Otto Ruppaner wird erst einmal nach Leinfelden-Echterdingen pendeln. Foto: Ines Rudel

Was soll sich mit Otto Ruppaner als neuer Rathauschef in Leinfelden-Echterdingen ändern? Wir waren auf Stimmenfang.

Otto Ruppaner, bis dato Bürgermeister in Köngen, wird im Frühjahr Oberbürgermeister Roland Klenk ins Amt folgen. Was bedeutet das für Leinfelden-Echterdingen? An welchen Stellen wird der neue Rathauschef an die Politik seines Vorgängers anknüpfen? Wo wird er das Ruder herumreißen? Das wird die Zeit weisen. Fest steht: Die Erwartungen an den Neuen sind hoch. Er wird an seinen Wahlversprechen gemessen werden.

 

Weil bei der Kinderbetreuung in Leinfelden-Echterdingen die „Hütte brennt“, wie Eberhard Wächter, Fraktionschef der Freien Wähler/FDP sagt, müsse Ruppaner dieses Thema als eines der ersten angehen. Hier könne er auch Erfolge aus Köngen vorweisen. Die Gemeinde sei in der glücklichen Lage, keine Wartelisten zu haben. Bei neuen Baugebieten werde die Kita gleich mitgeplant, hatte Ruppaner unserer Zeitung erklärt.

Hoffnung auf die Nord-Süd-Straße

Aber auch in Sachen Migration und Mobilität müsse schnell gehandelt werden, findet Wächter. Seine Fraktion gehört zu den Befürwortern der Nord-Süd-Straße. Sie hofft, dass die verkehrswissenschaftliche Untersuchung, die der neue Rathauschef anstrebt, zeigen wird, dass diese Straße die Ortskerne nachweislich entlastet. Viel Kraft solle der neue Rathauschef auch in die Stärkung des Wirtschaftsstandortes stecken, wünscht sich der Freie Wähler/FDP-Chef.

Ruppaner hat kein Parteibuch und ist doch dem bürgerlichen Lager zuzuordnen. Er hat sich in den vergangenen Wochen als „bürgerlicher OB-Kandidat der Mitte“ bezeichnet, erinnert Wächter. Die Freien Wähler hatten sich dann auch sehr schnell für den Mann aus Köngen ausgesprochen, ihn im Wahlkampf stark unterstützt. Ruppaner ist katholisch. Er steht für das klassische Familienbild. Von seinen Werten her wird er also ein Stück weit an die „erfolgreiche Politik von Herrn Klenk anknüpfen“, ist sich der Freie Wähler-Stadtrat sicher.

In den Arbeitsmodus schalten

Ilona Koch, CDU-Fraktionschefin, sagt: „Wir können gut mit Herrn Ruppaner leben.“ Sie ist aber gespannt, wie es sein wird, mit einem Rathauschef, der nicht in Leinfelden-Echterdingen lebt. Denn Ruppaner hat zwar vor, in die Stadt zu ziehen, allerdings nicht sofort. Sie ist außerdem gespannt darauf, wie es dem neuen Oberbürgermeister gelingen wird, vom Wahlkampf- in den Arbeitsmodus zu schalten und eine gute Arbeitsatmosphäre im Gemeinderat zu schaffen. Denn: „Im Wahlkampf hat er sich immer wieder gegen alle Parteien ausgesprochen“, sagt Koch. In den kommunalpolitischen Gremien aber sitzen eben nicht nur Freie Wähler, sondern auch viele Vertreter diverser Parteien. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende David Armbruster will dem neuen Rathauschef auf die Finger schauen. Auch weil er selbst gerne Oberbürgermeister geworden wäre. „Herr Ruppaner hat bisher viele Infos aus dritter Hand nehmen müssen, weil er ja nicht aus der Stadt kommt“, sagt er. Und: „Wir hoffen, dass er sich schnell und vertieft in die Themen dieser Stadt einarbeitet. Wir wünschen uns, dass es kein Jahr des Stillstandes geben wird.“ Ruppaner habe beispielsweise versprochen, die Situation für Radfahrer zu verbessern. Das Radwegekonzept liege in der Schublade, diese Maßnahmen gelte es nun umzusetzen und sichtbar zu machen. In Sachen Kitas hofft Armbruster, dass, um die Warteliste zu verkürzen, die Gruppen nicht mit noch mehr Kindern gefüllt werden.

