Ausrangierte Straßenschilder sind die Basis von Selina Kragls Ausstellung. Foto: factum/Bach

Für eine neue Ausstellung im Stadtmuseum werden noch Ausstellungsstücke gesucht. Die junge Mitarbeiterin Selina Kragl sucht vor allem ein Modell von Schloss Solitude als Leihgabe.

Gerlingen - In Gerlingen gibt es eine Ringstraße, eine Straße namens Burgklinge, einen Kiefern- und einen Ahornweg. Das war für Selina Kragl nicht schwer festzustellen. Die 18-Jährige absolviert seit dem vergangenen Jahr ein Freiwilliges Soziales Jahr im Archiv und im Museum der Stadt Gerlingen. Obwohl noch bis zum Sommer da, befasst sich die ehemalige Abiturientin des Robert-Bosch-Gymnasiums schon seit Wochen mit ihrer Abschlussarbeit. Die mündet in eine Ausstellung. Man darf sicher sein, dass dieses Werk bei den Besuchern ankommt. Denn auf Heimatgeschichte pur springen Besucher an. Selina Kragl hofft noch auf Unterstützung.

„Mehr als Schall und Rauch“ wird die Ausstellung heißen, für welche die FSJ’lerin arbeitet. Die Schau wird am Sonntag, 12. Juni, eröffnet. Es geht um Wald-, Flur- und Straßennamen in Gerlingen. Es geht aber auch um Gerlingen anderswo, und das nicht nur in der Bundesrepublik. Sondern in Vesoul, der Partnerstadt in Frankreich. Dort heißt es „Rue Gerlingen“. Klar, eine Gerlinger Straße gibt es auch in Ditzingen. Und im Stuttgarter Stadtbezirk Weilimdorf hält man ebenfalls die Anrainer hoch: Die Gerlinger Straße führt von der Bundesstraße 295 an einem Supermarkt vorbei und um den Fasanengarten herum – eben nach Gerlingen, beziehungsweise in dessen Stadtteil Gehenbühl. Eine Gerlinger Straße gibt es aber auch in Bannewitz. Wo das liegt? Die Postleitzahl 01728 lässt es erahnen: in der Sächsischen Schweiz, südlich von Dresden. Auch in Berlin ist eine Straße nach Gerlingen benannt, im Bezirk Neukölln, unweit des Flughafens Schönefeld. Die Straße gleich bei der südlichen Stadtgrenze der Bundeshauptstadt hat eines gemein mit der namensgebenden Stadt: auch dort ist ein Standort für eine Flüchtlingsunterkunft vorgesehen.

Die Basis sind 70 Straßenschilder

So ins Detail ist Selina Kragl noch gar nicht gegangen. Gleichwohl hat sie in den Archiven nachgefragt, welches Gerlingen jeweils gemeint ist – denn es gibt ja auch noch ein Gerlingen in Norddeutschland. Ergebnis: immer ist Gerlingen bei Stuttgart gemeint. „Unser Gerlingen ist nicht nur in Gerlingen, sondern überall“, sagt die junge Frau. Sie freut sich über die bisherigen Ergebnisse ihrer Recherchen – und über den Bestand im Depot, der die Grundlage für die Ausstellung war: 70 Straßenschilder. Diese müssen erst mal geputzt und sortiert werden; eine Arbeit, die dazu gehört.

Um die Ausstellungsstücke noch zu ergänzen, hat die junge Museums-Mitarbeiterin eine Bitte an alle Menschen in Gerlingen: Sie sucht noch Fotos der Gerlinger Straßen auswärts, vor allem aus Berlin. „Wenn jemand dort vorbeikommt, wäre es schön, für unsere Ausstellung ein Foto zu machen.“ Man könne auch Freunde und Bekannte motivieren – und wenn dann noch die Umgebung drauf ist, wäre das optimal. Selbst dafür auf Tour zu gehen, wäre zwar toll, alleine dazu fehle ihr die Zeit.

Viele Wald- und Flurnamen sind uralt

Und noch etwas hätte sie gern für die Schau, sie träumt geradezu davon: ein Modell von Schloss Solitude. Denn auch das Schloss und dessen Gebiet, 1942 von Gerlingen aus- und nach Stuttgart eingemeindet, ist in der Ausstellung dabei. Das Schloss ist übrigens nicht der einzige historische Aspekt: „Viele Wald- und Flurnamen aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind noch existent“, hat Kragl herausgefunden. Ein Beispiel sei der Bopserwald. Viel mehr erfährt man dann vom 12. Juni an.

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