Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Firma Willy Rüsch wird renoviert. Foto: Patricia Sigerist

In der ehemaligen Lagerhalle der Firma Rüsch in Rommelshausen sollen bald 190 Menschen von Daimler arbeiten. Eine Bestätigung des Autobauers steht jedoch noch aus.

Kernen - Eine deutliche Aufwertung als Wirtschaftsstandort dürfte Kernen in naher Zukunft erfahren. Aus der ehemaligen Lagerhalle der Firma Rüsch auf der Südseite der Willy-Rüsch-Straße soll eine Produktionshalle und das angegliederte Bürogebäude saniert werden. Damit entstehen in Rommelshausen Arbeitsplätze für 190 Mitarbeiter.

Neuer Mieter des im Eigentum der Bauknecht-Vermögensverwaltung befindlichen Komplexes Willy-Rüsch-Straße 9 ist laut gut unterrichteter Kreise der Autobauer Daimler. „Aus meiner Sicht ist das eine erfreuliche Entwicklung“, sagte Bauamtsleiter Horst Schaal, der jedoch auch auf Nachfrage von Gemeinderäten in der öffentlichen Sitzung des Technischen Ausschusses den künftigen Nutzer nicht verraten mochte.

Bauamtsleiter von Kernen freut sich über die Nachricht

Als „ganz erfreuliche Nachricht“ bezeichnete Schaal nicht nur den Inhalt, sondern auch die äußere Gestaltung des umgewidmeten Ensembles. Bis auf zwei verbleibende Sektionaltore werden alle Tore an der Ostseite des Gebäudes, also der bisherigen Anlieferungszone, geschlossen. An ihrer Stelle werden Fensterbänder eingezogen. Auf der gegenüberliegenden Seite entsteht neben einer Rampe eine Einhausung für haustechnische Anlagen. Diese bestehen aus Containern für die Raumlufttechnik, die Kältetechnik und die Drucklufterzeugung sowie einem Heizmobil.

Etwas abgesetzt an der Westgrenze des fast quadratischen Grundstücks wird ein sogenanntes Abfallwirtschaftszentrum errichtet. Im fast 1200 Quadratmeter Grundfläche umfassenden Bürotrakt sollen die gesamten Sanitärräume neu angeordnet und erweitert werden. Zudem wird ein Aufzug eingebaut. Alle Gebäudeteile erhalten eine neue Fassade mit einem Wärmedämm-Verbundsystem.

90 der insgesamt 190 Mitarbeiter sind Angestellte

Davon werden insgesamt 190 Mitarbeiter profitieren. 90 von ihnen sind Angestellte. Hinzu kommen 100 Produktionsmitarbeiter, die – wie Horst Schaal betonte – in einem Zwei-Schicht-System arbeiten sollen. Damit trat der Bauamtsleiter offenbar kursierenden Gerüchten entgegen, nach denen ein Drei-Schicht-Betrieb geplant sein soll. In einer zerspanenden Metallbearbeitung bedienen 55 Mitarbeiter etwa 45 Werkzeugmaschinen. Davon arbeiten 35 in der Frühschicht und 20 in der Spätschicht. Weitere zehn Mitarbeiter sind hier für die Arbeitsvorbereitung eingeplant. Sie arbeiten in der Normalschicht.

Wie es heißt, sollen die Mitarbeiter aus dem Werk Untertürkheim nach Kernen wechseln. Dort werden Motoren, Getriebe, Achsen und Komponenten in hoher Stückzahl und Top-Qualität gefertigt und weltweit ausgeliefert. Gleichzeitig ist Untertürkheim das Kompetenzzentrum für die Integration des gesamten elektrischen Antriebsstrangs in die Produktion. Ganz sicher ist die Neuansiedlung offenbar noch nicht. Die Kommunikationsabteilung der Daimler AG erklärte am Donnerstagnachmittag in einer Stellungnahme auf Anfrage unserer Redaktion, es sei „richtig, dass wir kontinuierlich den Bedarf an zusätzlichen Flächen prüfen. Es gibt allerdings keine Entscheidung über eine Anmietung eines Grundstücks in Kernen-Rommelshausen“.

Angesichts der zahlreichen erwarteten neuen Arbeitnehmer in Rommelshausen warf der SPD-Gemeinderat Christoph Schönleber die Frage auf, ob die vorgesehenen Stellplätze für die Autos ausreichend seien. Auch sein Fraktionskollege Andreas Pfänder befürchtet zumindest beim Schichtwechsel eine Belastung für die Umgebung. Horst Schaal verwies auf den zu den 44 bestehenden Stellplätzen hinzukommenden Parkplatz mit 50 neuen Abstellmöglichkeiten. Entlastend könnten auch die 35 Fahrradparkplätze neben dem Bürotrakt sowie die Nähe zur S-Bahn-Haltestelle Rommelshausen wirken.

Christof Leibbrand (Offene Grüne Liste) fragte nach einer möglichen energetischen Nutzung des Flachdachs. Nach Ansicht von Bauamtsleiter Horst Schaal ist angesichts einer Vielzahl an Oberlichtern der Aufbau einer Fotovoltaikanlage nur eingeschränkt möglich. Der Bebauungsplan älteren Datums verlange auch keine Dachbegrünung. Horst Schaal deutete jedoch an, Gespräche mit dem Eigentümer führen zu wollen. Alle elf Gemeinderäte im Ausschuss stimmten für die Nutzungsänderung.

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