Ordnungsbürgermeister Martin Schairer schaut am Freitag einer Mitarbeiterin der Taxi-Auto-Zentrale bei der Vermittlung einer Fahrt über die Schulter Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Nach den Streitigkeiten der vergangenen Monate bemühen sich die Stadtverwaltung und die Taxiunternehmen um ein besseres Verhältnis. Am Freitag haben Vertreter der Politik die Bad Cannstatter Vermittlungszentrale besucht.

Stuttgart - In den vergangenen Monaten sind sich die Stuttgarter Taxifahrer und die Stadtverwaltung nicht grün gewesen. Gestritten wurde vor allem über die Standplätze beim Volksfest. Jetzt scheinen sich beide Seiten wieder anzunähern. Und das nicht nur, weil die Stadt im Januar die Tarife um 20 Prozent anheben will. Einem ersten Gespräch bei OB Fritz Kuhn vor kurzem folgte am Freitag ein Besuch der versammelten Politikvertreter in der Bad Cannstatter Taxi-Auto-Zentrale (TAZ). Sie vermittelt 700 Fahrzeuge und damit den Großteil des Taxiverkehrs in Stuttgart und am Flughafen.

Ordnungsbürgermeister Martin Schairer und Vertreter fast aller Gemeinderatsfraktionen sowie der Industrie- und Handelskammer ließen sich dabei über die Arbeitsweise der Vermittlungszentrale informieren. Und sie diskutierten über die Probleme, die die Branche umtreiben. „Wir sind das Aushängeschild der Stadt, aber wir befinden uns in einer schlechten Lage“, sagte Murat Arslan, TAZ-Vorstandsvorsitzender. Zum einen liege das an der teilweise schlechten Qualität im Gewerbe. Man sei aber „am Aussortieren“. Zum anderen müsse die Stadt bessere Voraussetzungen für die Betriebe schaffen, forderte Arslan.

Unter anderem bemängelt die Branche die fehlenden Standplätze am neuen Einkaufszentrum Milaneo sowie die schlechte Lage der Plätze am Gerber und am Wasen. Auch die Zufahrt zum Weihnachtsmarkt und anderen Großereignissen sei verbesserungsfähig. In der Innenstadt seien die Taxiplätze häufig zu klein, es fehle zudem an Toiletten, Mülleimern und Beleuchtung. Standplätze würden häufig folgenlos zugeparkt, während die Polizei bei den Taxifahrern selbst jedes kleine Vergehen ahnde, so Arslan.

Trotz allem freute er sich, „dass wir uns nach einem turbulenten Jahr 2014 zusammenraufen konnten“. Auch Schairer wertete die Einladung in die Zentrale als „Novum, das zeigt, dass hier frischer Wind weht und man miteinander reden kann“. Er betonte, die Stadt wolle „das Gewerbe nicht klein machen“. Eine Überprüfung der Taxiplätze werde erfolgen. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz betonte die Wichtigkeit der Taxibranche für den Ruf der Stadt: „Schon der Taxifahrer am Flughafen kann darüber entscheiden, wie ein Aufenthalt hier wird.“

Sorgen bereiten den Beteiligten Fahrdienste wie Uber, bei denen Privatfahrer ohne Konzession Fahrgäste befördern. Uber hat angekündigt, nach Stuttgart kommen zu wollen. Das ist laut Ordnungsamt bisher noch nicht geschehen. Die Stadt will Uber verbieten lassen, sollten in Stuttgart Dienste angeboten werden. Die Taxi-Zentrale will aber auf Nummer sicher gehen. „Die Erfahrung aus anderen Städten zeigt, dass die schlagartig auftauchen und da sind“, sagt Arslan. Deshalb hat die TAZ von Uber eine Unterlassungserklärung gefordert. Weil das Unternehmen darauf nicht eingegangen ist, folgt jetzt eine Klage. Sie wird im Januar am Stuttgarter Landgericht verhandelt.

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