In keinem anderen der großen S-Bahn-Netze in Deutschland ist die Pünktlichkeit zuletzt so gesunken wie in Stuttgart. Das zeigen Zahlen des Bundesverkehrsministeriums.
Stuttgarts S-Bahnnetz nimmt eine Sonderstellung ein – allerdings eine unrühmliche. In keinem der neun großen S-Bahnnetze in der Republik ist die Pünktlichkeitsquote im ersten Quartal 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum so stark zurückgegangen wie in Stuttgart. Waren von Januar bis März 2022 noch 96,9 Prozent der S-Bahnen in Stuttgart pünktlich, sank dieser Wert in den ersten drei Monaten des Jahre 2023 auf nur noch 90,5 Prozent. Diese Zahlen hat das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage von Matthias Gastel genannt. Der Filderstädter ist bahnpolitischer Sprecher der Bundestags-Grünen.
Hamburg ist an der Spitze
Auch wenn das Stuttgarter S-Bahnnetz im bundesweiten Vergleich bei der Pünktlichkeit am stärksten eingebüßt hat, so rangiert es nicht am Ende der entsprechenden Skala. Dort finden sich die Netze Rhein-Ruhr und Rhein-Neckar, deren Züge zuletzt nur noch auf eine Pünktlichkeitsquote von 88 beziehungsweise 88,1 Prozent kommen. Stuttgart teilt sich mit München den fünften Rang. Primus ist das S-Bahnnetz Hamburg mit einer Quote von 98,3 Prozent. Die Bahner in der Hansestadt haben das Kunststück hinbekommen, ihren ohnehin schon guten Wert von Anfang 2022 (97,9 Prozent) weiter zu verbessern.
Gastel hatte sich auch nach der Zahl der Störungen an Weichen und Signalen in den beiden ersten Quartalen 2022 und 2023 erkundigt. Hier fallen die Werte für Stuttgart zwiespältig aus. Die Zahl der zickenden Weichen ist demnach von 59 auf 81 gestiegen, die Zahl der Probleme mit Signalen ist hingegen von 466 auf 378 zurückgegangen – also rechnerisch immer noch mehr als eine Störung pro Tag. Zudem stellen die 378 den zweithöchsten Wert aller neun verglichenen S-Bahnnetze dar. Nur im Netz der S-Bahn Köln wurden mehr Zwischenfälle gezählt. Dort waren es 415.
Bahn gelobt Besserung
Ein Bahnsprecher in Stuttgart gibt sich zerknirscht: „Die S-Bahn Stuttgart büßt seit 2022 an Zuverlässigkeit ein. Wir wissen, dass wir unseren Fahrgästen der S-Bahn Stuttgart zurzeit einiges zumuten“. Die Gründe für die Misere seien vielfältig. So habe sich die Zahl der Baustellen an den Gleisen seit 2018 verdoppelt. Anders als in Hamburg und Berlin müssen sich Züge der Stuttgarter S-Bahn ihre Schienenstrecken mit anderen Zugarten teilen, was dazu führen kann, dass Verspätungen anderer Züge sich auf die S-Bahn auswirken. Technische Unzulänglichkeiten neu angeschaffter Bahnen und ein hoher Krankenstand beim Fahrpersonal täten ihr übriges. Die Bahn will dem abhelfen: in diesem Jahr sollen mehr neue Lokführer eingestellt werden als in den Jahren zuvor. Weil zuletzt die Aspiranten nicht gerade Schlange standen, hatte die DB im April eine groß angelegte Kampagne lanciert, die Lust auf den Job im Führerstand machen soll.
Insgesamt will die Bahn 58 Millionen Euro in die Infrastruktur investieren, um „spürbar die Qualität der Stuttgarter S-Bahn verbessern“ zu können, sagt der Bahnsprecher.