André Lassen und seine Blumenwerkstatt „Blühenlassen“. Foto: Helmut Pangerl

André Lassen hat seine Blumenwerkstatt in Besigheim eröffnet. Warum er Trauerfloristik so liebt und seine Arbeiten alles andere als „klassisch“ sind.

Den letzten Schmuck für einen verstorbenen Menschen zu gestalten, ist ein sehr ehrenvolle Aufgabe für André Lassen. Der junge Florist ist ein kreativer Kopf und ein Freigeist. „Klassische Sträuße“, sagt er, „kann ich nicht binden. Bei mir wird’s nicht klassisch.“ Gleiches gilt für die Trauerfloristik, die sein Steckenpferd ist.

 

Im vergangenen November ist der 27-Jährige mit seiner Blumenwerkstatt in die Besigheimer Hauptstraße gezogen. Der winzige Laden in dem 530 Jahre alten Gebäude, in dem vorher das Schmuckgeschäft Albrecht und Schlör untergebracht war, war genau seins, „das hab ich gleich und von Herzen gespürt“, sagt André Lassen. Auch, wenn sein Partner erst skeptisch war. „Du und ein Laden“, hatte der gesagt. Tatsächlich war es auch nie André Lassens Wunsch, sechs Tage die Woche von morgens bis abends in einem Laden zu stehen.

Zu tun gibt es genug

Deshalb hat seine Blumenwerkstatt in Besigheim – er hat sie „Blühenlassen“ genannt – auch nur von Donnerstag bis Samstag offen. „Und immer, wenn ich in der Werkstatt bin“, sagt der Florist. Denn oft werkelt er an dem großen Tisch aus alten Baudielen. Zu tun gibt es genug.

Eben zum Beispiel in der Trauerfloristik. André Lassen will den Verstorbenen mit seinen Kreationen eine letzte Bühne bieten. Und die ist ganz individuell. „Ich bin kein Gerbera- und Lilienfreund bei Beerdigungen“, sagt der 27-Jährige. Er will – in enger Rücksprache mit den Angehörigen – das Wesen des Verstorbenen aufleben lassen. Er achtet auf Details, nichts ist Standard. Kürzlich hat er für eine mintblaue Urne eine Blumenwiese gestaltet, gerade arbeitet er in seiner Werkstatt an Kränzen mit dunkelroten und apricotfarbenen Akzenten.

So wenig, wie seine Arbeit klassisch ist, ist auch André Lassen ein klassischer Florist. Er sieht sich als Gestalter, als Künstler. Wenn Kunden ihn nach einem Katalog fragen, winkt er ab. Natürlich hat er Fotos von seinen Kreationen. Aber genau so kann und wird er nichts nacharbeiten. „Es hat nicht immer alles Saison, außerdem sind die Florailien immer anders.“ Darauf reagiert er in seiner Arbeit.

André Lassen ist in der Region kein Unbekannter. Zweimal hatte er schon einen Pop-Up-Store in Ludwigsburg, einmal in der Mylius-, einmal in der Kirchstraße. Auch bei den Barocken Gartentagen am Ludwigsburger Schloss ist er schon dabei gewesen – und wird es demnächst wieder sein. Zuletzt hatte er seine Werkstatt zuhause in Hessigheim. „Ich habe viel Stammkundschaft“, sagt er. Und oft sei er gefragt worden, warum er keinen Laden habe.

„Wir haben schon drei Monate gemeistert.“

Entsprechend positiv war die Resonanz auf seine neue Blumenwerkstatt „Blühenlassen“ an der Besigheimer Hauptstraße. Zur Eröffnung am 11. November kamen 80 Menschen. „Ich war überwältigt“, sagt Lassen. Es folgte „ein toller Advent, super Weihnachten, und jetzt geht es schon in den Frühling. André Lassen strahlt – als könne er es selbst nicht glauben. „Wir haben schon drei Monate gemeistert.“ Wir, das sind er selbst und zwei Teilzeitkräfte, die im Laden helfen.

Eigentlich wollte André Lassen Koch werden. Eher zufällig ist er in die Floristik gerutscht. Das hat ihn dann fasziniert und war genau seins. Auch wenn der Job ganz schön anstrengend sein kann. Es gibt Tage, da steht er morgens um 4 Uhr auf dem Großmarkt und bereitet bis 22 Uhr im Laden noch eine Beerdigung vor. „Der Job ist nicht nur ein bissle Blumenzupfen“, sagt André Lassen. Manchmal sagt er auch, dass er in seinem nächsten Leben kein Florist mehr wird. „Aber ich weiß genau, ich würde es wieder machen.“