Die Nandus von Jürgen Wagner in Schopfloch haben Nachwuchs. Seit zehn Wochen flitzt der kleine Dino über die Wiese. Wie er zu seinem Namen kam – und warum die Eltern noch gar nichts von dem kleinen Racker wissen.
Ob der kleine Dino ein Junge oder ein Mädchen ist, steht noch nicht fest. Jürgen Wagner will es derzeit auch noch nicht wissen, denn das Unterfangen genauer nachzusehen ist für den Laufvogel, der ursprünglich in Südamerika beheimatet ist, purer Stress und für Jürgen Wagner zudem gefährlich. Zur Bestimmung des Geschlechts müsse der Vogel auf den Rücken gedreht und genau untersucht werden. „Dafür brauchen wir mindestens vier Leute zum Halten“, erzählt er. Der Grund: Schon der kleine Vogel hat eine messerscharfe mittlere Kralle, mit der sich seine Artgenossen in freier Wildbahn erfolgreich sogar gegen Pumas und Jaguare verteidigen können.
Anlehnung an die amerikanische Zeichentrickserie
Erst wenn der Vogel in ein paar Wochen größer ist, darf er oder sie zu seinen Eltern und Geschwistern auf die etwas weiter entfernte Wiese bei der Schopflocher Gemeindehalle. Dass Dino noch eine Weile getrennt gehalten werden muss, hat ebenfalls seinen Grund. „Die größeren Tiere würden auf ihn einhacken und man weiß nicht genau, wie das enden würde“, sagt Wagner. Nach der Zusammenführung ist die Familie Feuerstein, wie der Schopflocher seine fünf Nandus liebevoll nennt, fast wieder komplett. In Anlehnung an die amerikanische Zeichentrickserie aus den 1960er Jahren heißen sie Fred, Betty, Pebbles, Bamm-Bamm – und eben Dino, wie die Feuersteins ihr Haustier nennen. Freds Frau Wilma, der sechste Nandu im Bunde, ist im vergangenen Jahr leider gestorben. „Wir haben sie eines morgens tot auf der Wiese in Schlafposition gefunden“, bedauert Wagner. Die anderen Vögel seien neben ihr gelegen und hätten sie immer wieder angestupst und aufgefordert aufzustehen.
Vor drei Jahren hatte Jürgen Wagner, der in Krebsstein auch noch vier Alpakas auf einer Weide stehen hat, mit Wilma, Fred und Betty seine ersten drei Nandus bekommen. Die ersten Zuchtversuche waren jedoch ergebnislos verlaufen. Im vergangenen Jahr schlüpften Bamm-Bamm und Pebbles aus ihren Eiern, in diesem Jahr erblickte vor zehn Wochen Dino das Licht der Welt. „Die Nachzucht ist extrem schwierig“, sagt Wagner und freut sich deshalb besonders über Dino.
Wilma und Betty legen Eier – doch Fred mag nicht brüten
Zwar hatten Wilma und Betty anfangs regelmäßig bis zu 20 Eier in ein Nest gelegt, doch ließ Freds Interesse am Ausbrüten schnell nach. Nach rund 30 Tagen hatte er jeweils aufgegeben und die Eier starben ab. Jürgen Wagner vermutet, dass Fred einfach die Erfahrung damit gefehlt hat. „Bei den Nandus ist das Ausbrüten und die Aufzucht der Küken nämlich Männersache“, erklärt er. Deshalb legten sich Jürgen Wagner und seine Frau Trixi im vergangenen Jahr einen Brutapparat zu – und das mit einem bescheidenen Erfolg. Von den rund 20 Küken, die aus den Eiern geschlüpft waren, überlebten am Ende nur Bamm-Bamm und Pebbles. Und in diesem Jahr hat es auch nicht besser ausgesehen, da hat nur Dino überlebt. „Warum das so schwierig ist, kann niemand sagen“, erzählt Wagner weiter, der sich mit dem Thema Nachzucht von Nandus intensiv beschäftigt hat. Um Dino durchzubringen, haben sich die Wagners mächtig ins Zeug gelegt. „Wir haben ihn den ganzen Tag rund um die Uhr betüttelt“, sagen sie. Um einen Herzschlag zu spüren, durfte Dino beispielsweise auf dem Bauch der beiden schlafen und sein Futter bekam das Küken aus der Hand.
Alpakas und Nandus kuscheln zusammen
Langfristiges Ziel der Wagners ist, die Nandus und Alpakas auf einer Wiese gemeinsam zu halten. „Das funktioniert sehr gut“, sagt Jürgen Wagner, der das bei den Tieren eines Freundes schon beobachtet hat. Die kuscheln sogar zusammen. Wenn Dino das möchte, kann er es schon mal mit dem zehn Monate alten Alpaka Ben üben. Denn derzeit sind die beiden zusammen in einem Gehege. Ben ist erst letzte Woche vom Streichelzoo auf dem Killesberg nach Schopfloch gekommen und darf sich getrennt von Wagners anderen Alpakas eingewöhnen, bevor er zu seinen Artgenossen darf.
Nandus
Tierart
Der Nandu ist ein großer Laufvogel und ursprünglich in Südamerika zuhause. Während der Balz lässt der Hahn einen lauten Ruf ertönen, welcher in etwa wie „nan-du“ klingt, daher der Name der Tiere. Nandus können bis zu 1,70 Meter groß und 20 Kilogramm schwer werden.
Vorkommen
Ursprünglich ist der Nandu laut Nabu in den Grasebenen Südamerikas zuhause, dort gelten die Tiere als potenziell gefährdet. In Deutschland hat sich mittlerweile eine Population in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein entwickelt, nachdem vor gut 20 Jahren eine kleine Gruppe der Vögel aus einem Gehege bei Lübeck ausgebrochen war.