Ein Demonstrant steht Anfang 2017 in Köln zwischen Deutschlandfahnen und hat einen Pullover mit der Aufschrift „Defense Germany“ an. Foto: dpa

Donald Trump hat der deutschen Wirtschaft einen gehörigen Schrecken eingejagt. Die Arbeitgeber fürchten auch wachsenden Einfluss der AfD - und rufen in neuer Eindringlichkeit zum gemeinsamen Eintreten gegen Nationalismus auf.

Berlin - Deutschlands Arbeitgeber warnen davor, dass ein weiteres Erstarken der AfD mit einem national-populistischen Kurs dem Land schaden würde. „Beleidigende, geringschätzende Meinungen anderen Ländern gegenüber“ stünden „den Erfolgsaussichten der deutschen Wirtschaft diametral entgegen“, sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer am Montagabend vor Journalisten in Berlin. „Alles, was irgendwie fremd ist, läuft ja Gefahr, verbal vernichtend angegriffen zu werden.“

Nicht nur die Wortwahl bei der AfD sei gefährlich. „Abgesehen davon sind die Inhalte (...) tödlich für unsere Volkswirtschaft“, sagte der Präsident des Arbeitgeberverbands BDA. Denke man daran, was Deutschland 2030 brauche, so seien dies unter anderem ausländische Fachkräfte, Bildungsinvestitionen und offene Grenzen. Die EU-Integration müsse gefördert, nicht in Frage gestellt werden. „Die EU - wenn sie nicht erfunden worden wäre, müssten wir sie eigentlich erfinden“, sagte Kramer. „Was ist das für eine geschichtsvergessene Gesellschaft geworden, die das vergessen hat.“

Kramer rief die Bürger dazu auf, sich Populismus und Nationalismus im Alltag offensiv entgegenzustellen. „Jeder in seinem Bekanntenkreis muss dagegenhalten.“ Alle Bürger in ihrem jeweiligen Sprengel müssten hier Flagge zeigen. „Wir müssen massiv entgegenhalten.“

Auch der jüngste Rundumschlag des künftigen US-Präsidenten Donald Trump bereitet Kramer Sorgen. Bei einer Abkehr von offenen Märkten könne kein europäisches Land seinen Wohlstand bewahren, warnte er. „Das wäre der Untergang.“ Trump hatte mit harscher Kritik an Deutschland, EU, Nato und Autoindustrie deutsche Ängste vor seiner am Freitag beginnenden Präsidentschaft vergrößert.

Absage an jeglichen Protektionismus

Für Deutschland sei Abwehr von jeglichem Protektionismus zentral, sagte Kramer. „Wir sind sowas von abhängig von und zugleich erfolgreich mit der internationalen Liaison.“ Er zeigte sich hoffnungsfroh, dass auch die Trump-Administration trotz der Ankündigungen des Republikaners keinen Abschottungskurs fahren werde. „Die Amerikaner sind genauso auf offene Märkte angewiesen wie wir, das muss einem Präsidenten aber nahegebracht werden“, sagte Kramer. „Diejenigen, die die amerikanische Regierung von Protektionismus abhalten werden, sind die Unternehmen.“ Kramer forderte eine „konzertierte Aktion“ gegen Abschottungstendenzen.

Es sei jetzt nicht die Zeit, die Höhe des Mindestlohns oder andere vergleichsweise kleinere Sorgen der Arbeitgeber in Deutschland in den Vordergrund zu stellen. Angesichts der aktuellen Risiken und Tendenzen rief Kramer die Politik im Bundestagswahlkampf auf, die längerfristigen Perspektiven für die kommenden Jahrzehnte im Blick zu halten. „Wir dürfen nicht den Mangel verwalten, sondern müssen alles daran setzen, die Volkswirtschaft so zu betreiben, wie wir es heute tun.“

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