Neues Trikot, neue Spieler: Julian Nagelsmann am Donnerstag in Frankfurt. Foto: imago//Jürgen Kessler

Der Bundestrainer nominiert Waldemar Anton, Maximilian Mittelstädt, Chris Führich und Deniz Undav für die ersten Länderspiele des Jahres – und spricht konkret über seine Erwartungen an die VfB-Profis.

Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte am Donnerstagmittag ein Lieblingswort, als er bei der Kadervorstellung für die ersten Länderspiele des Jahres über den VfB und seine nominierten Stuttgarter Profis sprach. Es hieß: sehr.

 

In den Abwehrmännern Waldemar Anton und Maximilian Mittelstädt sowie den Offensivkräften Chris Führich und Deniz Undav hat Nagelsmann ein VfB-Quartett nominiert für die Partien gegen Frankreich am 23. März in Lyon und die Niederlande drei Tage später in Frankfurt – und war auf dem Pressepodium des DFB-Campus in Frankfurt voll des Lobes über die Entwicklung der Weiß-Roten. „Beim VfB geht es ums Momentum“, sagte der Coach drei Monate vor Beginn der EM: „Wenn wir vom letzten Jahr ausgehen, wäre jetzt wahrscheinlich keiner dabei.“

Der Gipfel der Lobhudelei

Und dann kam es zur ersten „Sehr“-Salve über den Club, der sich vom Abstiegskandidaten zum Champions-League-Aspiranten gemausert hat: „Sie machen es gerade sehr, sehr, sehr, sehr gut und haben sehr viel Spielfreude und Selbstvertrauen.“ Und dann ergänzte Nagelsmann als Gipfel seiner Lobhudelei noch dies: „Ich bin ehrlich: Man hätte vom VfB auch noch zwei, drei weitere Spieler einladen können ohne große Probleme.“

Der Bundestrainer meinte damit den Rechtsverteidiger Josha Vagnoman und den zentralen Mittelfeldspieler Angelo Stiller – denn, genau: „Die machen es auch sehr, sehr gut.“ Es gebe also noch einige Stuttgarter Kandidaten, so Nagelsmann weiter, die auf den EM-Zug springen könnten.

Das sind doch mal sehr gute Aussichten aus dem Blickwinkel des Tabellendritten der Bundesliga – der sich in Person von Trainer Sebastian Hoeneß selbstredend sehr über die Nominierungen freute. „Ein Riesenkompliment an die Jungs“, sagte der Trainer des VfB Stuttgart mit Blick auf die berufenen Anton, Mittelstädt, Führich und Undav. „Das ist für uns alle eine Riesengeschichte. Und eine Bestätigung für uns alle, deswegen sind wir da schon auch ein bisschen stolz.“ Es sei, so Hoeneß weiter, „für uns super zu wissen, dass die Leistungen gesehen werden“.

Dass der VfB-Coach im Training bald eineinhalb Wochen auf seine Nationalspieler verzichten muss, wird er also verschmerzen können. Erst recht, weil Kollege Nagelsmann die Qualitäten jedes Einzelnen zu schätzen weiß und Anton und dessen Kollegen daher, nun ja, in guten Händen zu sein scheinen. „Waldemar Anton“, sagte der Bundestrainer also am Donnerstag weiter, „ist ein stabiler Verteidiger, mit sehr großem Herz, großer Leidensfähigkeit und gutem Offensivdrang.“

Dennoch wird Anton nach Angaben Nagelsmanns eher kein Kandidat für die Startelf sein. Da sind Antonio Rüdiger und Jonathan Tah in der Innenverteidigung gesetzt. Im Gegensatz zu Weltmeister Mats Hummels, der dieses Mal fehlt – weil ihm Nagelsmann die Rolle als Ersatzmann nicht zutraut. Der Grund: Hummels könnte, wenn er nicht spielt, Stunk machen – Anton dagegen nicht. Wenn man dessen Karriereverlauf sehe, so sagte das Nagelsmann, werde es sehr gut passen, denn: „Waldemar wird sich mit der Herausfordererrolle zufrieden geben und nie für schlechte Stimmung sorgen, weil er glücklich darüber ist, dass er dabei ist.“

Das gilt so auch für Maximilian Mittelstädt, den Nagelsmann überschwänglich lobte. „Maxi ist aktuell der stabilste Linksverteidiger der Liga, er macht es offensiv extrem gut, defensiv hat er sich extrem gesteigert – statistisch ist er der beste Linksverteidiger der Bundesliga und unter den Top-Vier der Welt.“ Also bitte, noch mehr „sehr“: „Maxi hat es nach einer sehr, sehr, sehr guten Saison mehr als verdient, dabei zu sein.“

Ebenso wie Chris Führich, der beim VfB auf der linken Außenbahn vor Mittelstädt spielt – und für den Nagelsmann mit Blick auf die EM eine Jokerrolle vorsieht: „Er wird nicht jedes Spiel von Beginn an machen, aber für 20 Minuten wird er ein extrem wertvoller Spieler sein.“ Denn Führich könne mit seinen Dribblings und den Abschlüssen immer ein Dosenöffner sein.

Und zu guter Letzt war da noch Deniz Undav, der wie seine drei VfB-Kollegen nicht zu kurz kam bei den Elogen des Julian Nagelsmann. „Deniz hat eine große Fähigkeit, Räume zu deuten und sich zwischen den Linien freizulaufen“, sagte der Coach: „Er hat viele Tore gemacht, ist immer viel unterwegs und sehr fleißig.“ Nagelsmann brachte eine mögliche Rolle Undavs um einen zentralen Stürmer herum ins Spiel – ähnlich wie beim VfB mit Serhou Guirassy praktiziert: „Deniz kann eine gute Kombination mit einer zentralen Spitze sein.“

Etwa mit Niclas Füllkrug – dem einzigen Profi von Borussia Dortmund im Kader des Bundestrainers, der seinem angekündigten Umbruch angesichts der sportlichen Krise vor der EM nun konkrete Taten bei der Nominierung folgen ließ. Etwa mit dem erstmals berufenen Mittelfeldmann Aleksandar Pavlovic vom FC Bayern oder dem Linksaußen Jan-Niklas Beste vom 1. FC Heidenheim.