Tierreservate sollen im Nationalpark Touristen anlocken Foto: dpa

Der Nationalpark allein reicht nicht, um Touristen anzulocken, meint der SPD-Fraktionschef im Landtag, Claus Schmiedel. Er unterstützt deshalb das Projekt, dort mehrere Tierreservate einzurichten.

Stuttgart - Nicht, dass es schlecht liefe in Baden-Württembergs erstem Nationalpark. Als Naturschutzminister Alexander Bonde kürzlich Bilanz zog, konnte er immerhin 22 000 Besucher vermelden – doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

Vielleicht wären es noch ein paar mehr geworden, wenn man entlang der Schwarzwaldhochstraße das eine oder andere Tier zu Gesicht bekäme. Einen Fuchs vielleicht oder einen Hasen. Es müssen ja nicht gleich die Big Five sein. Doch bisher lässt der Schwarzwald den animalischen Mythos, der ansonsten beim Begriff „Nationalpark“ mitschwingt, nur schwach durchscheinen.

Der Borkenkäfer reiche dafür nicht, hat schon vor Monaten der Hotelier Meinrad Schmiederer (Dollenberg) gemahnt und die Gründung eines Wildtierreservats angeregt. Bären, Wölfe, Auerwild, ja sogar Elche sollten sich frei in einem umzäunten Areal bewegen können – zum Gaudium neugieriger Touristen. Sein Vorschlag fiel in Stuttgart auf fruchtbaren Boden, denn mit dem SPD-Fraktionschef im Landtag, Claus Schmiedel, erhielt das Vorhaben einen prominenten Fürsprecher.

Wildpferde, Auerochsen und Gämsen

Die Gespräche sind nun so weit gediehen, dass Schmiedel auf Anfrage Details nennt. Statt eines großen Tierreservats sollen am Rande mehrere kleinere, bis zu 100 Hektar große Areale entstehen, in denen der Besucher Wildpferde, Auerochsen oder Gämsen beobachten kann. Das lasse sich schneller verwirklichen und locke so auch schneller Touristen an, sagt der SPD-Mann: „Wir wollen zeigen, welche Tiere es in der Geschichte des Schwarzwalds gab.“

Wir – das ist ein Förderverein, der im Januar oder Februar ins Leben gerufen werden soll. Neben Kommunalpolitikern könnten sich dort auch Unternehmer engagieren. Die sollen das Ganze nämlich finanziell anschieben, natürlich auf Sponsorenbasis. „Das ist ein Projekt aus der Region für die Region und sollte sich letztlich allein finanzieren“, sagt Schmiedel.

Viele Besucher des Nationalparks wollten neben Naturschutz eben auch Tiere erleben. Deshalb werde man die Sache nicht gegen die Parkverwaltung entwickeln, sondern zusammen mit ihr. Dafür hat man offenbar auch deren Chef, den Biologen Wolfgang Schlund, gewonnen. Der sehe das positiv, sagt Schmiedel.

Die spannende Frage ist allerdings, ob sich auch die gestrengen Experten in Alexander Bondes Naturschutzministerium dafür erwärmen können. Denn mit dem Ursprungsgedanken eines Nationalparks, Natur sich selbst zu überlassen, hat ein Tierreservat eigentlich nichts zu tun. Eher schon mit Tourismusförderung.

Es sei schon bedauerlich, dass am ersten Geburtstag des Nationalparks der Naturschutz allenfalls am Rande erwähnt wurde, klagte kürzlich auch die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender über Bondes Jahresbilanz – da war von firmengesponserten Tierreservaten noch gar keine Rede.

Doch Schmiedel beteuert, er sei mit dem Naturschutzminister im Gespräch. Der hat das Projekt in der Tat bereits grundsätzlich für gut befunden. Wölfe, Bären und andere Raubtiere soll der Besucher übrigens nicht zu Gesicht bekommen. Die können sie ja schon in zwei anderen Reservaten im Nordschwarzwald bestaunen: im bestehenden Wolfs- und Bärenpark in Bad-Rippoldsau sowie im geplanten Anima Tierpark in Sasbachwalden. Schmiedel: „Denen muss man ja keine Konkurrenz machen.“ Die Stadt Baden-Baden wartet außerdem mit einem „Luchspfad“ auf – auch wenn sich die scheue Raubkatze bisher nur vereinzelt im Schwarzwald blicken ließ.

Ein detailliertes Konzept soll ohnehin erst noch entstehen. Dazu hat Schmiedel die Idee, einen Praktikanten im Nationalparkzentrum auf dem Ruhestein als Projektmanager einzustellen, der im Rahmen eines berufsbegleitenden Masterstudiums die Einzelheiten für die Tierreservate ausarbeitet – natürlich unter fachlicher Anleitung. Mit der Steinbeis-Hochschule, einer privaten, staatlich anerkannten Einrichtung in Berlin, hat der SPD-Fraktionschef bereits Kontakt aufgenommen. Dort hat der gelernte Lehrer übrigens früher unterrichtet.

Wildpferde soll es jedenfalls schon bald zu sehen geben. Dazu bedarf es lediglich der Einzäunung von Weideflächen. Auch Gämsen dürften kein Problem sein, die tummeln sich bereits zu Hunderten im Südschwarzwald.

Und was ist mit jenen Besuchern, denen ganz aktuell der Sinn nach Animalischem steht? Die müssen einstweilen nach Fuchs und Has’ Ausschau halten. Oder sie trösten sich damit, dass dort kürzlich die Zitronengelbe Tramete gefunden wurde. Das ist ein weltweit sehr seltener Pilz, dessen Entdeckung man als kleine Sensation feierte. Optisch macht er allerdings nicht viel her. Und essen kann man ihn auch nicht.

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