Spieler der Nationalmannschaft trainieren in Düsseldorf zur Vorbereitung auf ein Freundschaftsspiel gegen Argentinien Foto: dpa

Jetzt muss Joachim Löw seine Geheimnisse lüften. Bevor die Weltmeister an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) zur Neuauflage des WM-Finales auf Argentinien treffen, wird er wohl nur den Nachfolger des zurückgetretenen Kapitäns Philipp Lahm bekannt geben. Die wichtigsten Fragen vor dem Länderspiel.

Düsseldorf - Jetzt muss Joachim Löw seine Geheimnisse lüften. 51 Tage ist der WM-Triumph her, doch bevor die Weltmeister an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) in Düsseldorf zur Neuauflage des WM-Finales auf Argentinien treffen, wird er wohl nur den Nachfolger des zurückgetretenen Kapitäns Philipp Lahm bekanntgeben. Es ist nicht die einzige Frage, die Gesprächsstoff liefert.

Welche Weltmeister sind an Bord? Mesut Özil (FC Arsenal) ist wegen einer Knöchelblessur am Montag nicht zum Treffpunkt der Nationalelf nach Düsseldorf gereist, sondern blieb vorerst in London. Gegen Argentinien fällt er aus, dafür soll er beim ersten EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland an diesem Sonntag (20.45 Uhr/RTL) in Dortmund an Bord sein. Fraglich für beide Länderspiele sind die angeschlagenen Mats Hummels, Jérome Boateng und Sami Khedira. Definitiv fehlen werden fünf weitere Weltmeister: Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker haben ihre Länderspiel-Laufbahn beendet, Bastian Schwein­steiger und Shkodran Mustafi sind nicht fit.

Wie viel Strahlkraft hat der WM-Titel? Oliver Bierhoff hat seit dem Finale von Rio geschwiegen. Am Montag war der Nationalmannschafts-Manager wieder ganz der geübte PR-Profi. „Bei der WM hat die Mannschaft eine Message in die Welt geschickt“, sagte er mit Pathos in der Stimme. Und zwar die, „was als Team möglich ist. Dass man ein Star sein kann und doch mannschaftsdienlich. Dass man kämpfen und doch diszipliniert spielen kann. Dass man verschiedene Kulturen vereinen kann.“ Es sei schön zu sehen, dass diese Mannschaft „nicht nur für sportliche Leistung steht, sondern auch für Werte. Sie hat ein unglaubliches Bild für die Deutschen im Ausland abgegeben.“

Wer wird Kapitän? Für die Nachfolge von Philipp Lahm gibt es vier Kandidaten – aber keinen Favoriten. Als Vizekapitän hat Bastian Schweinsteiger (30/FC Bayern) auf dem Papier einen kleinen Vorteil. Allerdings sprechen die Verletzungsanfälligkeit und die langen Ausfallzeiten gegen die Berufung des „emotionalen Leaders“. Mats Hummels (25) ist gerade bei Borussia Dortmund zum Kapitän aufgestiegen. Der Innenverteidiger ist eloquent, sicher im Auftreten und weniger öffentlichkeitsscheu als Schweinsteiger. Manuel Neuer (28/FC Bayern) hat seine Bewerbung abgegeben: „Wenn der Trainer mir das Amt zutraut, würde ich es machen.“ Gegen seine Ernennung spricht seine Position. Als Torhüter hat er kaum Einfluss auf das Spiel und den Schiedsrichter. Der letzte deutsche Torwartkapitän war Oliver Kahn, der die Binde aber an Michael Ballack abgegeben musste – der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann wollte einen Feldspieler in der Chefrolle haben. Auch Sami Khedira (27/Real Madrid) ist ein Kandidat. An dem Ex-VfB-Profi schätzt Joachim Löw dessen vorbildlichen Einsatz und professionelles Auftreten. Als Kapitän der deutschen U-21-Auswahl, die 2009 Europameister wurde, hat Khedira schon seine Führungsqualitäten nachgewiesen. Alle vier Profis sind Kandidaten für den Mannschaftsrat. Dort sind nach den Rücktritten von Lahm, Klose und Mertesacker drei Plätze frei geworden.

Wen holt Löw als neuen Co-Trainer? Wie Lahm, Klose und Mertesacker wird auch Löws bisheriger Assistent Hansi Flick vor der Partie gegen Argentinien offiziell verabschiedet. Wer ihm nachfolgt, entscheidet sich erst nach der Partie gegen Schottland. „In diesen Tagen wird kein Co-Trainer bei uns sein. Es wird auch keiner nachreisen“, sagt Oliver Bierhoff. Marcus Sorg, der als ­Favorit galt, ist wohl aus dem Rennen: Löw hat dem Coach der U-19-Europameisterelf ­angeblich abgesagt. Er sucht den Flick-Nachfolger offenbar außerhalb des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Auch der Name von Ex-VfB-Trainer Thomas Schneider kursiert.

Was macht Hansi Flick als Sportdirektor? Der bisherige Co-Trainer ist beim DFB ab sofort für den kompletten U-Bereich von der U 15 bis zur U 21 zuständig. Am Montag hat er das alte Büro seiner Vorgänger Matthias Sammer und Robin Dutt bezogen. „Es steht noch kein Telefon drin“, sagt Flick – was ihn nicht von der Arbeit abhält. Schon im Januar hat er das gemeinsame Trainingslager der U-16- und U-18-Auswahlteams im spanischen La Manga besucht. Nächste Woche stattet er Schalke 04 und Bayer Leverkusen seinen Antrittsbesuch ab – Flick will den Kontakt zu den Bundesligavereinen intensivieren. In Arne Friedrich und Torsten Frings will er zwei Ex-Nationalspieler beim DFB einbinden. Friedrich fungiert als zweiter Co-Trainer der U 18, Frings hospitiert bei der U 20. In der internen Hierarchie steht Flick nun eine Stufe über Joachim Löw. Wenn der Freiburger eines Tages abtritt, hat Flick das Vorschlagsrecht für den neuen Bundestrainer. Einen vorzeitigen Abgang wie Sammer und Dutt schließt Flick aus: „Ich werde nicht in ein, zwei Jahren etwas anderes machen“, sagt er. Sein Vertrag läuft bis 2019.

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