Ab diesem Semester wird an der Uni Freiburg ein neuer Studiengang angeboten: Hebammenwissenschaft. 35 Frauen haben einen Platz bekommen. Was erwartet die Studentinnen?
Freiburg - Wenn Pia-Cecilia Steinbrück über ihre Arbeit spricht, kommt sie schnell ins Schwärmen: „Hebamme zu sein ist nicht einfach ein Beruf. Das ist eine Lebenseinstellung. In Geburtssituationen ist man mit Emotionen konfrontiert, die man sonst nicht erlebt. Das verändert einen Menschen.“
Steinbrück koordiniert den Studiengang Hebammenwissenschaft, der seit diesem Semester an der Uni Freiburg erstmals angeboten wird. 35 Frauen haben vor ein paar Wochen das Bachelorstudium des nachgefragten Studiengangs begonnen. Die Plätze waren schnell vergeben, heißt es vonseiten des Instituts für Pflegewissenschaft, dem der neue Ausbildungszweig nun zugeordnet ist. Nur Männer, die übrigens ebenfalls Hebamme heißen würden, zeigten bislang kein Interesse an dem neuen Studiengang.
Auf Hebammen kommen schöne und unschöne Momente im Kreißsaal zu
Neben theoretischen Modulen im Hörsaal und vor dem Laptop müssen die angehenden Hebammen auch selbst aktiv werden. In den Praxisphasen werden sie zwischen verschiedenen Stationen des Uniklinikums Freiburg, freiberuflichen Hebammen und Geburtshäusern wechseln. Ende Januar geht es für die Studentinnen zum ersten Mal in den Kreißsaal.
Das wird natürlich nicht immer nur leicht. Wenn Steinbrück an ihre eigenen Erfahrungen aus dem Kreißsaal denkt, kommen ihr „schöne und unschöne emotionale Momente“ in den Kopf. Mehr erzählt sie darüber nicht. Denn als Hebamme versuche sie, die intimen Momente der Geburt in der Privatsphäre der jungen Mutter und ihres Kindes zu belassen. Das sei besonders wichtig, und dies werde sie auch den angehenden Hebammen beibringen.
Ausbildung nur noch an Hochschulen möglich
Dass die Ausbildung nur noch an Hochschulen erfolgen darf, wurde erst vergangenes Jahr durch das Hebammenreformgesetz geregelt. Demnach dürfen Hebammen ab Januar 2023 den Beruf nicht mehr wie bisher in einer Ausbildung erlernen, sondern müssen ein Studium absolvieren. Während der Übergangsfrist bis Anfang 2023 können jedoch noch Kurse in Hebammenschulen beginnen. Studentinnen, die sich an der Hochschule zur Hebamme ausbilden lassen, erhalten im Unterschied zu anderen Studiengängen eine Vergütung. Für diese kommen die Praxiseinrichtungen auf.
Die Hebamme Luise Lengler, die ebenfalls zum Leitungsteam des neuen Studiengangs gehört, sieht einen großen Erfolg in der Akademisierung. „Hebammen haben über Jahre dafür gekämpft“, sagt Lengler. In allen anderen europäischen Ländern liefe die Ausbildung bereits über die Hochschulen. Deutschland sei nun endlich auf Augenhöhe mit seinen Nachbarländern. Einen Vorteil sieht Lengler darin, dass nun ein lebenslanges Lernen möglich sei. So könnten Hebammen neben dem Bachelorabschluss auch im Anschluss einen Master absolvieren. Sie könnten zudem promovieren und eine Professur anstreben. Das war vorher nicht möglich.
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In Freiburg ist man jedenfalls auf den neuen Studiengang sehr gespannt. Die Hebammen, die an der Ausbildung beteiligt sind, freuen sich, ihr Wissen weiterzugeben. Luise Lengler sieht in den Studierenden dabei schon ihre zukünftigen Kolleginnen: „Wir werden die angehenden Hebammen so vorbereiten, dass wir gern mit ihnen arbeiten würden. “