Nachgefragt bei der Notruf-Expertin „Das Wichtigste ist rasch gelernt“

Von zic 

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Anlässlich des Tags des Notrufs will Anna Eberchart
von der Björn-Steiger-Stiftung in Winnenden vermitteln, dass jeder Leben retten kann.

Winnenden - Um die Nummer 112 als EU-weit gültigen Notruf bekannter zu machen, ist der 11. Februar vor acht Jahren als Erinnerungstag ausgerufen worden. Dass es die Nummer überhaupt gibt, ist der Björn-Steiger-Stiftung mit Sitz in Winnenden zu verdanken, die sich 48 Jahre nach ihrer Gründung nach wie vor für die Lebensrettung einsetzt, wie die Pressesprecherin Anna Eberchart verdeutlicht.

Frau Eberchart, nur etwa 17 Prozent der Deutschen wissen, dass die 112 die EU-weite, kostenlose Notrufnummer ist. Reicht ein Tag wie der heutige, um daran etwas zu ändern?
Der Europäische Tag des Notrufs ist nur ein Schritt. Wir versuchen natürlich das ganze Jahr über, entsprechende Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Beispielsweise gibt es auf vielen Rettungsfahrzeugen Aufkleber, die darauf hinweisen. Auch die EU selbst versucht immer wieder aufzuklären. Und die Deutschen haben den Vorteil, dass die 112 an sich bei vielen im Bewusstsein verankert ist, weil sie seit Mitte der 1970er-Jahre die deutschlandweite Notrufnummer ist.
Sind Notrufsäulen heute, wo quasi jeder ein Handy hat, noch notwendig, oder wäre das Geld an anderer Stelle besser eingesetzt?
Aus diesem Grund haben wir vor rund zehn Jahren mit dem Abbau begonnen. Die Notrufsäulen an Autobahnen stehen noch, an Bundes- und Landesstraßen gibt es sie nur noch in Baden-Württemberg. Da stehen noch etwa 1400.
Warum?
Die Landesregierung hat uns gebeten, sie noch stehen zu lassen. Denn es gibt noch immer Funklöcher in Baden-Württemberg – etwa im Schwarzwald –, und da erfüllen Notrufsäulen durchaus noch ihren Zweck.
Was sind momentan die wichtigsten Projekte der Björn-Steiger-Stiftung?
Alle, die mit Erster Hilfe und Wiederbelebung zu tun haben. Seit 2001 gibt es die Kampagne „Kampf dem Herztod“. Mit der Initiative „100 000 Leben retten“ versuchen wir, bundesweit öffentlich zugängliche Defibrillatoren, sogenannte AED-Säulen, zu etablieren. In Baden-Württemberg gibt es derzeit 43 Säulen, bundesweit sind es gut 100. Zudem treten wir mit einem Lehrpaket an Schulen heran, denn schon Kinder von der siebten Klasse an können das, was für eine Wiederbelebung notwendig ist, lernen.
Wie ist es um Erste-Hilfe-Kenntnisse bei uns bestellt?
Naja, in anderen Ländern ist Erste Hilfe im Schulunterricht verankert und wird jedes Jahr wiederholt. In Deutschland ist das nicht so, obwohl der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz eine Empfehlung dazu ausgesprochen hat. Gerade die Wiederbelebung ist essenziell, und die wichtigsten Schritte sind schnell zu lernen.
Ist die Gefahr nicht groß, bei der Herzdruckmassage etwas falsch zu machen?
Nein, bei der Herzdruckmassage kann man nichts falsch machen. Der einzige Fehler, den man machen kann, ist nichts zu tun.

Gründung
Ute und Siegfried Steiger gründeten die Björn-Steiger-Stiftung im Juli 1969 – zwei Monate, nachdem ihr achtjähriger Sohn Björn bei einem Unfall in Winnenden ums Leben gekommen war. Es hatte zu lange gedauert, bis ein Rettungswagen gekommen war, da es damals noch keinen einheitlichen Notruf gab.

Ziel
Der heute 87-jährige Siegfried Steiger machte es sich zur Lebensaufgabe, das Rettungswesen zu verbessern.

Erfolg
Dem Einsatz der Stiftung ist es unter anderem zu danken, dass Mitte der 1970er-Jahre die Nummer 112 bundesweit zum Notruf wurde. Heute gilt die kostenlose Nummer in ganz Europa und per Handy sogar weltweit.

Engagement
Wichtige Initiativen der Stiftung sind unter anderem der „Kampf gegen den Herztod“, die Rettungsdienst- und Notarztgrundversorgung oder Erste-Hilfe-Kurse.

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