Im Festzelt ist die Stimmung meist ausgelassen und laut. Draußen sind manche davon ganz und gar nicht begeistert. Foto: 7aktuell.de/Eyb

Das Frühlingsfest ist eine Gaudi, die manche nicht ertragen und andere zum Feiern lieben. Wir haben Netzreaktionen für und gegen den Wasen gesammelt.

Stuttgart - Wenn in Stuttgart der Cannstatter Wasen zum Volksfest ruft, gibt es zwei Lager. „Volksfeste sind laut und fröhlich“, meint Redakteur Lukas Jenkner und bezieht für den Wasen Stellung. Redakteur Philipp Maisel setzt dem entgegen: „Volksfeste haben sich in die falsche Richtung entwickelt.“

Unser „Pro und Kontra“ zum Frühlingsfest hat im Netz Diskussionen ausgelöst. Sven Baumfäller findet, das Frühlingsfest habe „nichts mehr mit einem Familienfest zu tun!“ Seiner Meinung schließen sich einige Menschen an. Klaus Rünnenburger bezeichnet das Frühlingsfest als „knallhartes Geschäft zur Bespaßung der Touristenmassen.“ Mit Kultur, Tradition oder gemütlicher Feierei habe es nichts mehr zu tun, meint er. Robin Aubert sieht darin einen Vorteil des Frühlingsfestes: „Dieses Fest tut der Stadt gut und beflügelt den Umsatz.“ Deshalb solle man die Menschen feiern lassen, lautet seine Devise.

Frühlingsfest zwischen Stimmung und Besäufnis

„Damals konnte man sonntags noch mit den Eltern dorthin um Karussell zu fahren und Zuckerwatte zu essen“, erinnert sich Lisa Körner. “Bei dem heutigen Klientel“ würde sie dies ihren eigenen Kindern nicht antun, ergänzt sie. Carolin Janina sieht es etwas liberaler: „Man muss weder in Trachten, noch überhaupt auf den Wasen gehen. Wenn es einem nicht gefällt, zwingt einen doch keiner dazu.“ Sie selbst gehe gerne hin, schreibt sie: „Ich mag die Stimmung dort und freue mich jedes Mal drauf.“

Zur Stimmung gehört für viele beim Frühlingsfest auch das Bier. Dass Jugendliche sich teilweise stark betrinken, stößt vielen sauer auf. „Es gibt halt immer Leute die es übertreiben müssen, ihre eigenen Grenzen nicht kennen oder diese bewusst überschreiten. Anwohner möchte ich da jedenfalls definitiv nicht sein“, schreibt Matches Beck. Dem schließt sich Monika Wels an. Auch sie stört sich an „volltrunkenen Leuten“ und deren „Hinterlassenschaften“ und meint: „Auf solchen Festen soll schließlich jeder seinen Spaß haben.“ Günter Bruno kann die Aufregung nicht verstehen: „Was seid ihr bloß für Spießer? Lasst doch den jungen Leuten ihren Spaß.“

Dirndl und Lederhosen sorgen für Streit

Neben dem Alkoholkonsum sorgen vor allem auch die gerne getragenen Dirndl und Lederhosen für heftige Diskussionen bei Facebook. Fabian Fess schreibt, das Dirndl habe „mit der schwäbischen Tracht nichts gemein“ und appelliert, man müsse sich wieder auf die schwäbischen Traditionen besinnen. Auch Dietrich Haaf ärgert sich über die Trachten: „Diese pseudobayerische Camouflage überall ist schon schrecklich peinlich und eine ästhetische Umweltverschmutzung!“ Die Dirndl insbesondere findet Gabriele Seizer nicht gerade hübsch: „Peinlich, das grellbunte Billigzeug, das man leider nicht nur auf dem Wasen sieht sondern in der ganzen Stadt, hat mit echten Dirndl nichts zu tun.“

Matches Beck sieht den Unterschied zwischen bayerischen und schwäbischen Trachten nicht ganz so eng: „Also ich persönlich finde, dass sich die Trachten von Bayern und Baden-Württemberg oft sehr ähneln. Deshalb find ich das jetzt nicht wirklich tragisch, wenn in bayrischer Tracht der Wasen aufgesucht wird.“ Manchen Lesern ist der Streit um die Trachten aber auch zuwider. Traudl Schaller meint: „Von mir aus soll sich jeder kleiden wie er will.“ Sie ginge schon jahrelang nicht mehr auf den Wasen.

Doch allein der Gang zum Wasen zeigt, dass die Trachten beliebt sind und von vielen getragen werden. Daran kann Maren Dräger nichts schlechtes erkennen: „Kann nicht jeder anziehen was er mag? Ich finde es hübsch, wenn sich die Buben und Mädels so zurechtmachen!“ Dieser Meinung schließt sich Franz Rech an und hält den Kritikern entgegen: „Es könnte auch eine gute Portion Neid dabei sein, wenn man auf die bayerischen Trachten schimpft. Lederhosen und Dirndl machen einen einfach unheimlich sexy.“ Und wer die Diskussionen jedes Jahr mitverfolgt, kann sie vermutlich nicht mehr hören, wie auch Sylvia Sämann, die sich fragt: „Haben wir keine anderen Sorgen?“

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