Im S-Bahn-Netz Stuttgart gibt es 83 Bahnhöfe. Nicht alle sind barrierefrei erschlossen. Zumindest an der Nürnberger Straße in Bad Cannstatt und am Nordbahnhof könnte sich bald ändern.
Insgesamt 700 Bahnhöfe gibt es in Baden-Württemberg, 83 im S-Bahn-Netz Stuttgart. Seit Jahrzehnten ist es das Ziel der Deutschen Bahn, alle auch barrierefrei zu erschließen – und nach eigenen Angaben wurde es vor wenigen Wochen erreicht. Dennoch sieht man im städtischen Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik auf Antrag der Grünen-Fraktion noch Handlungsbedarf in Stuttgart. Nun soll eine Machbarkeitsstudie zeigen, wie an der Haltestelle Nürnberger Straße in Bad Cannstatt und am Nordbahnhof Aufzüge installiert werden können.
Umsetzung dauert Jahrzehnte Die Diskussionen sind alles andere als neu. Unter anderem gab es bereits vor Jahrzehnten Pläne, wie neue Aufzüge am Nordbahnhof für Verbesserungen sorgen könnten. Auch an der Nürnberger Straße wurden immer wieder neue Anläufe genommen, um die steilen Treppen sprichwörtlich umgehen zu können. Doch noch hat sich nichts getan. „Umwege von bis zu knapp einem Kilometer sind für Fahrgäste aber unzumutbar. Vor allem für Menschen mit Behinderung, im Rollstuhl oder Eltern mit Kinderwagen“, betonte der Stadtrat Björn Peterhoff (Grüne) im Gemeinderat. Erschwerend komme hinzu, dass wegen der Nähe zum Klinikum Bad Cannstatt auch etliche Kranke die Haltestelle Nürnberger Straße nutzen. „Die steilen Rampen sind auch Menschen mit Krücke nicht zumutbar“, ergänzte Beate Bulle-Schmid (CDU). Durch den Ausbau der Bahnsteige der Stadtbahn U 1 und den Einsatz von längeren Zügen sei zudem mit einem weiteren Anstieg der Fahrgastzahlen und somit auch mit mehr Betrieb an der Umsteigemöglichkeit zur S-Bahn an der Haltestelle Nürnberger Straße zu rechnen.
Gesetzliche Anforderungen können nicht komplett erfüllt werden Im jüngsten Ausführungsvertrag zwischen der Bahn, der Stadt Stuttgart und den jeweiligen Landkreisen sowie dem Land Baden-Württemberg aus den 90er Jahren ist die Aufrüstung eines stufenfreien Zugangs aus dem öffentlichen Raum zu den Bahnsteigen an den letzten verbliebenen 40 Stationen in der Region verankert. Bis zur Erfüllung wurden die vorhandenen Pläne für den Nordbahnhof erst einmal zurückgestellt. Seit 2021 sei der Ausführungsplan mit dem Umbau der S-Bahn-Haltestelle Stetten/Beinstein im Rems-Murr-Kreis nunmehr erfüllt. „Allerdings können in Ausnahmefällen nicht sämtliche gesetzliche Anforderungen an die Barrierefreiheit erfüllt werden“, betonte Michael Groh von der DB Infrago, des für die Infrastruktur zuständigen Tochterunternehmens. So haben sich die Verantwortlichen zum Beispiel beim Stuttgarter Nordbahnhof auf die vorhandene Rampe zum Brünner Steg verständigt.
Seit Jahrzehnten gibt es Pläne für einen barrierefreien Zugang
Voraussetzung für Zuschüsse sind mehr als 1000 Fahrgäste am Tag
Für Modernisierungen und den stufenfreien Ausbau bei Stationen mit mehr als 1000 Reisenden am Tag – „das trifft eigentlich auf alle bei der S-Bahn Stuttgart zu“, betont Groh – stellten der Bund und das Land entsprechende Fördermittel für einen barrierefreien Ausbau zur Verfügung. Allerdings lediglich für einen direkten Zugang und nicht für weitere mögliche Alternativen. Das weitere Problem: Die Zuschüsse beschränken sich ausschließlich auf den eigentlichen Ausbau, Planungsmittel werden nicht zur Verfügung gestellt.
Kosten: jeweils bis zu 2,5 Millionen Euro „Da sind dann die betroffenen Kommunen gefragt“, erklärt Jürgen Wurmthaler, Leitender Direktor beim Verband Region Stuttgart. Die Planung und der Einbau eines Aufzugs wie an den beiden Stuttgarter S-Bahnstationen schlage im Durchschnitt mit Kosten von zwei bis 2,5 Millionen Euro zu Buche und weiteren 25 000 Euro jährlich an laufenden Betriebskosten. Eine Realisierung ziehe sich in der Regel über fünf bis sechs Jahre hin.
Kosten pro Aufzug: Zwischen 2 und 2,5 Millionen Euro
Allerdings legt der für den Nahverkehr in der Region verantwortliche Verband im eigenen „Sonderprogramm 96“ derzeit verstärkt sein Augenmerk auf den barrierefreien Einstieg vom Bahnsteig in die Züge. Damit ist der Höhenunterschied von der Bahnsteigkante in einen Zug gemeint. In der Region gebe es da bislang noch bei 40 Prozent der S-Bahnhöfe einen baulichen Nachholbedarf. In Stuttgart unter anderem in Neuwirtshaus, Zuffenhausen und Obertürkheim.
Stadtbahnstationen sind barrierefrei Doch zunächst einmal müsse man dafür sorgen, dass die Fahrgäste die Bahnsteige überhaupt erreichen können, bevor man über einen ebenerdigen Einstieg diskutiere. Im Gremium herrschte dabei Konsens, die Stadt mit einer Machbarkeitsstudie für den Einbau von Aufzügen an der Nürnberger Straße und dem Nordbahnhof zu beauftragen. Die Mittel sollen aus der vom Gemeinderat im aktuellen Haushalt genehmigten Mobilitätspauschale kommen. „Die Barrierefreiheit ist ein ganz wichtiges Ziel der Stadt“, stimmte auch Martin Körner, der Leiter des Referats für Nachhaltige Mobilität zu. Bereits jetzt seien alle der 726 SSB-Haltestellen in Stuttgart stufenlos erreichbar. Allerdings gibt es noch einen Nachholbedarf bei der gesetzlichen Vorgabe, alle Bushaltestellen barrierefrei zu erschließen. „Darauf arbeiten wir hin, aber wir müssen auch Prioritäten setzen“, mahnt Körner. Nach dem Willen der Stadträte stehen die Nürnberger Straße und der Nordbahnhof ganz oben auf der Wunschliste.
Stadt hat auch Umrüstung der Bushaltestellen auf dem Plan
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