Resolute Auflagenkönigin: Utta Danella (†) Foto: dpa

Zum Tod der Schriftstellerin Utta Danella, die mit ihren Schicksalsromanen immer wieder den Traum vom großen Glück wahrwerden ließ.

München - „Ihr Leben war immer so ordentlich gewesen, so überschaubar. Auf einmal kam es ihr unordentlich vor, beängstigend. Und dann, sich selbst beruhigend, dachte sie: So ist es wohl immer, wenn man liebt.“ Das lässt Utta Danella ihr Fräulein Helga, versonnen in die Abenddämmerung blickend, in „Das Hotel im Park“ sagen. Und von der Liebe, die Menschenleben gehörig durch­einanderzubringen pflegt, erzählte Danella eigentlich immer in ihren Büchern.

Nie schienen ihr die Geschichten auszugehen, die von Frauen handeln, die allen Widrigkeiten trotzend ihren Weg ­finden. Doch nun ist sie für immer verstummt. Wie Uta Danellas Familie am Dienstag mitteilte, ist die Bestsellerautorin bereits Anfang Juli im Alter von 95 Jahren gestorben.

Utta Danella, die 1920 in Leipzig geboren wurde, war eine der meistgelesenen deutschen Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Rund 70 Millionen Mal verkauften sich ihre Bücher, die Titel tragen wie „Tanz auf dem Regenbogen“, „Morgen ist die Ewigkeit“, „Die Tränen vom vergangenen Jahr“ oder „Eine Liebe, die nie vergeht“. Utta Danella war viele Jahre lang der Superstar der Unterhaltungsliteratur für Frauen und Deutschlands Auflagenkönigin.

Rührselige Geschichten lebendig erzählt

Das war jedoch, bevor Gaby Hauptmann („Suche impotenten Mann fürs Leben“) in den 1990ern einen neuen frechen Frauen­typ zum ­Bestsellerstoff machte und bevor der Buchmarkt damit begann, erst mit Fantasytiteln („Twilight“) und dann mit erotischen Romanen („Shades Of Grey“) die weibliche Leserschaft zu ködern. Inzwischen wird der Name Utta Danella gerne als Synonym für Herz-Schmerz-Kitsch missverstanden. Das liegt aber weniger an ihren Romanen als an den Ver­filmungen, mit denen die ARD seit 15 Jahren regelmäßig ihr Programm füllt. In diesen verwandelt sich Michaela May in die Nonne Barbara („Sturm am Ehehimmel“), Gaby Dohm in die Chirurgin Maria Wagner ­(„Liebe mit Lachfalten“), Felicitas Woll in die Jungbäuerin Anna („Von Kerlen und ­Kühen“), und Uschi Glas wird zur Erfolgsjournalistin Vera Benthaus („Eine Liebe im September“).

Utta Danellas Romane sind trotz des Hangs zum Rührseligen besser als ihr Ruf und anspruchsvoller als die ARD-Schmonzetten. Sie pflegte in ihren Büchern stets einen prägnant-pointierten, lebendigen Stil und sah in Erich Kästner eines ihrer Vor­bilder. Und die Frau, die gerne als Deutschlands Antwort auf Rosamunde Pilcher gehandelt wurde, verstand es, auch den Zeitgeist einzufangen. Vor allem mit der Nachkriegszeit beschäftigte sie sich in ihren Schicksalsromanen.

Ein bewegteres Leben als jede Romanfigur

Nach dem Krieg hatte auch die Karriere der resoluten Frau, die eigentlich Utta Denneier hieß, begonnen: Nach einem abgebrochenen Studium arbeitete sie zunächst als Model und Reporterin. 1956 erschien ihr erstes Buch „Alle Sterne vom Himmel“. Esfolgten weitere 42. Zuletzt erschien „Der Kuss des Apoll“ (2006). Und obwohl sie 30 Jahre lang verheiratet war., behauptete Utta Danella einst in einem Interview: „Ich habe ein bewegteres Leben als alle Romanfiguren.“

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