Judith Weiß hat ihre Ausbildung zur Pastoralreferentin in Vaihingen absolviert. Foto: Kai Müller

Bischof Gebhard Fürste ernennt in Rohr neun neue Pastoralreferentinnen. Eine davon ist Judith Weiß. Sie hat ihre Ausbildung in Vaihingen absolviert.

Vaihingen/Rohr - Judith Weiß und ihre acht Mitstreiterinnen haben keine Mühe gescheut. Die neun Frauen werden am kommenden Samstag von Bischof Gebhard Fürst offiziell als Pastoralreferentinnen beauftragt. Für die Einladungskarten haben sie sich etwas Besonderes einfallen lassen und für die Fotos den Hauptbahnhof als Kulisse benutzt. Dass passt nicht nur gut zum selbst ausgewählten Motto „Zur Freiheit berufen“, sondern auch zur Tatsache, dass es die Pastoralreferentinnen bald an andere Ort zieht. Freiheit heißt eben auch Abschied. Judith Weiß hat ihre Ausbildung in Vaihingen absolviert; am 1. September fängt sie in Baiersbronn (Landkreis Freudenstadt) an. Als sie vor drei Jahren im Stadtbezirk anfing, wusste sie wenig mit diesem anzufangen. „Jetzt fällt es mir schwer zu gehen“, sagt die Mutter eines Sohnes.

Aufgewachsen ist Weiß im Hohenlohekreis, genauer in Pfedelbach. In der Kirchengemeinde war sie engagiert, ihr Berufswunsch stand aber schon früh fest: Lehrerin. Nach dem Abitur absolvierte sie ein freiwilliges soziales Jahr in einer Kirchengemeinde und stieß dabei auf einen Pastoralreferenten: „Bei uns zu Hause gibt es das bis heute nicht.“ Doch Weiß hielt an ihrem Berufswunsch fest, studierte Theologie, Deutsch und Geschichte auf Lehramt. Ihr Referendariat machte sie im Albertus-Magnus-Gymnasium in Bad Cannstatt. Eine Stelle in Waiblingen war ihr danach bereits sicher, doch die Geburt ihres Sohnes wirbelte alles durcheinander. Judith Weiß nahm ein Jahr Elternzeit und hatte Zeit zum Nachdenken. „Die Schule ist schön, aber irgendetwas fehlte mir noch“, sagt Weiß. Ein wenig neidisch war sie immer auf ihren Ehemann, der als Pastoralreferent arbeitet: „Der durfte immer so tolle Sachen machen.“

„Es ist auf jeden Fall mein Traumberuf“

Judith Weiß entschied sich schließlich dazu, den gleichen Berufsweg zu gehen. Und bis heute hat sie diesen Schritt nie bereut: „Es ist auf jeden Fall mein Traumberuf.“ Die junge Mutter schätzt die größere Freiheit: „In der Schule gibt es immer die Noten als festen Rahmen.“ Ganz musste sie ihren Lehrerberuf aber nicht an den Nagel hängen. Als Pastoralreferentin gibt sie auch Religionsunterricht. „Die anderen Fächer aufzugeben, fand ich schon schwer, aber der Preis war es mir wert.“

Während sie im ersten Jahr ihrer Ausbildung noch viel „geschaut“ hat, hat sie in den vergangenen beiden Jahren Aufgaben übernommen, etwa die Firmvorbereitung oder die Taufe von Erwachsenen. Auch für vier Kindergärten der Seelsorgeeinheit hat sie Veranstaltungen organisiert.

Bald heißt es dann die Umzugskisten packen

Dass sie nun ausgerechnet bei der offiziellen Beauftragung ein Heimspiel hat, freut sie besonders. Und Judith Weiß ist auch ein wenig beeindruckt: „Das ist für die Gemeinde ein großer Kraftaufwand. Schließlich werden 500 Gäste beim Stehempfang erwartet.“ Lampenfieber verspürt die Pastoralreferentin bislang nicht: „Aber das kommt vielleicht noch.“

Bald heißt es dann die Umzugskisten packen. Ab September werden ihr Mann und sie in der gleichen Gemeinde arbeiten. Dass sie für ein Priesteramt nicht in Frage kommt, ist für Weiß weniger ein Problem: „Mit dem Beruf, den ich jetzt habe, fühle ich mich richtig wohl.“ Sie könne aber verstehen, dass es für viele Frauen schmerzlich sei, nicht Priesterin werden zu können: „Da müsste die Kirche die Zeichen der Zeit wahrnehmen.“

Nun freut sich die junge Frau auf den Gottesdienst. Auch von ihr findet sich ein Bild auf der Einladungskarte. Während ihr Mitstreiterinnen zum Bespiel einen Luftballon in der Hand halten oder am Bahnhof telefonieren, deutet ihre rechte Hand auf ihre Halskette mit dem Kreuzsymbol in der Mitte: „Ich wollte damit zeigen, dass der Glaube die Menschen verbindet und wir auf einem gemeinsamen Weg sind.“

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