Eselin Lise ist vor einem Jahr aus einem Tierheim zu Familie Hekel nach Steinheim gekommen. Unerwartet hat sie ein Baby bekommen.
Gestatten: Hupsi. Eselbaby, drei Wochen alt. Lieblingsbeschäftigungen: Herumhüpfen und Milch trinken. Ohren: sehr lang, Fell: sehr weich, Aussehen: einfach nur süüüüüüüüüüüß.
Hupsi war bei ihrer Geburt vor allem eines – eine riesige Überraschung. Weniger für ihre Esel-Mama Lise, aber für ihre Menschen-Eltern Monika und Thomas Hekel. Vor drei Wochen, es war ein Samstag Mitte November, kam Thomas Hekel wie jeden Morgen in den kleinen Stall auf dem Stückle oberhalb des Steinheimer Friedhofs. Mittendrin stand die Esel-Dame Lise – daneben etwas Kleines, Schwarzes. „In der Dunkelheit dachte ich nur: Was ist denn da jetzt für ein Viech von draußen reingekommen?“, erzählt Thomas Hekel.
Gewundert, dass die Eselin immer dicker wurde
Erst auf den zweiten Blick erkannte er das Esel-Baby. Dass Lise Nachwuchs erwartete, hatten die Hekels nicht geahnt. Sie hatten die etwa dreijährige Eselin samt ihrer Mutter Anne ein knappes Jahr zuvor von einem Tierheim in Irland bekommen. Da die Trächtigkeit bei Eseln elf bis manchmal 14 Monate dauert, war sie also schon in guter Hoffnung, als sie nach Steinheim kam.
Die Hekels hatten sich wohl etwas gewundert, dass Lise immer dicker wurde. „Die sollte auch mal abnehmen“, war der Gedanke. Dass sie trächtig sein könnte, „darüber haben wir gar nicht nachgedacht“, sagt Monika Hekel und wuschelt Hupsi durchs weiche Fell. Hupsi heißt übrigens Hupsi, weil „hups, plötzlich war sie da“. Der Zweitname lautet Lotta.
An jenem Morgen jedenfalls hat Thomas Hekel dann erst einmal den Tierarzt angerufen. Der meinte: „Wenn es trinkt und trocken ist, ist alles in Ordnung.“ Er hat sich das Baby dann am Montag angeschaut. Auch da war alles gut. Zurück zum Samstag Mitte November: Thomas Hekel rief dann seine Tochter und seine Frau an. „Kommt mal schnell in den Stall“, sagte er nur.
Die Überraschung bei den Frauen war groß, die Begeisterung ebenso. Der Tag wurde umgeplant. Eigentlich war Herbstputz im Vereinsheim angesagt. „Das fand dann ohne uns statt“, erzählt Monika Hekel. Stattdessen wurde der Stall für die junge Mutter und ihr Baby hergerichtet. Für die beiden alten Esel-Herren Max und Moritz sowie Anne wurde flugs draußen ein neuer Unterstand gebaut. So haben Lise und Hupsi den Stall nun für sich allein.
Immer wieder zur Milchtankstelle
Und dort wird nun fröhlich herumgetollt. Das Fohlen ist ziemlich aufgeweckt. Auf seinen langen Beinen stakst es durch den Stall, schnuppert mit der weichen, weißen Nase neugierig herum und hüpft auch mal an Mamas Rücken hoch. Die wiederum würde mit den Augen rollen, wenn sie es könnte und stupst stattdessen ihren Nachwuchs ab und zu sanft, aber bestimmt zur Seite. Das wiederum interessiert Hupsi wenig, sie nimmt lieber noch einen Schluck von der Milchtankstelle.
20 Jahre ist es her, dass Monika und Thomas Hekel auf den Esel gekommen sind. Max und Moritz kamen damals auf das Baumstückle der Familie, und ein Stall wurde gebaut, in dem die Esel ein und ausgehen können. Später kamen dann noch sieben Schafe dazu – es sind Walliser Schwarznasenschafe, die eng mit der Wildform der Urschafe verwandt ist. Vor einem guten Jahr – beim Schafescheren – kam Thomas Hekel dann die Idee: „Eigentlich hätte ich noch gern zwei Alpakas.“ Seine Frau war dagegen. „Dann lieber noch zwei Esel“, sagte sie.
Gesagt, getan. So kamen dann Anne und Lise aus dem irischen Tier- ins schwäbische Steinheim. Das war am 1. Dezember vergangenes Jahr. Ein knappes Jahr später wurden aus zwei Eseln dann drei. Eine echte Vorweihnachts-Überraschung.