Die Deutsche Bahn installiert an der Schnellbahntrasse Wendlingen-Ulm moderne Stellwerke. Zug und Strecke sind über Funk ständig in Kontakt.
Nabern - Es scheint wie am Schnürchen zu klappen, als der Schwerlastkran seine tonnenschwere Last absetzt. Mit vier Betonmodulen voller Technik vollenden Siemens und weitere Partnerfirmen im Auftrag der Deutschen Bahn momentan das letzte von insgesamt vier elektronischen Stellwerken entlang der Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm. Die rund zwölf Millionen Euro teure Investition soll dafür sorgen, dass von Ende 2022 an Züge die 60 Kilometer lange Strecke mit bis zu Tempo 250 passieren können.
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Voraussetzung dafür ist die Installation des europäischen Zugsicherungssystems ETCS, das anders als die ältere Technik ganz ohne Lichtsignale auskommt. Dank digitaler Technik bleiben dabei Zug und Strecke ständig in Verbindung über ein Funknetz. Und nur bei freier Strecke erhält das Fahrzeug seine Fahrtbefehle. Die Rechner, die für diese elektronische Stellwerkstechnik notwendig sind, befinden sich in den neu platzierten Betonmodulen. Diese Bau-Fertigteile waren von einem Fachbetrieb bei Ingoldstadt zu Siemens nach Bielefeld verfrachtet worden. Nach dem Bestücken mit Rechnern kamen sie nach Baden-Württemberg und wurden an insgesamt vier Standorten entlang der neuen Bahnstrecke verbaut. Neben Nabern stehen ähnliche Anlagen am Westportal des Albvorlandtunnels sowie in Merklingen und in Dornstadt (Alb-Donau-Kreis). Und mit dem Aufbau des Elektronischen Stellwerks Nabern schließt sich nun die Kette dieser Stellwerke, erklärte Torsten Weinhold. Weinhold zeichnet als Teamleiter Ausrüstung bei der Deutschen Bahn für das Projekt Stuttgart-Ulm verantwortlich.
Der Strom kommt aus der Hochspannungsleitung
Der DB-Fachmann spricht von Kombistandorten, denn neben den hochmodernen Stellwerken gehören auch große Trafoeinheiten zur Ausstattung. Diese liefern der Strecke den nötigen Strom. Im Fall von Nabern wandeln zwei Trafos den Strom der 110 Kilovolt-Hochspannungsleitung in 15 000 Volt für den Bahnbetrieb um.
Wenn in einigen Wochen die Energieversorgung vollendet, die teils noch fehlenden Gleise verlegt und die Kommunikationsinfrastruktur installiert ist, beginnt die nächste Phase in dem komplexen Bauprojekt, stellt der DB-Pressesprecher Michael Deufel fest. Denn dann beginne das mehrstufige Testverfahren.
Nächstes Jahr beginnen die Testfahrten
Zunächst werde Anfang 2022 das Abnahmeverfahren für die Stromversorgung beginnen. Mitte Februar kommenden Jahres sollen dann die sogenannten Hochtastfahrten mit einem Kurzzug beginnen, bei denen die Geschwindigkeit nach und nach gesteigert werden soll. Und für Mitte 2022 ist schließlich das Lokführer-Training in Intercity- und Regionalzügen anberaumt – ohne Passagiere versteht sich. Die Aufnahme des regulären Bahnbetriebs ist dann für Ende 2022 vorgesehen.
Für das Team um Torsten Weinhold, der mit seinem Baubüro von Hohenstadt (Kreis Göppingen) auf das Gelände bei der Raststätte Denkendorf umziehen wird, beginnt dann bereits der nächste Arbeitsabschnitt. Im Bereich Denkendorf seien bereits vorbereitende Vermessungsarbeiten im Gange. Die ersten öffentlichkeitswirksamen Arbeiten sind für Mitte November vorgesehen, wenn für das Abladen der Schienen die Autobahn gesperrt werden muss.
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