Die Trennung vom städtischen Klinikum haben die Sportärzte nun endgültig vollzogen. In einigen Wochen wollen sie vor den Toren Stuttgarts durchstarten. Mit Unterstützung eines Investors aus der Branche.
Es war ein zwei Jahre dauerndes Ringen zwischen den damaligen Chefärzten der alten Sportklinik in Bad Cannstatt und dem Vorstand des städtischen Klinikums, das mit der Kündigung der renommierten Sportmediziner endete. Inzwischen sind die Verhältnisse neu geregelt. Das Klinikum als Eigner der Einrichtung und des Namens ist mit der Sportklinik ins Krankenhaus Bad Cannstatt (KBC) umgezogen und betreibt diese dort seit Jahresbeginn in einem disziplinären Verbund als „Sportklinik, Orthopädie und Unfallchirurgie des Klinikums Stuttgart“. Und nun ist auch geklärt, wie VfB-Mannschaftsarzt Raymond Best und seine ebenfalls bekannten Kollegen Frieder Mauch und Ulrich Becker gemeinsam mit dem ehemaligen Leitenden Oberarzt Guido Engel weitermachen: Sie eröffnen eine neue sportmedizinische Praxisklinik in Fellbach.
Geringe Distanz der neuen Konkurrenten
Eigentlich wäre die Kündigungsfrist der Sportärzte noch bis Ende März gelaufen. Vor Kurzem aber habe man sich vorzeitig „in beiderseitigem Einvernehmen“ getrennt, erklärte Raymond Best auf Anfrage. Die in solchen Fällen übliche Floskel besagt in dieser Sache wohl vor allem, dass beide Seiten froh sein dürften, das leidige, konfliktreiche Kapitel endlich abschließen zu können. Dennoch wird man hier nicht mit einer bekannten Redensart sagen können: Aus den Augen, aus dem Sinn. Denn die weit über die Region hinaus bekannten Sportärzte machen dem Klinikum nur einige Kilometer Luftlinie entfernt in Fellbach bald Konkurrenz. Anfang April soll in der neuen Einrichtung der Praxisbetrieb aufgenommen werden. Man sei beim Aufbau des Teams, zu dem auch Beschäftigte aus der früheren Sportklinik gehören werden.
So viel hat VfB-Mannschaftsarzt Raymond Best zu den Einzelheiten schon verraten: Man werde in der neuen Einrichtung alle vorherigen Leistungen auch erbringen können. Man habe dort Operationsmöglichkeiten, Physiotherapie und die erforderlichen bildgebenden Verfahren. Die Praxisklinik wird auch rund 15 Betten haben, man wird also nicht nur ambulante Leistungen erbringen, sondern auch stationäre Eingriffe vornehmen. Raymond Best spricht vom Aufbau „einer kleinen Sportklinik“, in der man dank kurzer Wege schnell und flexibel sein werde.
Die neue Praxisklinik soll auch nicht alleine dem Spitzensport vorbehalten sein – Raymond Bests derzeit prominentester Patient ist der verletzte VfB-Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou. Das Trio Best, Mauch und Becker betreut bekanntlich neben dem VfB Stuttgart auch zwei Handball- und Basketball-Bundesligisten, den Olympiastützpunkt, das Nationalmannschaftszentrum der rhythmischen Sportgymnastik, um nur einige Beispiele zu nennen. Man strebe aber eine Versorgung aller Patientengruppen unabhängig vom Versicherungsstatus an, betont der VfB-Mannschaftsarzt. Zum Namen und zu weiteren Details, etwa den genauen Ort, wollte sich der Sportmediziner noch nicht äußern. In wenigen Wochen sollen diese aber bekannt gemacht werden.
Zur Realisierung ihres neuen Projekts haben sich die Sportärzte einen Partner aus der Branche zur „finanziellen Unterstützung“ ins Boot geholt, einen „Teilinvestor“, wie Raymond Best sagt. Dabei handelt es sich um die Ortheum-Gruppe aus Frankfurt am Main. Diese erklärt in einer Mitteilung und ohne die Namen der Ärzte zu nennen, man werde in Fellbach eine „innovative Sportklinik“ aufbauen, in der Patienten behandelt würden, „die einer operativen oder konservativen sportorthopädisch oder sporttraumatologischen Behandlung bedürfen“. Für die Ortheum-Gruppe, die nach eigenen Angaben „deutschlandweit derzeit acht Behandlungszentren mit den Schwerpunkten Orthopädie, Unfallchirurgie und Trainingstherapie“ insbesondere in den Metropolregionen Köln und Leipzig betreibt, sei das neue Projekt in Fellbach „ein Meilenstein“.
Ortheum-Gruppe mit Ambitionen
Zur Rollenverteilung einer Kooperation wie dieser heißt es auf der Homepage der Gruppe, man unterstütze die Partner bei den „administrativen Prozessen“, sodass diese sich auf das Medizinische konzentrieren könnten. Zum Angebot in Fellbach sollen neben der Versorgung akuter und chronischer Verletzungen des Bewegungsapparates auch Programme zur Rehabilitation und Prävention gehören. Gute Zukunftsperspektiven sieht der Frankfurter Investor durch die von der Gesundheitspolitik stark geförderte „Ambulantisierung im medizinisch-operativen Bereich“. