Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer plädiert für eine Frau in der Nachfolge Frank-Walter Steinmeiers. Foto: dpa/Andreas Arnold

Eine Frau als Staatsoberhaupt wäre ein logischer Schritt, aber wichtiger als das Geschlecht ist die Fähigkeit, Brücken zu bauen, findet unser Berliner Korrespondent Norbert Wallet.

Einige Politikerinnen verschiedener Parteien haben passend zum Frauentag dafür geworben, dass das nächste deutsche Staatsoberhaupt eine Frau sein soll.

 

Der Vorstoß ist weder originell noch aus der Luft gegriffen. Natürlich wäre es an der Zeit, dass auch mal eine Frau das höchste Staatsamt übernimmt, eine Bundeskanzlerin haben wir ja auch schon 16 Jahre lang gehabt. Allerdings sollte man auf die Argumente achten, mit denen man das Anliegen vertritt. Natürlich ist der Hinweis der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) richtig, dass eine Bundespräsidentin eine machtvolle Vorbildwirkung entfalten würde. Dass in der Welt der Politik hier dringender Nachholbedarf besteht, zeigt auch der viel zu niedrige Frauenanteil im Bundestag von rund 35 Prozent.

„Eine Frau, die das Verbindende über das Trennende stellt“

Es gibt abwegigere Argumentationen: Die CDU-Politikerin Karin Prien plädiert für eine Frau, die das Verbindende über das Trennende stellt, um dann anzufügen, dass auch ein Mann geeignet wäre, der „diese typisch weiblichen Eigenschaften mitbringt“. Kann man eigentlich rückschrittlicher für einen Fortschritt argumentieren, als Männer und Frauen klischeehaft mit geschlechtsstereotypen Eigenschaften zu versehen?

Wichtiger als das Geschlecht ist die Fähigkeit, Brücken zu bauen

In einem Punkt hat Prien allerdings Recht: Wichtiger als das Geschlecht ist die Fähigkeit, Brücken zu bauen. Insofern wäre auch eine Person mit Migrationshintergrund ein sehr starkes Signal oder zumindest jemand, der ein gutes Gespür für die Ost-Empfindlichkeiten hat. Wir haben noch Zeit, darüber nachzudenken. Die Amtszeit von Frank-Walter Steinmeier endet erst 2027.