Von Nerzfarmen soll das Virus auf Menschen übergesprungen sein. Foto: Imago

In Nordjütland sind nach Stand vom Donnerstag bereits zwölf Menschen durch Nerze mit einem mutierten Coronavirus angesteckt worden. Dänische Medien sprechen schon von einem „neuen Wuhan“.

Kopenhagen - Rund 17 Millionen Nerze müssen in Dänemark in diesen Tagen ihr Leben lassen. Und die Bewohner der dänischen Region Nordjütland dürfen ihre Gemeinden für Wochen nicht mehr verlassen. Schuld daran ist Cluster 5. Dahinter verbirgt sich eine Mutation des Coronavirus Sars-CoV-2. Es ist die erste Mutation des Virus, die nachweislich vom Tier auf den Menschen übertragen wurde, nachdem sie zuvor vom Menschen auf das Tier übergesprungen war.

In Nordjütland wurden nach Stand vom Donnerstag bereits zwölf Menschen durch Nerze mit dem Coronavirus angesteckt. Laut dem Staatlichen dänischen Institut für Serenkunde würden die derzeit entwickelten Impfstoffe nicht vor dieser Variante des Virus schützen. Dies könne „schwere negative Konsequenzen für die ganze Welt haben“, sagte Regierungschefin Mette Frederiksen. Dänische Medien sprechen vom „neuen Wuhan“, vom Nerz als „globale Ansteckungsbombe“. Das Königreich ist der größte Produzent von Fellen des Amerikanischen Nerzes, auch Mink genannt.

Bereits in 207 dänischen Farmen soll sich das Virus ausgebreitet haben, eine Million Nerze soll schon infiziert worden sein. Die Behörden haben bereits einen Teil der Tiere getötet. Nun soll mit einer groß angelegen Aktion von Militär, Polizei und anderen Notfalldiensten das Töten der gesamten Nerze umgesetzt werden. Züchter erhalten einen Bonus, wenn sie innerhalb von zehn Tagen ihren Bestand liquidieren. Die Tötung und die Entschädigungszahlungen belasten den Staat mit vermutlich umgerechnet 670 Millionen Euro.

Die Bewohner Nordjütlands müssen sich auf Wochen hin isolieren

Auch für die Bewohner von Nordjütland hat das es weitgehende Konsequenzen. „Schließen Sie die Gemeindegrenze und sorgen Sie dafür, dass auch die lokalen Restaurants zumachen“ so heißt die Direktive des dänischen Gesundheitsamts an die Bürgermeister der Region vom Donnerstag. Die Bewohner sollen in ihren Kommunen für mindestens vier Wochen festgehalten werden.

Die Rückübertragung des Virus vom Tier auf den Menschen ist gefährlich, weil sie die Wirkung künftiger Impfstoffe beeinträchtigen könnte. Die dänischen Gesundheitsbehörden haben nämlich festgestellt, dass das mutierte Virus sich kaum durch Antikörper auf Basis der bisher bekannten Varianten des Coronavirus hemmen lässt.

Jan Pravsgaard Christensen, ein Infektionsimmunologe an der Uni Kopenhagen, verweist in diesem Zusammenhang auf das Schlüssel-Schloss-Prinzip. Demnach müssen die nach einer Impfung vom Körper gebildeten Antikörper möglichst genau zu den sogenannten Spike-Proteinen auf der Oberfläche des Virus passen, um dieses unschädlich machen zu können. Wenn ein verändertes Virus entstanden sei, was bei der Mutation im Tier passiert sei, könnten Schlüssel und Schloss nicht zusammenpassen.

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