Werden die Schleusen auf dem Neckar nicht verlängert, stehe es schlecht um die wirtschaftliche Entwicklung der Region Stuttgart, sagt ein Großteil der Regionalversammlung. In einer Resolution fordern die Räte den baldigen Ausbau. Doch es gibt auch kritische Stimmen.
Es ist bereits jetzt viel Wasser den Neckar hinabgeflossen. 2007 haben die Bundesregierung und das Land den Ausbau der 26 Neckarschleusen zwischen Plochingen und Mannheim vereinbart. Diese sollten von bisher 105 auf 135 Meter verlängert werden. Passiert ist seither – vorsichtig ausgedrückt – nicht viel. Und aktuell sieht es sogar so aus, als würde sich an dem Ist-Zustand in den kommenden 20 oder sogar 30 Jahren nichts ändern.
Denn vor kurzem hat das Bundesverkehrsministerium die Verlängerung der Schleusen, die im Bundesverkehrswegeplan 2030 fest verankert war, zurückgestellt. Der Ausbau, so das Ministerium, würde zu lange dauern und zu viel kosten. Stattdessen schlägt das Ministerium vor, die bestehenden Schleusen lediglich zu sanieren.
Wichtig für den Neckar, wichtig für die Region
Das stößt bei der Mehrheit der Stuttgarter Regionalversammlung auf heftigen Widerstand. Auf Antrag der Fraktion der Freien Wähler hat das Gremium nun eine Resolution beschlossen, um der großen Bedeutung der Schleusenverlängerungen für die Funktions- und Leistungsfähigkeit der Bundeswasserstraße Neckar und für die Region Stuttgart Nachdruck zu verleihen.
Die Region Stuttgart sei schon jetzt durch ein sehr hohes Verkehrsaufkommen geprägt, heißt es darin. Vor allem die straßen- und schienengebundenen Güterverkehrswege hätten ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Nur durch die möglichst zeitnahe Verlängerung aller Schleusen zwischen Plochingen und Mannheim werde der Einsatz von modernen, 135 Meter langen Binnenschiffen, die bereits auf dem Rhein fahren können, ohne Verzögerung bis in die Region Stuttgart ermöglicht.
Bis zu 40 Prozent mehr Ladung
Besonders betont wird die Kapazität der großen Schiffe. Diese könnten 40 Prozent mehr Material transportieren als herkömmliche Neckarschiffe. So könne die Wettbewerbsfähigkeit der Binnenschifffahrt auf dem Neckar gesteigert werden. Werden die längeren Schleusen nicht gebaut, so prophezeien die Unterzeichner, werde der Neckar als Transportweg an Bedeutung verlieren.
Zu bedenken sei auch, dass der Neckar mit Plochingen, Stuttgart und Heilbronn über drei Hafenstandorte verfüge. Sie seien wichtige Güterverkehrszentren und bildeten wichtige Schnittstellen zwischen Straße, Schiene und Wasser. Diese zu stärken sei gerade im Hinblick darauf, dass der Containerverkehr zunehme und auch der Transport von Wasserstoff an Bedeutung gewinnen werde, oberste Aufgabe.
Es gibt auch kritische Stimmen gegen den Ausbau
Die große Mehrheit der Regionalversammlung unterstützte die Resolution. Es gab aber auch kritische Stimmen. Regionalrat Hartfrid Wolff (FDP) bezweifelte die Notwendigkeit des Ausbaus: Dafür sei es zu spät. Nicht nur der Kohleausstieg mache den Ausbau hinfällig. Auch gebe es bei den Schiffen inzwischen bessere und klimaneutrale Technik. Auch moderne Schiffe seien oft nur 110 Meter, manche sogar nur 85 Meter lang. Auch den Klimawandel führte er als Argument an: Er zweifele, ob 135 Meter lange Schiffe voll beladen bei einer Wassertiefe von etwa 2,80 Metern und zu erwartendem Niedrigwasser überhaupt sinnvoll auf dem Neckar eingesetzt werden können.
„Größere energieeffizientere Binnenschiffe wären im Sinne des Klimaschutzes und der Wirtschaftlichkeit wünschenswert. Nur sollten die Wünsche auch realistisch und finanzierbar sein“, betonte Michael Knödler (Die Linke/Pirat). Daran zweifle er. Eine optimistische Schätzung der Bauzeit gehe vom Jahr 2050 aus. Darüber hinaus müsste während der Bauzeit mit großen Einschränkungen beim Schiffsverkehr gerechnet werden. Zur vollen Wahrheit gehöre auch, dass die Schleusen nicht nur verlängert, sondern dann auch verbreitert werden müssten.