Die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung (DITF) haben in Denkendorf (Kreis Esslingen) einen Polyester-Schlauch entwickelt, der durch einen Luftstrom Keime von offenen Operationswunden fernhalten soll.
Krankenhausinfektionen können zu schweren Komplikationen führen. Besonders bei Operationen besteht ein Risiko von Ansteckung. Dieses soll eine neue Erfindung von Forschern der Textilinstitute mindern. Der sogenannte Airflow-Ring, den die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung (DITF) entwickelt haben, kann mittels eines Luftstroms Keime von der Operationsstelle am Körper fernhalten. Kürzlich haben die DITF ihre Neuentwicklung vorgestellt.
Demnach handelt es sich um einen porösen Schlauch, der aus zusammengefaltetem Polyester und einer äußeren Beschichtung besteht. Wichtig war den Wissenschaftlern, dass er auch an gekrümmten Stellen des Körpers, wie beispielsweise Gelenken, eingesetzt werden kann und dicht anliegt. Das ermöglicht einerseits der faltige Aufbau, durch den der Schlauch in seiner runden Form stabil, aber dennoch flexibel bleibt. Der Ring wird zudem mit einem biokompatiblen Klebstoff auf der Haut eines Patienten befestigt. Durch den porösen Schlauch und seine Öffnungen wird schließlich ein reiner, keimfreier Luftstrom geleitet, der die Operationswunde vor Mikroben abschirmen und das Kontaminationsrisiko senken soll. „Der Schlauch ist ein Einwegprodukt, das man nicht desinfizieren und wiederverwenden kann“, sagt dazu Andreas Scherrieble, der stellvertretende Leiter des Technologiezentrums Biomedizintechnik beim DITF.
Weitere Tests für den Airflow-Ring stehen noch aus
Auf der Medica Messe in Düsseldorf, eine Messe, die sich rund um Medizintechnik dreht, stellten die Textilinstitute ihre Neuentwicklung vor einigen Wochen der Fachwelt vor. Mit Sitz in Denkendorf ist das DITF eine Stiftung, die unter anderem in den Forschungsbereichen der Textiltechnik, Textilchemie und Zukunftsforschung tätig ist.
Der Auftrag für das Projekt kommt von der Firma Wandres GmbH micro-cleaning, die bei Freiburg in Stegen ihren Hauptsitz hat. Die Firma Wandres gehört zwar zur Reinigungsindustrie und beschäftigt sich eigentlich nicht mit medizinischen Produkten. Der Gründer der Firma, Claus Wandres, sei jedoch auf die Grundidee des Airflow-Rings als Operationsgerät gekommen, erzählt Scherrieble.
Momentan befindet sich das Produkt in einer vorklinischen Versuchsphase. „Bisher wurden nur In-Vitro-Tests, also Tests außerhalb eines lebendigen Organismus, durchgeführt“, berichtet Andreas Scherrieble. Bei diesen Tests sei die Wirksamkeit des Produkts in schlechteren Operationsbedingungen mit einer hohen Konzentration von Bakterien erfolgreich nachgewiesen worden.
Für eine Zulassung seien noch ausreichende klinische Studien nötig, in denen die Wirksamkeit oder bekannte Risiken für lebende Patienten getestet werden müssen. Bislang fehlt nach Angaben von Scherrieble zudem noch ein Herstellungspartner, sodass unklar ist, ob und wann der Airflow-Ring auf den Markt kommt.
Erfindung eignet sich für Entwicklungsländer
Laut Andreas Scherrieble hat der Airflow-Ring besonderes Potenzial an Orten mit schlechteren Operationsbedingungen, und nicht zwingend in Hightech-Operationssälen. Vor allem in Entwicklungsländern oder Orten mit militärischen Konflikten könne die Erfindung besonders interessant sein, sagt er. Notwendig sei für den Gebrauch des Geräts aber eine Vorrichtung, um reine Luft durch den Schlauch zu leiten.