Der Murrhardter Mühlenbauer Eberhard Bohn ist 88-jährig gestorben. Immer im Blick hatte er das einstige Mahlgewerbe im Schwäbischen Wald.
Er hörte es nicht so gerne, wenn man ihn Mühlenpapst nannte. Doch in mühlentechnischer Hinsicht da war er zweifelsfrei so etwas wie eine päpstliche Instanz: wie der Kollege in Rom glänzte Eberhard Bohn aus dem Murrhardter Stadtteil Kirchenkirnberg stets auch mit seinem Wissen um die ihm Anvertrauten, und das waren über viele Jahre hinweg die historischen Mühlen im Schwäbischen Wald, just in der Gegend, in der er aufgewachsen ist. In diesem Gebiet stößt man zielgenau auf ein Dutzend Mühlen, fast alle im musealen Zustand. Was diese anbelangt, machte ihm so schnell keiner was vor. Für Bohn, ein Mühlenmensch vom Scheitel bis zur Sohle, war es stets eine Herzensangelegenheit, das mahlende Gewerbe längst vergangener Zeiten als Kulturgut für die Nachwelt zu erhalten. Die betagten Immobilien mit Wasserrad waren seine Schützlinge. Mit im Spiel bei Bohn war sein Gespür für die Magie mehlbestäubter Mahlstuben.
Nun hat der Mühlen-Kümmerer das Zeitliche gesegnet: Eberhard Bohn, letzter gelernter Mühlenbauer im Rems-Murr-Kreis, ist wenige Tage vor seinem 89. Geburtstag gestorben. Er war bei seinem Vater in die Lehre gegangen und gehörte zu jenen Akteuren, die vor mehr als 25 Jahren den Mühlentag im Schwäbischen Wald ins Leben riefen. Der wurde zu einem veritablen Renner, seither sind es alljährlich tausende Mühlenfans, die jeweils am Pfingstmontag den Schwäbischen Wald stürmen, um den Technikveteranen im nordöstlichen Zipfel des Rems-Mur-Kreises nahe zu sein. Dabei können die Fans so manches Wasserrad beäugen, das einst unter der Regie Bohns und mit Hilfe einer rührigen Rentnerbrigade entstanden ist. Viel Lob und Anerkennung ist Bohn für sein mühlenschützendes Tun zuteil geworden, auch wenn manche ,,Klepperlesmühle“ wie er sie nannte, abgeschrieben werden musste. Dennoch honorierte die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde seine Arbeit mit einer Ehrenurkunde.
Schwäbische Redewendungen vor dem Vergessen bewahrt
Oft schaute Bohn über die Wipfel des Schwäbischen Waldes hinweg in die weite Welt hinaus. Er tourte durch Europa, besuchte Japan, China, Australien und afrikanische Länder, wo er nicht nur Mühlenspezifisches in Augenschein nahm, sondern auch Land und Leute. Besonders am Herzen lag ihm auch die schwäbische Sprache. Weil er in seinen Ruhestandsjahren Freude am Schreiben entwickelte, brachte er neben anderen Publikationen einen schwäbischen Gedichtband heraus mit dem Titel „Dr helle Bleedsenn? Schwäbisch – oifach so zemadichtet“. Sein Anliegen dabei war es, typische schwäbische Redewendungen davor zu bewahren, der Vergessenheit anheim zu fallen. Beim Sebastian-Blau-Wettbewerb für schwäbische Mundart, da schwätzte er sich immerhin bis uff de vierte Blatz.