Wolfgang Endres, Laura Fröhlich, Sven Hahn und Jacob Jeutter (von links) zeigen, wie leicht sich zwei Hochbeete in grüne Pflanzenoasen verwandeln lassen. Foto: Michael Steinert

Ein Kleeblatt mit grünem Daumen lädt ein, in Göppingen einen ersten Gemeinschaftsgarten zum Blühen zu bringen – wer mitgärtnern will, ist willkommen.

Göppingen - Tomaten, Mangold und Ringelblumen wachsen in den beiden Hochbeeten im ersten Göppinger Gemeinschaftsgarten schon um die Wette. Dort, auf dem Rasen hinter dem Oberhofengemeindehaus, wollen vier junge Gärtnerinnen und Gärtner ein Projekt anstoßen, das die Freude an der Arbeit in der Natur genauso sprießen lässt wie den Gemeinsinn. Am Gemeinschaftsgarten könne sich jeder beteiligen, erklären der Hausherr Tobias Comtesse, Pfarrer der Oberhofengemeinde, und Harald Maas als Mitinitiator, der die Fach- und Koordinierungsstelle für lokale Partnerschaften für Demokratie in Göppingen leitet.

Eine junge Mutter möchte gerne mitgärteln

„Auf meiner Terrasse ist es zu eng, um Gemüse anzupflanzen“, berichtet eine Mutter, die sich mit ihren beiden Kindern das Projekt anschaut. Gerne wolle sie in diesem Sommer mitgärteln, zumal sie nur wenige Schritte entfernt wohne. Wenn sich noch mehr Blumenfreunde fänden wie diese Nachbarin, könne der Garten wachsen und gedeihen, darin sind sich Sven Hahn, Wolfgang Endres, Laura Fröhlich und Jacob Jeutter einig.

Das Kleeblatt mit dem grünen Daumen, darunter drei gestandene Gärtner und eine Gärtnerin in der Ausbildung, möchte das neue Projekt anstoßen und fachlich begleiten. Und zum Auftakt haben sie die besagten beiden Hochbeete aus dem Holz alter Pflanzkisten gezimmert und in zwei üppige Minigärten verwandelt. „Wir wollen gerne gebrauchte Materialien verwenden“, beschreibt Sven Hahn eine der Grundideen. Und das passe sehr gut zum naturnahen Gärtnern, ergänzt Wolfgang Endres, der sich auch alte Stauden wie die Färberkamille an diesem Fleckchen gut vorstellen kann. Auf jeden Fall wollen die Gärtner den Einsatz von Biosaatgut empfehlen. Daraus entstünden nicht nur kräftige und gesunde Pflanzen, auch der Samen für die nächste Gartensaison lasse sich damit einfach und preisgünstig selbst gewinnen.

Ökologische Ideen und viel Eigendynamik

„Wir haben keinen festen Plan, nur Anregungen“, erklärt Hahn die Gartenskizzen, die an der Pinnwand hängen. Gerne soll nach dem Prinzip des geschlossenen Gartens alles verwertet werden, was anfällt. So eigne sich beispielsweise Rasenschnitt gut als Mulch und halte die Bodenkrume der Beete schön feucht. Und den Kompost, der die Pflanzen mit Nährstoffen versorgt, wollen die Vier natürlich auch selbst gewinnen. Ein Steinhaufen für Eidechsen steht genauso auf der Wunschliste wie ein Sandbeet für Wildbienen und Totholz für viele andere Insektenarten.

Sogar eine Gartenhütte steht bereit, in der bisher Biertischgarnituren verwahrt werden. In die Hütte kämen jetzt Hacken, Spaten und andere Gerätschaften, sagen die rührigen Gärtner. Jetzt fehlten nur noch ein paar Wasserfässer, am liebsten gebraucht, um Regenwasser aufzufangen und zu sammeln. „Wir freuen uns auf die Eigendynamik, die Ideen der anderen und darauf, wie sich wohl alles entwickeln wird“, sagt Endres erwartungsvoll in die Runde, die sich inzwischen vor der grünen Kulisse und in unmittelbarer Nachbarschaft zum bauhistorischen Kleinod Oberhofenkirche eingefunden hat.

Der Hausherr sieht gute Chancen, beim Gärtnern den christlichen Glauben zu leben

Auch der Hausherr Tobias Comtesse stimmt die rund 60 Gäste auf die Idee vom Gemeinschaftsgarten ein, die er schon seit vier Jahren mit sich herumtrage. Dank der zentralen und doch geschützten Lage hinter dem Gemeindehaus sei das Gelände optimal für den Garten geeignet, preist Comtesse das Terrain an, zumal Ökologie und die Bewahrung der Schöpfung ganz eng zusammengehörten – als elementare Inhalte christlichen Glaubens sozusagen.

Und er ergänzt: „Es ist gut, wenn wieder mehr Menschen wissen, wie Essen entsteht und dass eine Karotte nicht im Supermarktregal wächst.“ Hier im Garten könnten die Menschen das Gießen der gemeinschaftlichen Beete übernehmen oder Familien ihr eigenes Beet bearbeiten.

Der Garten soll Göppingen guttun

So ein Garten sei jedenfalls gut für Göppingen, denn die Stadt brauche mehr Orte der Gemeinschaft, die Vertrauen förderten; immerhin funktioniere unsere Gesellschaft nur auf der Basis von Vertrauen, das ein wichtiges Merkmal einer Demokratie sei. „Wenn wir nur immer unser Eigenes im Blick haben, fehlt etwas. Die Gesellschaft braucht solche Ideen“, ergänzt der Theologe.

Auch Harald Maas erinnert an das Wesen der Demokratie, die vom Mitmachen und der Begegnung lebe. Und nicht erst seit dem Aufkommen der Bewegung Fridays for Future sei klar, dass ökologische Belange Konjunktur hätten. Es sei zu hoffen, dass nun ein bunter, interkultureller Mix an jungen und alten Mitmachgärtnern hinter dem Gemeindehaus zusammenkomme. Im Göppinger Jugendforum Projekt X, in dem sich, initiiert durch das Programm „Demokratie leben“, engagierte Jugendliche aus dem Jugendgemeinderäten und den Schülermitverwaltungen der Schulen träfen, sei über die Idee des Gemeinschaftsgartens bereits vor einiger Zeit diskutiert worden.

Treffpunkt ist am Dienstag

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: