In Weil im Schönbuch wird nach der Corona-Pandemie die Schulsozialarbeit ausgebaut – weil der Bedarf stark gestiegen ist.
Die Corona-Pandemie hat Spuren hinterlassen – unbestritten vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Psychiatrische Einrichtungen melden Höchstbelegungen. Aber auch in den Schulen spüren Lehrer und Sozialarbeiter die Nachwirkungen von Homeschooling, Isolation und Einsamkeit – selbst in den Grundschulen, wo die Welt lange als heil galt. Auch in Weil im Schönbuch will man jetzt reagieren.
Dramatische Fälle schon in Klasse 1
Seit den Sommerferien ist die bisherige halbe Stelle für Schulsozialarbeit an der Gemeinschaftsschule (GMS) Weil im Schönbuch nach der Kündigung des dort über die Hildrizhausener sozialpädagogische Jugendhilfeeinrichtung „Waldhaus“ beschäftigten Mitarbeiters vakant. Jetzt beschloss der Gemeinderat, dass die bisherige halbe Stelle zu einer ganzen aufgestockt werden soll. „Die Kinder haben nicht nur montags, mittwochs und freitags ein Problem“, kommentierte die Schulleiterin Annette Pfizenmaier die Entscheidung.
Vor allem die Schulschließungen und Einschränkungen der Coronajahre hätten zu einer massiven Zunahme von psychischen Problemen bei immer jüngeren Kindern schon in der Grundschule geführt. „Die Schule war nicht mehr präsent als Ort der sozialen Einrichtung“, machte die GMS-Schulleiterin mit eindrücklichen Worten im Gemeinderat deutlich, „wir finden andere Kinder vor.“ Im Unterschied zu früher, wo die vor mehr als zehn Jahren geschaffene halbe Weiler Schulsozialarbeitsstelle vor allem für ältere Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe geschaffen wurde, hätte der Kollege nach Corona immer mehr auch mit Grundschülern ab Klasse 1 zu tun gehabt.
„Die Kinder haben es verlernt, sich im realen Kontext zu verhalten“, erklärte Michael Groh, Bereichsleiter für kommunale Jugendarbeit beim Waldhaus, angesichts von Homeschooling und weiterer überbordender Zeit im Internet oder mit dem Handy. Folge von Lockdowns, Krisen und Krieg sei nicht nur ein großes Defizit an sozialen Kompetenzen, sondern Ängste und Depressionen. In extremen Fällen gingen die Kinder überhaupt nicht mehr zur Schule. Umso wichtiger sei ein solch niederschwelliges Hilfsangebot. Jede Hilfe hänge allerdings stark von der Mitwirkungsbereitschaft der Eltern ab, unterstrich Groh andererseits.
Gut investiertes Geld
Eine Brennpunktschule sei die GMS Weil nicht, sagte der Bürgermeister Wolfgang Lahl. Die Botschaft aber kam bei der Verwaltung und den Gemeinderäten fast ausnahmslos an. „Mit 50 Prozent waren wir bisher an der absolut unteren Kante“, weiß der Schultes, dass es an anderen Schulen vergleichbarer Größe in der Umgebung längst 100-Prozent-Stellen gibt. „Das Geld, das wir in jungen Jahren ausgeben, sparen wir später“, fügte Grünen-Gemeinderat Konrad Heidenreich angesichts von rund 35 000 Euro Mehrkosten hinzu. Immerhin 10 000 Euro davon übernimmt aber das Land.