ist 38 Jahre alt und Vater dreier Kinder. „Ich habe an Sonnentagen am Volkspark Friedrichshain Espresso getrunken, mit abstehendem kleinem Finger, um dann ins Studio zu fahren und zu schauen, wo es wehtut. Das ist einfach albern geworden“, sagt er.
Also hat er sich neu erfunden, was nicht heißt, dass seine Musik nicht immer noch seine eigene, melancholische Handschrift trägt. „Ich finde nach wie vor melancholische Musik total toll und bin jederzeit dazu bereit, ein trauriges Lied zu schreiben, wenn ich super traurig bin, aber ich bin nicht bereit dazu, mir in den Arm zu schneiden, nur damit es irgendwo weh tut.“
Mit seinem Album „Eden“ möchte er sich nun nach dem Guten ausstrecken. „Eden steht für mich als Symbol für das Gute, das Wohlfühlen, das Glücklichsein, das Aufgehobensein. Ich denke, dass es uns allen, egal wie wir es formulieren und wie wir uns verhalten, am Ende darum geht, glücklich zu sein und wir immer wieder versuchen, das hinzukriegen. Dieses Streben ist wie ein Kompass, der uns durchs Leben führt.“
Auf dem Album beschreibt er Menschen, die auf dieser Suche sind – und dabei auch mal kolossal scheitern. Er verhandelt falsch verstandene Formen von Männlichkeit oder die harte Realität, die einen kurz vor dem vierzigsten Lebensjahr einholen kann. Das echte Leben wechselt Windeln und hat Scheiße an der Hand, singt er im Lied „Echte Leben“.
Tua hat einige Gastmusikerinnen und Gastmusiker auf seinem neuen Album, etwa Nura oder der Bietigheimer Rapper Rin. Das vielleicht eingängigste Lied ist „Niederlande“, in dem er und Rapper Tarek von K.I.Z. von einer durchzechten Nacht im Nachbarland singen. Ein Lied mit Mitsing-Potenzial. So sehr, dass es Tua fast schon zu schmissig war – bis Tarek dazu kam. „Der Song baut auf einem Gitarrenriff auf, das jeder kennt. Nach meinen ersten Songzeilen hat man direkt einen Ohrwurm. Ich habe mich gefragt, wie ich da durch- und am Ende irgendwo ankomme, wo ich mich wohlfühle. Tarek hat dem Song mehr Gewicht verliehen. Er wird in seinem Part konkret und auch die Akkorde ändern sich. Damit wurde alles substanzieller“, sagt er.
In den vergangenen Jahren hat Tua nicht nur seine eigene, sondern auch die Musik anderer Künstlerinnen und Künstler produziert. Außerdem ist er ein Viertel der Band Die Orsons, deren Sound so ganz anders ist als alles, was auf seinen eigenen Alben zu hören ist.
Tua gilt als Musiker, der alles im Alleingang macht: Beats, Text, Komposition. Bei ein paar Liedern hat er sich diesmal trotzdem Tim Tautorat mit ins Boot geholt, einen Berliner Produzenten, der mit Künstlern und Bands wie Provinz oder Betterov zusammenarbeitet. „Vor ein paar Jahren hätte ich das nicht gekonnt“, sagt Tua. „Ich hätte sofort das Gefühl gehabt, dass mir etwas entgleitet und ich nicht meine ganz eigene Vision umsetzen kann.“
Bereits als Kind hat er mit Kassettenrekordern experimentiert, und damit Musik aufgenommen. Musik und das Produzieren von Musik hat immer schon eine große Rolle gespielt: „Ich hatte ganz lange so einen Handwerkerstolz: Ihr anderem seid gar nicht solche Künstler wie ich, weil ihr das Handwerk nicht beherrscht! Da war ganz schön viel Unsicherheit dabei. Ich denke, ich wollte die Dinge bei mir behalten, um an Ende die Deutungshoheit für mich behaupten zu können. Davon komme ich immer mehr weg. Das Künstlerego und überhaupt das Ego wird kleiner.“
Auf der aktuellen Clubtour steht er aber wieder alleine auf der Bühne und zeigt, dass auch in der neuen Ära immer noch ganz viel von dem Tua steckt, den man kennt. „Ich glaube, die Leute haben trotzdem nach einiger Zeit gemerkt, dass das genau derselbe Typ ist, er hat nur die Hose gewechselt.“
„Eden“ erscheint am 15. März
Mit neuem Album auf Tour
Person
Tua heißt bürgerlich Johannes Bruhns und ist am 2. März 1986 in Reutlingen geboren. Er hat nach der zwölften Klasse die Schule abgebrochen, um sich ganz der Musik zu widmen. Inzwischen wohnt und arbeitet der Vater von drei Kindern in Berlin. Tua bildet gemeinsam mit Maeckes, Bartek und Kaas die Gruppe Die Orsons.
Karriere
Der Rapper hat seine Musik zunächst auf dem legendären Berliner Label Royal Bunker veröffentlicht. Inzwischen ist er bei Chimperator unter Vertrag. Seit seinem Album „Grau“ aus dem Jahr 2009 wird er von Kritik und Fans gefeiert, das Album gilt genau wie sein zehn Jahre später erschienenes Werk „Tua“ als Deutschrap-Klassiker. Mit seinem neuen Album „Eden“ ist er derzeit auf Clubtour, am Montag, 18.3. spielt er im Wizemann.