Ein Schiff wird kommen... Der Hafen in Plochingen gehört zu den eher kleineren Häfen der Binnenschifffahrt in Deutschland. Foto: /Johannes M. Fischer

Die Schleusenbecken im Neckar sind ausgelegt für Schiffe mit einer Länge von bis zu 105 Metern. Die meisten Binnenschiffe sind aber 135 Meter lang. Für die Häfen in Plochingen und Stuttgart ist das ein Problem. Sie pochen auf einen raschen Ausbau.

Der Hafen in Plochingen will wachsen. Und die Nachfrage aus der Wirtschaft ist da. Zwischen 400 und 500 Schiffe kämen zurzeit jährlich nach Plochingen, um Güter zu verladen, so der Hafen-Geschäftsführer Gerhard Straub. „Es wären deutlich mehr, wenn hier größere Schiffe durch die Schleusen passen würden“, vermutet Straub. Zum Vergleich: In Stuttgart werden etwa 1000 Schiffe im Jahr abgefertigt. Allerdings hat die Landeshauptstadt dasselbe Problem wie Plochingen. Auch hier könnte man wachsen, ist der dortige Hafenchef Carsten Strähle überzeugt. Aus seiner Sicht steht dabei mehr auf dem Spiel als nur das Hafengeschäft. „Für den Hafen Stuttgart ist der Ausbau ein unverzichtbarer Schritt, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft in der Region zu erhalten“, meint Strähle.

 

Nur ein bis zwei Schiffe pro Tag finden also durchschnittlich den Weg bis zum Hafen Plochingen, der stromaufwärts der letzte Hafen des schiffbaren Neckars ist. Schiffe, die dort ankommen und abfahren, dürfen nicht länger als 105 Meter sein. Größere Frachter passen nicht durch die Schleusen. Das Problem: Von diesen vergleichbar kleinen Schiffen werden kaum noch welche gebaut. Wird eines aus dem Verkehr gezogen, wird es durch ein längeres ersetzt. Die Binnenschifffahrt konzentriert sich immer mehr auf Schiffe mit einer Länge von bis zu 135 Metern.

Transporte im Wasser sind klimafreundlicher als auf der Straße

Diese Länge ist auch auf dem Rhein zulässig, der für die Neckarschifffahrt eine gewichtige Rolle spielt. Straub plädiert daher für einen schnellen Ausbau der Schleusen auf dem Neckar. „Um das Klima- und Verkehrsverlagerungsziel der Bundesregierung zu erreichen und den Bedürfnissen der überregionalen Wirtschaft gerecht zu werden, ist der Ausbau der Binnenschifffahrt alternativlos“, sagt der Hafenchef. Seine Forderung hat somit auch einen klimaschützenden Hintergrund: Der Transport über das Wasser ist deutlich klimafreundlicher als der über die Straße. Experten des Umweltbundesamtes haben ausgerechnet, dass ein Containerschiff mit einem Kohlendioxidausstoß von etwa 17 Gramm pro transportierter Tonne und Kilometer deutlich besser abschneidet als der Lastwagen mit rund 68 Gramm.

Vor einigen Jahren war der Plochinger Hafen noch deutlich stärker frequentiert. Betrachtet man den Umschlag, der in Tonnen gemessen wird, war dieser im Jahr 2005 drei Mal so hoch wie heute. Dann gab es einen Knick, unter anderem verursacht durch die rückläufige Kohleförderung in Deutschland. Doch auch wenn es in den Spitzenzeiten der Kohletransporte einst besser lief: Der Hafen lauert in einer Art Wartestellung. Betriebswirtschaftlich ausgedrückt: Er hat Potenzial. „323 Prozent Steigerungspotenzial ab 2030“ wurde dem Hafen von einer Unternehmensberatung bescheinigt. Unter einer Bedingung: Die Durchfahrt für 135-Meter-Schiffe müsse gewährleistet sein.

Der Hafen versucht Land zu gewinnen

Bis 2050 will der Bund die Schleusen auf dem Neckar verlängern – dieses Versprechen kam unlängst aus dem Verkehrsministerium. Viel Zeit also, um sich über eine Erweiterung der Gewerbeflächen Gedanken zu machen. Schon jetzt melden Straub zufolge vier von fünf Hafenansiedlern Bedarf an mehr Fläche an. Solche Flächen könnten unter anderem gewonnen werden, wenn das sogenannte Sicherheitsbecken verfüllt würde. 14 000 Quadratmeter Land würden hier entstehen, weil das Becken weitgehend funktionslos geworden ist. Es war beim Bau des Hafens vor gut 50 Jahren Vorschrift. Schiffe sollten sich dort in Sicherheit bringen können, sollte ein Wehr brechen. Das hat sich erübrigt. Inzwischen können Schiffe rechtzeitig in andere Bereiche steuern, sodass man das Sicherheitsbecken nicht mehr braucht.

Die Pläne dafür liegen seit 2007 auf Eis. Denn die Landgewinnung wäre laut Straub so kostspielig, dass der Quadratmeterpreis deutlich über dem läge, was zurzeit in der Region in Gewerbegebieten gezahlt wird. Das könnte sich aber bei einer neuen Priorisierung im nationalen und internationalen Verkehrswesen – mehr Transport über Schiene und Wasser als über Land, um die Straßen zu entlasten und die Klimaziele zu erreichen – mittelfristig ändern.

Der Hafen in Plochingen

Bedeutung
Der Plochinger Hafen gehört zu den wichtigen Gewerbegebieten im Landkreis Esslingen, der selbst wiederum zu den wirtschaftsstärksten Regionen in Deutschland gehört. Das Gebiet hat eine Größe von 38 Hektar, der Kai ist gut zwei Kilometer lang. Umgeschlagen werden dort unter anderem Agrargüter, Chemieprodukte, Gefahrengüter, Baustoffe, Mineralien, Kohle und Erze, Schrott, Stahl und Metall.

Umschlag
Was in Häfen verladen wird, misst sich in Tonnen. Der so genannte Güterumschlag in Plochingen beträgt 1,3 Millionen Tonnen, davon jeweils ungefähr ein Drittel über das Wasser, die Schiene und die Straße.

Lage
Der Hafen liegt an der vierspurigen B 10. Bis zur A 8 sind es etwa acht Kilometer, bis zum Flughafen Stuttgart etwa zwanzig Kilometer. Es ist vom Rhein aus gesehen der letzte von vier Häfen am Neckar. Die ausgebaute Schifffahrtsrinne endet kurz hinter dem Hafen in Plochingen.