Andreas Metz und seine Mitstreiterinnen kontrollieren eine Wiese per Wärmebild-Drohne. Foto: Gottfried Stoppel

Rehkitze sind im hohen Gras kaum zu erkennen – immer wieder werden sie beim Mähen versehentlich getötet. Der Verein Flugmodus BK will das verhindern, er unterstützt Landwirte und Grundstücksbesitzer kostenlos.

Auenwald - Das aufgeregte Summen kommt immer näher. Es klingt wie ein wütender Hornissenschwarm – doch ein Angriff droht an diesem Morgen auf den Wiesen bei Auenwald nicht. Im Gegenteil: Der Drohnenpilot Andreas Metz ist in äußerst friedliebender Mission unterwegs. Das surrende Fluggerät zieht über einem nahen Wiesenstück Bahn um Bahn, seine Kamera liefert ein Wärmebild des Bodens. Gebannt schauen Metz und seine Mitstreiterinnen Stefanie Schlotterbeck und Stefanie Stärk auf einen Tabletcomputer, auf dem blaue und grüne Schlieren sich abwechseln. Keine Wärmequelle kommt in Sicht.

Für Rehkitze können Mäharbeiten tödlich enden

Die drei 33-Jährigen sind auf der Suche nach Rehkitzen – heute für eine Vorführung, aber bald soll die Wiese gemäht werden. Wenn es so weit ist, wird es für kleine Rehe gefährlich. „Sie in dem hohen Gras zu entdecken, ist vom Schlepper aus fast unmöglich“, sagt Gerhard Seiter. Die Wiese gehört ihm. Er ist im Ruhestand, betreibt Landwirtschaft im Nebenerwerb und ist froh um die Luftunterstützung durch den neuen Verein Flugmodus BK. Er selbst, sagt Seiter, habe noch nie ein Kitz „vermäht“. Doch es kommt immer wieder vor, dass ein kleines Reh einen solch grausamen Tod stirbt. In den ersten Wochen ihres Lebens haben die Tiere noch keinen Fluchtinstinkt, sondern ducken sich tief ins Gras – das ist wirksam gegen Raubtiere, aber nutzlos gegen ein Mähwerk.

Stefanie Schlotterbeck und Stefanie Stärk haben vor einiger Zeit mitbekommen, wie beim Mähen einer einzigen Wiese trotz diverser Vorsichtsmaßnahmen fünf Kitze umkamen – und fragten Andreas Metz, ob ihm eine Lösung einfalle. Wie Schlotterbeck ist er Vermessungsingenieur, er arbeitet hauptberuflich mit Drohnen. Die drei entschlossen sich, sich zum Verein zusammenzutun und Landwirten und Grundstücksbesitzern die Absuche kostenlos anzubieten. Dafür kratzten sie im Bekanntenkreis Gelder zusammen, um eine Wärmebild-Drohne zu kaufen. Inwischen haben sie elf Mitstreiter gewonnen. Bei zehn Einsätzen rettete der Verein insgesamt 24 Kitze und sechs kleine Feldhasen.

Der Verein hofft, im nächsten Jahr mit Verstärkung abzuheben

Die Landbesitzer profitieren von der ehrenamtlichen Hilfe. Denn laut Gesetz sind sie verpflichtet, den zuständigen Jagdpächter vor einer Mahd zu informieren sowie zumutbare Maßnahmen zu treffen, die den Tod von Kitzen verhindern können. Immer wieder hagelt es saftige Geldstrafen für Bauern, die dem nicht nachgekommen sind. Der Jagdpächter muss im Übrigen auch über die Einsätze von Flugmodus BK informiert werden – wenn möglich, sollte er sogar dabeisein.

Auch wenn die Drohne des Vereins samt Zubehör rund 3500 Euro gekostet hat, ist bei der Ausrüstung noch Luft nach oben. „Die Auflösung der Kamera ist recht schlecht, deshalb müssen wir ziemlich niedrig fliegen, um überhaupt etwas zu erkennen“, erklärt Metz. Da die Drohne deswegen öfter hin und her fliegen muss, um eine Wiese abzudecken, dauern die Einsätze länger. Im kommenden Jahr will sich der Verein daher besser aufstellen – vielleicht auch mit weiteren Mitstreitern mit Drohne, damit mehrere Wiesen gleichzeitig kontrolliert werden können.

Beim Anfassen eines Kitzes ist Vorsicht geboten

Entdecken die Helfer via Drohne ein Rehkitz, laufen sie los. Das Tier wird nur mit Handschuhen und zusätzlich mit Hilfe von Grasbüscheln berührt, damit es keinen menschlichen Duft annimmt. In diesem Fall würde es vom Muttertier verstoßen. Das Kitz wird außerhalb des Gefahrenbereichs gebracht. „Dort schreit es nach seiner Mutter, die es dann wiederfindet“, erklärt Metz.

Auf der Wiese von Gerhard Seiter liegt heute kein Kitz. Der Flug bei ihm war einer der letzten dieser Art für diese Saison. Da die meisten Landbesitzer ihr Heu bereits eingebracht haben, ist die erste Einsatzwelle für den Verein vorbei. Der Verein Flugmodus BK hat sich laut seiner Satzung dem Tierschutz verschrieben und will sich für die kommende Zeit nach anderen Einsatzmöglichkeiten umsehen. Denkbar sei zum Beispiel die Suche nach entlaufenen Hunden. Anfragen von Jägern, für die Jagd in Maisfeldern nach Wildschweinen zu suchen, hat der Verein jedoch abgelehnt.

Wer die Ehrenamtlichen von Flugmodus BK bitten möchte, eine Wiese vor der Mahd abzusuchen, kann dies per Mail an flug.modus@gmx.de tun.

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