Wohnungsbau ist dringend notwendig, doch eine Nachverdichtung oft nicht gern gesehen. Foto: dpa/Sven Hoppe

Stuttgart braucht bezahlbaren Wohnraum. Doch Baupläne scheuchen oft Bürger auf. Die Gründe dafür sind vielfältig. Angelika Lehrer möchte nun ein Aktionsbündnis gegen die geplante Nachverdichtung in Stuttgart-Fasanenhof gründen.

Fasanenhof - Der Birkacher Bürgerverein hat es vorgemacht. Er gründete vor Kurzem ein Aktionsbündnis gegen eine mögliche Bebauung des Birkacher Feldes. Angelika Lehrer, die seit vielen Jahren auf dem Fasanenhof wohnt, hat den entsprechenden Bericht mit Interesse gelesen und plant nun etwas ganz Ähnliches für ihren Stadtteil. Es sei höchste Zeit, schreibt sie in ihrem Newsletter, in dem sie regelmäßig Informationen aus und über den Fasanenhof weitergibt. Denn auch dort soll gebaut werden. Der Stuttgarter Gemeinderat hat vor der Sommerpause den Aufstellungsbeschluss für die geplante Nachverdichtung am Ehrlichweg gefasst. Dort sind unter anderem um die 120 Wohnungen geplant. Zusätzlich könnte im Gebiet Eichwiesen am Logauweg ein neues Quartier entstehen.

„Die Nachverdichtung geht alle an!“, schreibt Angelika Lehrer in ihrem Newsletter und ruft dazu auf: „Schließen Sie sich mir an, suchen Sie Verbündete und werden Sie aktiv!“ Vernetzung, Kommunikation und Information seien auch in Corona-Zeiten möglich.

An einer Unterschriftenaktion beteiligten sich mehr als 700 Bürger

Schon 2015 formierte sich Widerstand gegen eine mögliche Nachverdichtung am Ehrlichweg. Angelika Lehrer war an der Organisation einer Unterschriftenaktion gegen das Projekt maßgeblich beteiligt – damals noch zusammen mit dem erweiterten Vorstand des Bürgervereins Fasanenhof. Mehr als 700 Bürger setzten ihre Namen auf die Listen. Seit 2019 richtet sich der Protest zusätzlich gegen das geplante Projekt am Logauweg. Seit 2020 gehen Lehrer und ihre Mitstreiter auf der einen Seite und der geschäftsführende Vorstand des Bürgervereins auf der anderen Seite unterschiedliche Wege. Der erweiterte Vorstand des Bürgervereins möchte sich „mit Gesprächen, Stellungnahmen und anderen Aktionen kritisch-konstruktiv dafür einsetzen, dass es im Quartier Ehrlichweg noch zu einer verträglichen Umsetzung der Nachverdichtung kommt“. Und er fordert, dass „jedes weitere Vorhaben – wozu auch das Vorhaben am Logauweg gehöre – erst einmal Gegenstand eines Gesamtkonzepts“ wird. So formulierte es Eckhard Benner Anfang August im Interview mit unserer Zeitung. Aus Lehrers Sicht ist das zu wenig. Doch auch der anhaltende Protest einzelner Fasanenhofer werde nicht ausreichen, um Baupläne zu verändern oder gar aufzuhalten. „Aus einzelnen Kritikern müssen viele werden!“, so Lehrers Plädoyer. Sie hofft nun, möglichst viele Mitstreiter zu finden, und will dann mit ihnen gemeinsam überlegen, wie vorzugehen ist.

Es gehe auch um das soziale Miteinander

Denn eines müsse klar sein, schreibt sie in ihrem Newsletter: „Je weniger die Fasanenhofer Widerstand leisten und je erfolgreicher andere Stadtteile mit ihrem Protest gegen Bebauungen sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf dem Fasanenhof alle Nachverdichtungspläne Wirklichkeit werden und unsere Grünflächen, Äcker, Baumwiesen und Frischluftzonen zerstört werden.“ Die Verdichtungen einzelner Quartiere werde sich letztendlich auf alle negativ auswirken. Dabei gehe es auch um das soziale Miteinander, schreibt Lehrer, denn: „Nur derjenige, der sich in seinem Umfeld wohlfühlt und nicht nur auf der Durchreise hier lebt, wird sich auf dem Fasanenhof für andere einsetzen und seine Energie bei Festen, Veranstaltungen und sozialen Diensten einbringen.“

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