Nazi-Vergleich Strobl entschuldigt sich, Sittler nimmt an

Von Frank Krause 

Walter Sittler Foto: Kraufmann
Walter Sittler Foto: Kraufmann

Stuttgart 21: CDU-Generalsekretär Strobl heizt Debatte durch Nazi-Vergleich neu an.

Stuttgart - Während sich Befürworter und Gegner des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 um eine Schlichtung bemühen, sind die Fronten am Dienstag an anderer Stelle wieder aufgebrochen. SPD und Grüne reagierten empört auf eine Äußerung von CDU-Generalsekretär Thomas Strobl. Der hatte dem Stuttgart-21-Gegner und Schauspieler Walter Sittler "mangelndes Demokratieverständnis" vorgeworfen und ihn als "S-21-Propagandisten" bezeichnet.

"Strobl verlässt mit seinem unsäglichen NS-Verweis den Rahmen der demokratischen Streitkultur", sagte Grünen-Landeschef Chris Kühn. SPD-Generalsekretär Peter Friedrich warf Strobl vor, er stelle Sittler in eine Reihe mit Nazi-Propagandisten. "Diese Aussagen sind eine blanke Unverschämtheit. Strobl versucht sich als verbaler Wasserwerfer." Kühn und Friedrich forderten eine Entschuldigung. Nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten wurden Strobls Äußerungen im Umfeld von Ministerpräsident Mappus (CDU) mit Entsetzen registriert.

Sittler hatte in der ZDF-Sendung "Markus Lanz" den Wählern in Baden-Württemberg vorgeworfen, sie hätten seit über 50 Jahren eine Regierungsbeteiligung der CDU ermöglicht. Strobl hatte diese Äußerungen in seinem Newsletter "Berlin aktuell" kritisiert und dazu ein Bild Sittlers gezeigt: "Sein Vater war Nazi-Funktionär und arbeitete für Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: Walter Sittler, Propagandist der S-21-Bewegung." Am Dienstagabend nahm Strobl dies zurück. "Ich bin in der von beiden Seiten sehr emotional geführten Debatte über Stuttgart 21 über das Ziel hinausgeschossen. Dies bedauere ich und daher entschuldige ich mich hierfür bei Ihnen." Sittler selbst teilte wenig später mit, er nehme die Entschuldigung an.

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