Der Gemeinderat Wernau (Kreis Esslingen) hat beschlossen, das Wassernetz des 35-Seelen-Weilers zu modernisieren – mit einer neuartigen Technik. Nun sind die ersten Arbeiter angerückt.
Wernau - Klares Wasser statt brauner Brühe – das wünschen sich die rund 35 Bewohner des Wernauer Stadtteils Freitagshof schon lange. Um dieses Problem zu lösen, hat der Gemeinderat im Juni beschlossen, auf eine bisher noch nicht im täglichen Einsatz erprobte Technik zu setzen: Mithilfe eines neuartigen Überdruckbehälters soll die Landeswasserleitung angezapft werden. Nun haben die ersten Arbeiten begonnen – das wirkt sich vor allem auf den Radverkehr durch den Freitagshof aus.
Im ersten Schritt wird nun die Zuleitung, die die Hauptleitung des Fernwassernetzes mit dem Weiler Freitagshof verbindet, ausgetauscht. Zudem wird sie für den Anschluss an den neuen Überdruckbehälter vorbereitet. Die Arbeiten haben planmäßig am Montag vergangener Woche begonnen, wie der Bürgermeister der Stadt Wernau, Armin Elbl, erklärte. Sie dauern voraussichtlich drei Wochen lang an, also bis Mitte Oktober.
Umleitung für Radfahrer
Derzeit seien die Arbeiter dabei, eine Notversorgung einzurichten. Diese wird an das Landeswassernetz angedockt und überbrückt damit die alte Wasserleitung zum Freitagshof. Diese wird wiederum im nächsten Schritt ausgetauscht. Die Notversorgung soll in der kommenden Woche in Betrieb gehen, wie Elbl mitteilte.
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Allerdings muss in dieser Zeit der Radweg, der durch den Freitagshof verläuft, gesperrt werden. Die Sperrung betrifft den Teil des Radweges, der vom Kreisverkehr (Ötlinger Straße/Landstraße 1207) entlang der Kirchheimer Straße über die Felder am Freitagshof vorbeiführt. Stattdessen sollen Radfahrer nun die Umleitung nehmen, die nach dem Kreisverkehr entlang der Ötlinger Straße verläuft und einen Schlenker über die Grüngut-Sammelstelle Notzingen/Wellingen macht. „Im Moment ist alles gut angelaufen“, sagt Rathauschef Armin Elbl. Es sehe alles danach aus, dass die Bauarbeiten im Zeitplan blieben. Damit wird auch der Radweg bald wieder freigegeben.
Bisher stammte das Trinkwasser in dem Weiler aus dem Hochbehälter Egart, der auf der Höhe zwischen dem Freitagshof und Kirchheim-Ötlingen liegt. Allerdings ist die Abnahmemenge der dortigen Haushalte zurückgegangen und damit der Durchfluss durch die Leitungen. Wie Stadtbaumeister Patrick Klein erklärte, führt das zu Ablagerungen und Rost. Denn wenn das Wasser steht, setzt es Sauerstoff frei, der mit dem Metall der Leitungen reagiert. Zwar ist das laut Klein gesundheitlich unbedenklich, doch stark eisenhaltiges Wasser ist eben kein Genuss mehr.
Gemeinderat beschließt „Prototyp“
Auch das regelmäßige Durchspülen ist keine Lösung für die Zukunft, das Problem musste anders aus der Welt geschafft werden. Zunächst wollten die Stadtwerke Esslingen (SWE) einfach die Wasserleitung vom Behälter Egart her erneuern. Doch die Stadt nahm von dem 450 000 Euro teuren Vorhaben schnell Abstand. Alternativ wurde vorgeschlagen, die Fernleitung der Landeswasserversorgung anzuzapfen. Dafür hätte man aber einen Vorlagebehälter installieren müssen, der mithilfe einer strombetriebenen Hochdruckanlage die Freitagshofleitung vom Fernwassernetz trennt. Das wäre ebenfalls sehr teuer geworden, weil dadurch Folgekosten entstanden wären. Am Ende beschlossen die Gemeinderäte den Bau einer dritten Alternative.
Die Vorrichtung hat die Landeswasserversorgung selbst entwickelt. Es handelt sich dabei um einen neuartigen Überdruckbehälter, der den Vordruck aus dem Fernleitungsnetz ausnutzt und damit ohne externe Energiezufuhr auskommt. Das bringt vor allem Vorteile, was die Kosten betrifft. Wie der Technische Geschäftsführer der Landeswasserversorgung, Frieder Haakh, erklärte, handelt es sich dabei um einen „Prototyp, der sich erst noch bewähren muss.“ Doch er sei getestet und patentiert.
Wasserversorgung im Kreis
Quellen
Das Trinkwasser, das im Landkreis Esslingen aus den Hähnen kommt, stammt aus unterschiedlichen Quellen. Die größten Versorger sind die Stadtwerke Esslingen (SWE), Nürtingen und Kirchheim. Bei den SWE beispielsweise werden die meisten Haushalte mit Landeswasser versorgt. Die Esslinger Stadtteile Berkheim und Zollberg beziehen das kühle Nass hingegen vom Bodensee.
Landeswasser
Die Landeswasserversorgung greift auf drei Quellen zurück: Grundwasser aus dem Donauried bei Ulm, Flusswasser aus der Donau und Quellwasser aus der Buchbrunnenquelle bei Dischingen, wie auf der Webseite der SWE erklärt wird. Am Freitagshof soll nun eine Fernleitung des Landeswassers angezapft werden.