Der TSV Grafenau hat in der letzten Gemeinderatssitzung auf eine Entscheidung in Sachen Sportstättenkonzeption gedrängt. Mit Erfolg: Der Bau eines Funktionsgebäudes auf dem Holzberg rückt näher.
Ein Spiel dauert 90 Minuten, ein Sportstättenneubau ein Vierteljahrhundert. So lange jedenfalls wartet der TSV Grafenau mittlerweile schon darauf, seine zwei neuen Sportplätze samt Funktionsgebäude auf dem Dätzinger Holzberg zu bekommen. Weil man beim Sportverein nicht bis nach den Kommunalwahlen warten wollte, drängte das Planungsteam auf eine Entscheidung – und legte dem Gremium einen vermeintlich unwiderstehlichen Planvorschlag vor. Zum Abschluss kamen die Rätinnen und Räte dennoch erst nach einer intensiven Debatte.
Zur Vorgeschichte: Seit Jahren gibt es Probleme mit den bestehenden TSV-Sportstätten. Sie sind veraltet, beengt und reichen für die Bedürfnisse der sieben Abteilungen des 1466 Mitglieder zählenden Vereins nicht mehr aus. Das gilt insbesondere für die Sportanlagen an der Jahnstraße in Döffingen. Die Gemeinde will dort schon seit Jahren ein Baugebiet hochziehen, aber vorher braucht der TSV einen adäquaten Ersatz. Dieser soll am Dätzinger Holzberg und an der Wiesengrundhalle entstehen, während unten im Tal neben der Halle ein neues Trainingsfeld und irgendwann auch eine Vereinsgaststätte als Ersatz für die Pizzeria in der Jahnstraße geplant sind. „Bis dahin werden aber sicher noch rund zehn Jahre vergehen“, sagt Tim Gersonde, der im TSV-Vorstand für die Sportstätten zuständig ist.
Deutlich drängender und konkreter sind die Planungen auf dem Dätzinger Holzberg. Dort sind die Gebäude inklusive der Umkleidekabinen in einem desolaten Zustand, weswegen die Heimmannschaften sich seit geraumer Zeit im ansonsten ungenutzten Vereinsheim umziehen müssen. Das gemeinsam von Gemeinde und TSV ausgearbeitete Sportstättenkonzept sieht deshalb neben neuen Sportplätzen auch ein Multifunktionsgebäude vor: mit Umkleiden, Küche und Räumlichkeiten, die zum Trainieren ebenso wie für Veranstaltungen oder private Feste genutzt werden könnte.
Umkleidekabinen in desolatem Zustand
Ende Januar stellte der TSV Grafenau dem Gemeinderat verschiedene Varianten für dieses Funktionsgebäude vor. Bei der damaligen Sitzung legte sich das Gremium auf zwei mögliche Varianten fest – eine mit zwei Gebäuden auf rund 870 Quadratmetern und eine nur etwas kleinere Lösung, bei der Sportler- und Öffentlichkeitsräume kompakt unter einem Dach untergebracht wären. Das mit der Planung beauftragte Gäufeldener Architekturbüro Hess erstellte daraufhin eine Grobkostenschätzung für diese Varianten – und kalkulierte bemerkenswert hohe Summen von bis zu rund fünf Millionen Euro für die Zwei-Gebäude-Lösung.
Angesichts solcher Dimensionen legte das Büro in Abstimmung mit dem TSV eine mit 3,8 Millionen Euro deutlich günstigere Variante vor. Hier wäre der Funktionsbereich auf öffentliche Toiletten und einen Kiosk reduziert und könnte außerdem auch ganz wegfallen. Dieser Gebäudeteil könnte dann – quasi nach einem zwischenzeitlichen Kassensturz – in einem zweiten Bauabschnitt hochgezogen werden. „Wir sind uns alle einig, dass wir eine möglichst günstige Lösung brauchen. Wir sind ja nicht der VfB“, sagte Bürgermeister Martin Thüringer (parteilos), als er vergangene Woche dem Gemeinderat diese Variante zur Abstimmung vorlegte. TSV-Sprecher Tim Gersonde betonte ebenfalls, dass es dem TSV in erster Linie darum gehe, im Sinne der Gemeinde zu handeln und der Bevölkerung keine übermäßigen Kosten aufzubürden.