Die SPD-Fraktion, deren Kandidat Raiko Grieb die Stichwahl gegen Otto Ruppaner relativ knapp verloren hat, hat die Befürchtung, dass es Themen wie sozialer Wohnungsbau und Inklusion künftig schwer haben werden. SPD-Vize-Fraktionschefin Barbara Sinner-Bartels sagt: „Ich finde es gut, dass die Kinderbetreuung im Wahlkampf einen hohen Stellenwert hatte und bin gespannt, was davon in der Umsetzung bleibt.“ Sie wünscht sich eine strikte Priorisierung der Projekte und ein Durchhalten dieser Reihenfolge.

Robert Weißgraeber, Initiator einer Elterninitiative in Leinfelden-Echterdingen, sagt zum Ausgang der Wahl: „Mit seiner Führungsstärke wird Otto Ruppaner seinen angekündigten Maßnahmenplan zur Kinderbetreuung umsetzen können, sodass mit einer Verbesserung zu rechnen ist.“ Entscheidend werde sein, ob er hierbei die Priorität so hoch ansetzt, dass die Umsetzung nicht angesichts des nun anstehenden Kommunalwahlkampfes und der Haushaltsdebatte im Herbst untergeht. Es hoffe, dass der neue Oberbürgermeister seinen aufgeräumten Stil beibehält.

Dialog mit jungen Menschen suchen

Simon Hauser, Schülersprecher am Leinfelder Gymnasium und Mitglied des Jugendgemeinderates, betrachtet die Wahl von Otto Ruppaner als Chance für einen Kurswechsel. „Ich bin froh, dass eine stärkere Jugendbeteiligung eines der Themen ist, die ihm am Herzen liegen“, sagt er. Er wünscht sich einen Oberbürgermeister, der die Schulen aktiver unterstützt und den direkten Dialog mit den jungen Menschen sucht. Neben den Bildungsräumen müssten die Freizeitaktivitäten der Jugend mitgedacht werden. „Wir werden ihn an seinen Wahlversprechen messen“, kündigt der Jugendgemeinderat an. Und betont: „Ich hoffe, dass die Jugendbeteiligung sich konkret und zeitnah niederschlägt.“

Von einer Gemeinde in die Stadt

Wahlbeteiligung
 Die geringe Wahlbeteiligung bei der OB-Wahl – im ersten Wahlgang lag sie bei 43,4, im zweiten bei 39 Prozent – treibt die Fraktionen in Leinfelden-Echterdingen um. „Man muss alles daran setzen, dass die Menschen ihre Mitsprachemöglichkeit wieder mehr nutzen“, heißt es seitens der SPD. „Die Menschen wieder mehr mitzunehmen, sie motivieren, sich aktiv zu beteiligen, auch das wird eine Aufgabe des neuen Oberbürgermeister sein“, betont die CDU.

Stabwechsel
 Am 1. März wird Otto Ruppaner sein Amt in Leinfelden-Echterdingen antreten. Bis dato ist er in Köngen für 10 000 Einwohner zuständig , L.-E. hat 40 638 Einwohner. Der 41-Jährige wird von März an Vorgesetzter von knapp 1000 Mitarbeitern sein, in Köngen sind etwa 200 Menschen bei der Kommune angestellt. Ruppaner ist bis jetzt alleiniger Rathauschef, in L.-E. werden ihm die Bürgermeister Benjamin Dihm und Carl-Gustav Kalbfell zur Seite stehen. Spätestens wenn seine Tochter auf eine weiterführende Schule gewechselt ist und auch sein Sohn im Sommer 2025 eingeschult wird, will der neue OB mit seiner Familie nach Leinfelden-Echterdingen ziehen.