Der Kreis und der Verkehrsverbund Stuttgart arbeiten an der Beseitigung von Kinderkrankheiten eines neuen Beförderungsangebots für den Raum Geislingen. Nach dessen Einführung vor einem Monat hatte ein Fahrgastverband auf mehrere Schwächen hingewiesen.
Schon kurz nach dem Start eines neuen Angebots für Rufbusse meldete sich der Fahrgastverband des Landkreises Göppingen zu Wort. Dessen Sprecher Heinz Oswald berichtete seinerzeit von „Unmut im Landkreis“, der nach ersten Erfahrungen mit dem VVS-Rider aufgekommen sei. Vor allem monierte Oswald Probleme mit der App, welche dafür genutzt werden kann, die Fahrten des Rufbusses zu bestellen.
Er führte auf, dass es – je nach Mobiltelefon – nicht möglich sei, dort seine Heimat- oder Arbeitsadresse zu ändern. Ebenso habe es bei der Software Schwierigkeiten gegeben, Zielorte im Stadtgebiet Geislingen auszuwählen. Die Fünftälerstadt habe zumindest für die App außerhalb jenes Gebiets gelegen, welche vom VVS-Rider bedient wird. Zudem seien Meldungen mitunter auf Englisch aufgeploppt, und eingegebene Fahrtzeiten seien wieder zurückgesprungen.
Die telefonische Bestellung hat anfangs nicht funktioniert
Ein weiteres Ärgernis für den Vertreter des Fahrgastverbands: Anders als angekündigt, sei im Dezember keine telefonische Bestellung möglich gewesen. Die Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung hätten schlichtweg auf die App verwiesen, ohne eine Fahrt zu disponieren. Und: Um eine Fahrt mit der App zu buchen, habe man sich registrieren und eine Kreditkarte beziehungsweise ein Paypal-Konto hinterlegen müssen, obwohl Fahrscheine gegen Barzahlung auch beim Fahrer erhältlich sein sollten. Unsinnig für all jene, die nur eine Girokarte ihr Eigen nennen oder bereits einen gültigen Fahrschein besitzen, findet Heinz Oswald.
Ein Teil dieses Reigens an Problemen sei inzwischen behoben, berichtet der Sprecher des Fahrgastverbands Göppingen. „Die App hat sich eine Nuance verbessert“, wie er es formuliert. Denn zumindest den Zwang, ein elektronisches Zahlungsmittel zu hinterlegen, gebe es inzwischen nicht mehr. Ebenso könne man einen VVS-Rider inzwischen auch telefonisch buchen.
Dass es mit der App nach Start des Angebots haperte, kann auch das Landratsamt Göppingen bestätigen. „Die überwiegende Anzahl der Beschwerden betraf Schwierigkeiten bei der Nutzung der App“, berichtet der stellvertretende Leiter des Amts für Mobilität beim Kreis, Sebastian Hettwer. Ebenso von wenigen Fällen, bei denen es zu Beschwerden über lange Wartezeiten und Aussagen bei der Telefonhotline gekommen sei. Über diese Probleme sei man bereits mit dem Verkehrsverbund Stuttgart fortlaufend im Gespräch. Unter anderem laufe derzeit eine Feinabstimmung, um das Problem zu beseitigen, dass einzelne Orte innerhalb der App nicht im Bediengebiet erscheinen. „Damit sollte die Aussage ‚liegt nicht im Bediengebiet‘ nicht mehr auftreten, wenn ein Punkt gewählt wurde, der zweifelsfrei im Bediengebiet liegt“, sagt Verbandssprecher Niklas Hetfleisch. Grundsätzlich empfehle er Verkehrsverbund-Nutzern die Auswahl der Start- und Zielorte über die Karte der Applikation. Ein Problem können aber auch die Programmierer nicht lösen: die fehlende Mobilfunkabdeckung, wie beispielsweise im Bad Ditzenbacher Ortsteil Auendorf.
„Die Einführung eines On-Demand-Systems ist sehr komplex“, kommentiert Niklas Hetfleisch die Startschwierigkeiten bei Einführung des VVS-Riders. Oberste Priorität habe, dass die verkehrliche Komponente im Zusammenspiel mit dem Buchungsprozess gut funktioniere, sagt der Sprecher des Verkehrsverbunds Stuttgart.
VVS und Landkreis ziehen eine positive erste Bilanz
Der Verkehrsverbund Stuttgart zeigt sich gut vier Wochen nach Start des Angebots zufrieden damit, wie dieses angenommen wird. „Alles in allem ist der Rider gut angelaufen: Bis Ende des Jahres, also innerhalb von 22 Tagen, wurden insgesamt mehr als 1600 Fahrten gebucht“, sagt Hetfleisch und bezeichnet dies als großen Erfolg.
Ins gleiche Horn bläst der Landkreis Göppingen. 90 Prozent aller Fahrten seien bislang mit der App erfolgreich gebucht worden. Der Landkreis sehe insgesamt keine gravierenden Probleme und ungeahnten Unmut im Landkreis über den VVS-Rider. Im Gegenteil: „Wir sehen, dass das System sehr gut gestartet ist. Nun gilt es, die einzelnen noch bestehenden punktuellen Probleme bei der Nutzung des Systems zu beseitigen.“
Kritik betrifft Anwendung und Bedienung von App
Einführung
Die VVS-Rider genannten Rufbusse ergänzen seit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember vergangenes Jahr die regulär verkehrenden Buslinien im Raum Geislingen. Fahrgäste steigen nicht an festgelegten Haltestellen, sondern an Orten nahe ihres Standorts ein, wie Kreuzungen, Geschäfte oder Sehenswürdigkeiten. Sie buchen eine Fahrt über das Telefon oder eine App auf dem Handy. Die Preise für eine Fahrt richten sich nach den Tarifen des Verkehrsverbunds.
Verbesserung
„Nachdem sich die Einführung des VVS-Riders vonseiten des Verkehrsunternehmens gut eingespielt hat, gehen wir nun gerne noch die offenen Kritikpunkte an, was aber im Wesentlichen die Bedienung und Anwendung der App anbelangt“, sagt Niklas Hetfleisch vom Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS). Der Verbund stehe in ständigem Austausch mit dem Landkreis Göppingen und arbeite gemeinsam mit ihm an Lösungen.