Gemeinderat kritisiert „Fantasiepreise“
Zunächst hagelte es im Gremium aber deutliche Kritik wegen der Kostenschätzungen des Planungsbüros. Bruno Metzger (Freie Wähler) zeigte sich „total schockiert“, sein Fraktionskollege Heinz Mornhinweg nannte die Kosten „utopisch“ und CDU-Rat Karl-Heinz Luginsland sprach von „maßlos überzogenen Fantasiepreisen“.
Der Architekt und der TSV-Sprecher wiesen deshalb immer wieder daraufhin, dass man sich bei der Bauplanung bisher noch in der „Leistungsphase 0“ befinde, weswegen es auch noch keine harten Zahlen geben könne. Umso mehr plädierte Gersonde dafür, jetzt einen Beschluss zu fassen, „um endlich in die Fachplanung reinzukommen und echte Kosten zu sehen“.
TSV-Vorstand hofft auf Spatenstich im Jahr 2025
Mit Ausnahme von SPD-Rat Franz Damjanovic, der nach wie vor die Zwei-Gebäude Variante weiterverfolgen wollte, stimmte der Rat am Ende geschlossen für die günstigste Lösung – wobei im Gremium auch Einigkeit darüber herrschte, dass man das Funktionsgebäude nicht erst auf einen zweiten Bauabschnitt verschieben sollte. „Sonst wird das zu meiner Lebenszeit nicht mehr kommen“, verwies Bruno Metzger auf den einst geplanten, jedoch nie verwirklichten Bürgersaal neben der Wiesengrundhalle.
„Das alles wurde ja schon Anfang der 2000er-Jahre entschieden“, sagt Tim Gersonde. Allerdings sei die Sportstättenplanung immer wieder ins Stocken geraten. Mit dem jetzt vorliegenden Gemeinderatsbeschluss könne man endlich mit der konkreten Bauplanung auf dem Holzberg beginnen – wobei es auch hier noch einige Hürden zu überwinden gibt: zum Beispiel eine Fledermauspopulation, die sich im Dachstuhl des alten Vereinsgebäudes eingenistet hat. Für diese Tiere sowie für rund drei Dutzend geschützte Orchideen gilt es ein neues Zuhause zu finden. „Der Wunsch beim TSV wäre, dass wir nächstes Jahr den Spatenstich machen können“, hofft Tim Gersonde.
Sportstättenkonzeption in Grafenau
Bauplatz statt Sportplatz
In Döffingen sollen die Sportanlagen in der Jahnstraße für die Erweiterung des dortigen Baugebiets weichen. Damit dies passieren kann, müssen aber zuerst auf dem Dätzinger Holzberg zwei neue Spielfelder und ein Multifunktionsgebäude entstehen. Dafür liegt jetzt ein Beschluss vor.
Wiesengrundhalle
Auch an der Grafenauer Mehrzweckhalle am Dätzinger Ortsrand stehen bauliche Veränderungen bevor. Hier soll ein neues Trainingsfeld entstehen, das vor allem für den Kinder- und Jugendsport genutzt werden soll. Zum anderen ist dort eine Vereinsgaststätte geplant, die das bisherige marode, alte Vereinsheim ersetzen soll. Erst wenn dieses Vereinsheim steht, darf die Gemeinde die Fläche in der Jahnstraße anderweitig nutzen. Dies dürfte nach Einschätzung des TSV-Vorstands aber noch rund zehn Jahre dauern – der Betrieb der Pizzeria D’Arena in der Jahnstraße bleibt also bis auf Weiteres gesichert