Eine der Attraktionen des Nationalparks: Der Lotharpfad Foto: dpa

Die meisten kennen ihn und finden ihn auch gut, aber nur wenige haben den Nationalpark schon besucht. Und in unmittelbarer Nähe sind Bürger nach wie vor skeptisch. Dennoch sieht sich Grün-Rot von einer Umfrage bestätigt.

Stuttgart - Der Nationalpark Schwarzwald hat im ersten Jahr seines Bestehens neue Freunde hinzugewonnen, zumindest aber die Bedenken vieler Kritiker zerstreut: Dies schließt der Minister für ländlichen Raum, Alexander Bonde (Grüne), aus den Ergebnissen einer Umfrage unter 1500 Baden-Württembergern – davon 500 aus der Schwarzwaldregion.

Das zweigeteilte Schutzgebiet zwischen Baden-Baden und Baiersbronn, um das sich Gegner und Befürworter vor zwei Jahren erbittert gestritten hatten, ist der Umfrage zufolge zwei Dritteln der Bevölkerung bekannt. In den direkt tangierten Landkreisen liegt dieser Wert sogar bei 87 Prozent. Mit wachsender Entfernung sinkt jedoch die Aufmerksamkeit.

Das beeinträchtigt jedoch nicht die grundsätzlich positive Haltung der Baden-Württemberger zum ersten und bisher einzigen Nationalpark im Südwesten: Rund zwei Drittel der über 14-Jährigen finden es gut, dass er eingerichtet wurde, nur sieben Prozent finden das nicht gut.

In den ländlichen Kreisen Freudenstadt, Ortenau, Rastatt und Calw sind diese Werte zwar merklich niedriger: Nur 50 Prozent bewerten ihn dort mit „gut“. Doch der Freiburger Soziologie-Professor Baldo Blinkert, der die Antworten ausgewertet hat, sagt: „Das ist viel – angesichts der intensiven Diskussion, die es bei der Einrichtung des Parks gegeben hat.“ 14 Prozent der befragten Anrainer finden den Park „nicht gut“, 37 Prozent können sich nicht entscheiden.

Gerade die Anrainer nehmen aber offenbar die Arbeit des momentan 70-köpfigen Nationalpark-Teams überwiegend positiv wahr – oder sie schätzen es, dass man die Parkverwaltung gerade nicht wahrnimmt. 52 Prozent äußern sich in diesem Sinn, 37 Prozent nehmen eine neutrale Haltung ein, und elf Prozent senken den Daumen.

Nationalpark-Chef Thomas Waldenspuhl hat mehrere Erklärungen für die guten Zensuren: „Es war ein glücklicher Zufall, dass wir im vergangenen Winter das Spuren der Loipen übernommen haben“, sagte er mit Blick darauf, dass die bisher privat erbrachte Dienstleistung nun vom Land erbracht wird. Das habe den Menschen gezeigt, „dass wir sie nicht abwehren wollen“, so der Forstwissenschaftler, der den 10 000 Hektar großen Park zusammen mit dem Biologen Wolfgang Schlund leitet.

Ein glücklicher Zufall war es wohl auch, dass die von Kritikern befürchtete Borkenkäferplage im ersten Sommer ausblieb. Die kühle Witterung habe die Ausbreitung des Insekts gehemmt, so Waldenspuhl, doch müsse man damit rechnen, dass es sich in warmen Sommern rasch vermehre. Wie man damit umgeht, wollen die Fachleute in der kommenden Woche detailliert darlegen.

Im Prinzip soll ein 500 breiter Puffergürtel verhindern, dass der gefräßige Käfer auf die benachbarten Wirtschaftswälder übergreift. Im Nationalpark selbst dürfe der Borkenkäfer leben, so Waldenspuhl, denn dort herrscht „Prozessschutz“. Antworten erwartet die Öffentlichkeit aber auch auf die Frage, wie das Wegenetz im Park künftig aussieht und welches Tourismuskonzept Land und Region verfolgen.

Neben der Nationalparkverwaltung befasst sich damit auch der Nationalparkrat (in ihm sitzen Vertreter des Landes und der Anrainer-Kommunen) und der Nationalpark-Beirat – das ist ein Beratungsgremium mit Vertretern von Vereinen, Verbänden, der Wirtschaft und anderen gesellschaftlich relevanten Gruppen.

Die Nutzung des Nationalparks – das ist ein weiteres Ergebnis der Umfrage – hält sich allerdings noch in Grenzen. Nur acht Prozent der Baden-Württemberger haben ihn bereits besucht. In den Anrainer-Orten beträgt dieser Wert 18 Prozent.

Allerdings planten 85 Prozent (Anrainer: 79 Prozent) der Befragten einen Besuch. Nur 15 Prozent (Anrainer: 21) lehnen einen Besuch ab, heißt es in der 130 Seiten starken Studie, die von der Nationalparkverwaltung in Auftrag gegeben worden war.

Auch die Parkbesucher selbst wurden befragt: Dabei lobten 58 Prozent den Schutz der Natur, 39 Prozent die Naturerlebnisse und 20 Prozent die Ausstattung mit Wegen und Infotafeln. 66 Prozent sagten, sie wüssten nicht, was ihnen nicht gefallen hätte.

Nach Ansicht des FDP-Abgeordneten Friedrich Bullinger, der den Park ablehnt, haben die Meinungsforscher mit den falschen Leuten geredet: „Anstatt ausgewählte Bürger in den gesamten Landkreisen zu befragen, wäre es aufschlussreicher gewesen, die Bürger in den Kommunen zu inter­viewen, die tatsächlich unmittelbar vom Nationalpark betroffen sind.“ Bonde gehe es nur darum, den Park in einem besseren Licht erscheinen zu lassen.

Der Nabu hingegen findet: „Der Nationalpark ist in den Herzen der Menschen angekommen.“ Die Umfrage zeige auch, dass er in seiner jetzigen Form gut funktioniere, so Nabu-Landeschef André Baumann.

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