Der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier freut sich, dass er einen hauptamtlichen Behindertenbeauftragten suchen darf. Foto: factum/Andreas Weise

Ein Kreis wie Ludwigsburg braucht einen hauptamtlichen Behindertenbeauftragten. Endlich haben das auch die Verantwortlichen erkannt, kommentiert Verena Mayer.

Ludwigsburg - Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Das Land bezahlt einem Landkreis 6000 Euro pro Monat, wenn er einen Behindertenbeauftragten anstellt – doch der Landkreis Ludwigsburg gibt sich mit der Hälfte zufrieden. Für ehrenamtliche Behindertenbeauftragte gibt das Land 3000 Euro.

 

Nichts gegen Eckart Bohn, der diesen halben Job nun fünf Jahre lang gemacht hat. Er ist ein ausgewiesener Fachmann, hoch geschätzt, mit gutem Ruf. Aber so gut wie eine hauptamtliche Besetzung kann er gar nicht sein. Schon allein deshalb, weil er nicht so viel Zeit hat.

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Interessenvertretung für Behinderte meint so viel mehr als Tagungen zu besuchen, Stellungnahmen abzugeben und Kommunen auf gesetzliche Änderungen hinzuweisen. Wenn man genau hinschaut, gibt es in diesem Bereich genug Arbeit für mehrere Beauftragte. Zwölf Jahre ist es her, dass Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert hat. Dass die Inklusion inzwischen vollendet wäre, kann man wahrlich nicht behaupten. Just deshalb hat das Land die kommunalen Behindertenbeauftragten ja installiert.

Im sechstgrößten Landkreis der Republik braucht es mehr als einen Ehrenamtlichen in fortgeschrittenem Alter, der bis vor Kurzem sogar noch Mitglied des Kreistags war – und damit wohl kaum so unbequem, wie es ein externer Kollege sein kann. Nun endlich, nach fünf Jahren, ist auch Ludwigsburg aufgewacht.

Wenn es nicht so beschämend wäre, könnte man sich darüber richtig freuen!