Als „Dominante am Eingangsbereich zum Werksgelände“ bezeichnete die Architektin das Bauwerk, für das eine Zertifizierung für nachhaltiges Bauen angestrebt wird. Foto: Chris Lederer

Der Bauchemie-Hersteller Sika eröffnet an seinem Stammsitz an der Kornwestheimer Straße ein Bürogebäude mit Schulungsräumen. Zertifizierung für Nachhaltiges Bauen wird angestrebt.

Stammheim - Die Lücke auf dem Firmengelände an der Kornwestheimer Straße ist geschlossen: Zwischen zwei Gebäuden aus dem Jahre 1924 ragt nun der nagelneue, vierstöckige Verwaltungsbau der Sika Deutschland GmbH in die Höhe. Am Mittwoch, 15. Mai, wurde offiziell die Eröffnung gefeiert, mit Festreden und einem Tag der offenen Tür für die Mitarbeiter.

Nötig wurde der Neubau, weil dem Unternehmen in Stuttgart die Räume für Seminare und Schulungen zu eng wurden. Zunächst dachten die Verantwortlichen über die Sanierung eines Gebäudes am Standort in Vaihingen nach. „Aufgrund hoher Kosten und suboptimaler Raumverhältnisse waren Alternativen gefragt“, sagte Jürgen Lochner, Werksleiter bei Sika. So kam man schließlich auf die Baulücke in Stammheim. 2011 wurde der Bauantrag bei der Stadt Stuttgart eingereicht. „Die Baugenehmigung haben wir erst nach zwei Jahren erhalten“, sagte er. „Ich möchte diese Tatsache einfach einmal unkommentiert im Raum stehen lassen.“ Aufgrund mehrerer Teilbaufreigaben konnte mit „großem Aufwand und hohem Risiko“ im September 2011 mit dem Bau begonnen werden.

30 Tonnen Produkte aus eigenem Hause verbaut

Im Untergeschoss des Gebäudes befinden sich große Lagerflächen, Umkleiden, Sanitär- und Technikräume sowie zwei unabhängig voneinander nutzbare Produktschulungsräume. Im ersten Obergeschoss gibt es zehn Büroräume. „Das Stockwerk darüber steht für weitere Büroräume zur Verfügung, die frei als Zelle, Mehrpersonen- oder Großraumkonzepte gestaltet werden können“, erklärte Architektin Christiane Karst. Im Obergeschoss befindet sich ein repräsentativer Schulungsraum mit drei teilbaren Einheiten, eine Kleinküche und eine Loggia. Insgesamt seien rund 30 Tonnen Produkte aus dem eigenen Hause verbaut worden.

Sika strebt für das Gebäude ein besonderes Gütesiegel an; die Zertifizierung durch die Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). „Damit haben wir Neuland betreten, da vergleichbare Zertifizierungen in Deutschland noch nicht Usus sind“, erklärte der Geschäftsführer von Sika Deutschland, Joachim Straub.

Derzeit gibt es in Stuttgart nur zehn Gebäude beziehungsweise Quartiere, die von der DGNB ein Zertifikat für Nachhaltigkeit erhalten haben. Davon fallen nur zwei in das Profil „Neubau Büro und- Verwaltungsbau“, den auch Sika anstrebt.

42 Kriterien müssen für DGNB-Zertifizierung erfüllt werden

42 Kriterien müssen erfüllt werden, um das Gütesiegel des Vereins zu erhalten. Dabei wird nicht nur auf die Konzeption und Fertigung des Neubaus geachtet, sondern auch auf seine zu erwartende Lebensdauer Bezug genommen. „Bewertet werden keine einzelnen Maßnahmen, sondern die Gesamtperformance eines Gebäudes“, sagte Architektin Karst. Geachtet wird auf Merkmale und Eigenschaften des Gebäudes, die sich auf die ökologische und ökonomische Qualität auswirken, und auch auf seine soziokulturelle und funktionale Qualität sowie die technische Ausstattung wird neben den Prozessabläufen bei der Planung und Ausführung des Gebäudes gewichtet. Die Bewertungen basieren stets auf dem gesamten Lebenszyklus des Gebäudes. Eine Zielsetzung war es, „auf Stoffe zu verzichten oder diejenigen zu vermeiden, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt enthalten“, sagte Architektin Christiane Karst. Vom Keller bis zum Dachgeschoss mussten alle Materialien angemeldet und von Prüfstellen freigegeben werden. Probleme gab es beispielsweise bei den gewünschten Türen in Eiche, Mattlack. „Solch eine Türe gibt es als zertifiziertes Produkt nicht. Also musste der Hersteller für jedes einzelne Holzteil die Zertifizierung nachweisen. Das allein dauerte vier Monate“, sagte Karst.

Bezirksvorsteherin Susanne Korge würdigte in ihrer Ansprache das Engagement des größten Arbeitgebers in Stammheim: „Hut ab, dass Sie das nachhaltige Bauen durchgehalten haben.“ Das neue Trainingscenter stärke den Standort Stammheim, betonte Korge. „Dass ein Unternehmen wie Sika 50 Azubis hat, ist nicht selbstverständlich. Man kann Sika durchaus als Vorzeigeunternehmen bezeichnen.“

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