Die Freie Narrenzunft Kornwestheim und die 1. Fasnetzunft Neckarweihingen sind dem Brauchtum der schwäbisch-allemannischen Fasnacht besonders verpflichtet. Und das kann sich sehen lassen...
Ludwigsburg - Gleich zwei Fasnetzünfte im Landkreis Ludwigsburg gehören offiziell zum „nationalen immateriellen Kulturerbe“, so hat es die deutsche Unesco-Kommission entschieden. Die Ehre wurde der Freien Narrenzunft Kornwestheim und der 1. Fasnetzunft Neckarweihingen, den „Mistelhexen“, zuteil. „Das ist eine megatolle Auszeichnung“, sagte Tanja Grimm, Zunftmeisterin der Kornwestheimer Narrenzunft. „Für uns als Verein ist das eine hohe Auszeichnung“, stimmt Stefan Diefenbach, Zunftmeister aus Neckarweihingen zu. Der Aufnahme war ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren vorausgegangen.
Diefenbach, Grimm und ihre närrischen Mitstreiter schickten Unterlagen zu Historie, Werten und Ansätzen in ihrem jeweiligen Verein an den Landesverband württembergischer Karnevalvereine mit anerkannten Masken- und Brauchtumsgruppen. Dessen Brauchtumsausschuss leitete mögliche Kandidaten weiter an die Vereinigung schwäbisch-allemannischer Fasnetzünfte, die sich wiederum an die nationale Unesco-Kommission wandten. Vier Vereine aus dem Landesverband blieben am Ende übrig – neben den Narren aus Kornwestheim und dem Ludwigsburger Teilort wurden auch die Murreder Henderwäldler aus Murrhardt (Rems-Murr-Kreis) und der Narrenbund Neuhausen (Kreis Esslingen) bedacht.
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Verleihung mit politischer Unterstützung
Dass man sich über die Auszeichnung freuen könne, ist den Zünften indes schon seit Ende vergangenen Jahres bekannt, wie Grimm berichtet. Allerdings wurden die Urkunden nun erst – aufgrund der Corona-Pandemie also verspätet – im Rahmen der Ordensverleihung des Landesverbandes im Friedrichsbau-Varieté in Stuttgart ausgegeben. Grimm hatte dabei sogar prominente Unterstützung aus der Stadtverwaltung dabei, der Erste Bürgermeister Daniel Güthler begleitete die Chefnärrin. „Mit seinen Brauchtumsfiguren bereichert der Verein die Fastnacht in Kornwestheim“, sagte Güthler. Die liebevoll gestalteten Figuren seien nicht nur echte Hingucker. „Sie schlagen außerdem einen Bogen zur Geschichte Kornwestheims als Kornkammer der Region.“
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Die schwäbisch-alemannische Fastnacht als Ganzes wurde bereits im Jahr 2014 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen. Daran anknüpfend werden nun auch einzelne Vereine bedacht, die wie die Zünfte aus Kornwestheim und Ludwigsburg als Teil des immateriellen Kulturerbes das entsprechende Logo führen dürfen. Auf ihrer Internetseite schreibt die deutsche Unesco-Kommission zur schwäbisch-allemannischen Fastnacht: „Zum Charakteristikum der Festivitäten wurde die Totalvermummung und Maskierung der Akteure, wie sie die Fasnet bis heute prägt.“ Und weiter heißt es: „Insbesondere die holzgeschnitzten Masken, die ältesten bis zu 250 Jahre alt, sind von herausragender Qualität.“
Die Kornwestheimer Freie Narrenzunft, die sich 1984 von der Narren-Ober-Liga abspaltete, hat zwei Maskengruppen: Die „Krähenhexen“, farbenfrohe doch auch unheimliche alte Weiber, und die „Kornweible“, schöne Bäuerinnen, welche die reiche Frucht der Felder zur Schau tragen. Die Neckarweihinger Zunft – ebenfalls 1984 gegründet – ist natürlich besonders für die „Mistelhexe“ bekannt. Sie bezieht sich auf die Kräuterfrauen, die früher oft als Hexen beschimpft wurden. Neben der Mistelhexe gibt es in der Zunft noch eine weitere Gruppe mit Häs und Larve, die „Roggenlupfer“, eine Figur aus der Geschichte Neckarweihingens. Roggenlupfer war ein Spottname für die örtlichen Bauern.
Den Werten der Fasnet verpflichtet
Klar ist für Grimm wie auch Diefenbach: Teil des immateriellen Kulturerbes werden nur Vereine, die sich dem Brauchtum der Fasnet und ihren Werten sehr verpflichtet fühlen und es leben. „Wir werden an unseren Traditionen festhalten, sie pflegen und vermitteln“, sagt Grimm. „Auch wenn das natürlich schon vor der Auszeichnung so war.“ Sie hoffe im Übrigen, dass im Rahmen der Fasnet auch in diesem Jahr noch möglichst viele Veranstaltungen – zumindest interne – möglich sein werden. Stefan Diefenbach ergänzt: „Wir feiern auch mal gerne, klar. Aber es ist wichtig, zu zeigen, dass es nicht die Fasnet ausmacht, sich eine Maske anzuziehen und zu Ballermann-Musik loszulaufen.“
Fasnet sei eine generationenübergreifende Tradition, die geschichtliche Bezüge habe, auch etwa für Handwerk stehe. „Und Fasnet ist auch politisch, denken wir nur an das Rügerecht“, sagt Diefenbach. „Schon früh haben die Narren die Fasnet dazu benutzt, der Obrigkeit den Spiegel vorzuhalten.“
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