Remstalwerk zieht neue Verbindungen für den Strom zwischen den Ortsteilen. Foto: Hans-Dieter Wolz

Kerzenlicht statt Strahler – weite Teil der Bevölkerung in Kernen im Remstal saßen am Montagabend schon wieder verärgert ohne Strom an ihren Wohnzimmertischen. Die Häufung der Stromausfälle ist auffällig.

Kernen - Die großflächigen Stromausfälle in Kernen im Remstal häufen sich. Am Montagabend saßen weite Teile der Bevölkerung – im östlichen Teil von Rommelshausen und im kleineren Ortsteil Stetten – erneut zweieinhalb Stunden lang bei Kerzenlicht, in manchem Haus gab es gar bis zum frühen Morgen keinen Strom. Die Geschäftsführerin des Stromnetzbetreibers Remstalwerk, Gabriele Laxander, steht vor einem Rätsel: „Warum das verstärkt in Kernen auftritt, kann ich nicht sagen. In Winterbach und Remshalden war bisher gar nichts. In Urbach ist nur einmal bei einem Sturm ein Baum auf eine Leitung gekracht.“ Das vom Remstalwerk betriebene Stromnetz, das früher der EnBW-Tochter Netze BW gehörte, beliefert das Gebiet seiner Besitzer, der Gemeinden Kernen, Remshalden, Winterbach, Urbach.

Die Liste der großfächigen Ausfälle in Kernen in jüngerer Zeit ist bereits lang: Am Montagabend blieb der unentbehrliche Saft aus der Dose gegen 19.30 Uhr aus. „Offenbar verursachte ein Erdschluss im Mittelspannungsnetz das Auslösen der Schutzfunktion im Umspannwerk Rommelshausen, was die Teilabschaltung des Stromnetzes zur Folge hatte“, teilt Gabriele Laxander mit. Im Zuge der sofort eingeleiteten Fehlersuche habe sich eine schadhafte Stelle im Kabelabschnitt zwischen den Mittelspannungsstationen Schafstraße sowie Schumannstraße, letztere ist in der Kolbenhalde, feststellen lassen.

Schadensanalyse läuft noch

Die fehlerfreien Stromkreise wurden sukzessive wieder zugeschalten. Gegen 2.25 Uhr waren wieder alle Anschlüsse mit Strom versorgt, sagt die Geschäftsführerin. Gabriele Laxanders Techniker hielten und halten es weiter für möglich, dass der erste Schaden einen zweiten nach sich zog und auch die Zuleitung vom Umspannwerk Rommelshausen in das Ortsnetz von Rommelshausen und Stetten in Mitleidenschaft gezogen wurde. „Aus diesem Grunde musste die Versorgung vorsichtshalber umgeschaltet werden. Die Schadensanalyse wird fortgesetzt, um festzustellen, welche Bereiche instandgesetzt werden müssen“, sagt sie. Vom Umspannwerk Rommelshausen, gelegen am Ende der Seestraße, wird sowohl das angrenzende Ortsnetz als auch Stetten über die gleiche Leitung versorgt.

Gefahr für Bewohner der Behinderteneinrichtung Diakonie Stetten

Abgesehen vom Ärger aller Betroffenen kam es zumindest in einem Fall zu einer Krisensituation. In der ebenfalls stromlosen Diakonie Stetten sprang die Notversorgung nicht an, womit wichtige medizinische Geräte, auf die manche Bewohner angewiesen sind, ausgingen. „Glücklicherweise war zu diesem Zeitpunkt noch ausreichend Personal da, sodass die notwendigen Reaktionen folgen konnten. Später war die Feuerwehr Stetten vor Ort, die das Notstromaggregat in Gang gesetzt hat“, berichtet der Sprecher der Behinderteneinrichtung, Steffen Wilhelm.

Als Ursache kommt diesmal keines der berüchtigten „roten Kabel“ in Betracht. Dabei handelt es sich um ein betagtes Material, das zudem einen früher nicht bekannten Materialfehler enthielt. Es handelte sich am Montag um ein ebenfalls älteres, aber ansonsten funktionssicheres ölgetränktes Kabel. „Nach langen Phasen der Trockenheit werden aber oft Stromausfälle beobachtet, die auf Erdbewegungen zurückgehen“, versucht Gabriele Laxander eine Erklärung.

Fehlerträchtiges Material

Das „rote Kabel“ war bei den früheren großflächen Stromausfällen als Fehlerquelle ausgemacht worden. Gabriele Laxander hatte nach einem solchen Ereignis im Gebiet Max-Eyth-Straße und Tulpenstraße und weit darüber hinaus in Rommelshausen im Februar versprochen, diese Erdleitungen schrittweise auszumustern. In der Max-Eyth-Straße hielt Gabriele Laxander übrigens Wort und ließ das Netz modernisieren: Kürzlich waren im Gehwegbereich, auch in der Tulpenstraße, entsprechende Kabelarbeiten zu beobachten.

Liste der Stromausfälle in Stetten

Erst am Montag, 5. November, ist übrigens der bisher vorletzte Stromausfall in Kernen beklagt worden. Mit nur 17 betroffenen Haushalten war das Ereignis örtlich stark eingegrenzt. Damals beschädigte ein Bagger bei Wohnhaus-Abbrucharbeiten in der Steigstraße in Stetten eine Leitung.

Ganz Stetten lag dagegen am Samstag, 28. April, stundenlang im Dunkeln. Ein Defekt in der Kirchstraße hatte eine Störung im Mittelspannungsnetz im ganzen Teilort zur Folge. Damals forderte der Aufsichtsratsvorsitzende des Remstalwerks, Kernens Bürgermeister Stefan Altenberger, einen Stresstest für das Stromnetz, um weiteren negativen Überraschungen vorzugreifen. Dieser Ankündigung sind aber bisher keine Taten gefolgt, die bekannt geworden wären. Abgesehen davon, dass so ein Test im laufenden Betrieb technisch sehr schwierig wäre, würden Schwachstellen vielleicht erst recht zusammenbrechen.

Gleich zwei Fehler im selben Mittelspannungsnetz – etwas sehr Seltenes – legten im Mai 2017 für vier Stunden den Ortsteil Stetten und einen kleinen Teil von Rommelshausen lahm.

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