Ein Lehrer fotografierte den gefluteten Musikraum der Realschule. Foto: /Jerg-Ratgeb-Schule Herrenberg

Auffallend häufig meldet die Polizei Fälle von Vandalismus an Schulen im Kreis Böblingen. Zuletzt haben Unbekannte ihre Zerstörungswut an zwei Herrenberger Schulen ausgelassen. Mit was für einem Gefühl lässt das die Betroffenen zurück?

Sie hebeln Fenster auf, werfen Scheiben ein, sie verstopfen Waschbecken, verwüsten Klassenräume und beschmieren Fassaden. Unbekannte lassen ihre Zerstörungswut offenbar gerne an Schulen aus. Derzeit meldet das Polizeipräsidium Ludwigsburg, das auch für den Kreis Böblingen zuständig ist, auffallend häufig Fälle von Sachbeschädigungen und Vandalismus an Schulen oder Kindergärten. Meist lassen die Täter nichts mitgehen, es scheint um die reine Zerstörungswut zu gehen.

 

So auch bei den beiden jüngsten Fällen in Herrenberg vor rund zwei Wochen. Hier wurden vermutlich in aufeinanderfolgenden Nächten zwischen Samstag, 4., und Montag, 6. November, zwei Schulen in der Berliner Straße Ziel unbekannter Täter. In beiden Fällen verstopften sie unter anderem Waschbecken und drehten das Wasser auf. In der Gemeinschaftsschule konnte das Wasser abfließen, in der Realschule lief es jedoch schließlich über und beschädigte den Klassenraum. Die Schulgemeinschaft ist bestürzt und wütend über den Vandalismus, sagt der Schulleiter der betroffenen Jerg-Ratgeb-Realschule, Alexander Riegler. Besonders geärgert habe ihn die Gleichgültigkeit der Täter, die offenbar nicht nach Wertgegenständen gesucht, aber deren Zerstörung billigend in Kauf genommen hätten. „Es gibt einen hohen Schaden am Inventar und am Gebäude, aber auch unsere zeitlichen Abläufe in der Schule sind bis auf Weiteres dadurch eingeschränkt“, sagt Riegler.

Hoher Schaden an Gebäude und Inventar

Der Raum, in den die Unbekannten eingestiegen sind, ist ein Musikraum. Neben einem elektrischen Klavier und anderen Geräten sei auch das Noteninventar stark in Mitleidenschaft gezogen worden. „Der Schrank wurde geöffnet und eine große Menge Flüssigkeit hineingegossen“, sagt er. „Das trocknet im Falle von Papier nicht einfach wieder.“ Bei Musikstücken für Orchester sei der Schaden entsprechend hoch, da diese teuer in der Anschaffung seien.

Seit August 35 Fälle an Schulen im Kreis

Allein für das Inventar rechnet der Schulleiter mit einem Schaden im vier- bis fünfstelligen Bereich. Was die Reparaturen am Gebäude angehen, sei der Schaden noch nicht genau beziffert. „Es wird noch genau zu ermitteln sein, ob eine langwöchige Trocknung ausreicht, oder ob Fußböden und Decken ausgetauscht werden müssen“, so Riegler.

Insgesamt, heißt es von einem Polizeisprecher, habe es seit dem 1. August in diesem Jahr 35 Sachbeschädigungen an Schulen im Kreis Böblingen gegeben, davon 18 im Stadtgebiet. Einen besonderen Schwerpunkt bei den Kreisgemeinden habe man nicht erkennen können. An und in Kindergärten hätten Unbekannte viermal gewütet. Aber warum trifft es immer wieder gerade Schulen? Was wollen die Täter mit ihrem Vandalismus erreichen?

Kein Graffiti im eigentlichen Sinne

Zu Motiven und möglichen Tätern möchte die Polizei ungern spekulieren. Nur so viel: die Farbschmierereien, die sich nach solchen Attacken an den Fenstern oder Fassaden finden, seien bei den einzelnen Tatorten sehr unterschiedlich. Oft finde man verunstaltete Plakate, Striche oder Symbole. Auch kaum lesbare Schriftzüge, Liebesbekundungen oder bekannte Tags wie „ACAB“ (All Cops are Bastards, auf deutsch: Alle Polizisten sind Mistkerle) fänden sich immer wieder.

„Wirkliche Graffitis mit festen Tags der ,Künstler’ sind bei uns eher nicht anzutreffen“, so der Sprecher. Bei Tags handelt es sich um eine Art Signatur in der Szene. „Das macht es natürlich auch schwierig in der Eingrenzung oder Zusammenführung: Gehören der schwarze Strich an der Hauswand A und der schwarze Kreis am Gartenzaun B zusammen oder nicht?“ Aber geht es den Tätern wirklich nur darum, Schaden anzurichten?

Lehrer appellieren an Verantwortungssinn

Politische Motive schließen die Ermittler eher aus. Es komme vor, dass direkt nebeneinander ein Hakenkreuz und „ein Zeichen der Antifa“ an die Wand gesprüht würden. Das lasse eher darauf schließen, dass es primär um Unfug und weniger um Inhalt oder Botschaft gehe. Für die Geschädigten ist das kein Trost. Im Unterricht, sagt Riegler, soll der Vandalismus-Fall nicht speziell behandelt werden. Das sei aber schon vorgesehen, wenn davon auszugehen sei, dass ein Schüler oder eine Schülerin zum Beispiel in den Toiletten etwas beschädigt habe. „Wir wollen in der Schulgemeinschaft ein Bewusstsein dafür schaffen, dass solche Taten für uns alle einen Schaden anrichten“, sagt Riegler. Man trage gemeinsam die Verantwortung für das Schulgebäude. „Jeder soll dabei helfen, so etwas zu verhindern, oder aber sich bei der Aufklärung einbringen.“ Oft wüssten Schülerinnen und Schüler etwas über Vorfälle an der Schule oder hätten in den sozialen Medien etwas darüber gelesen.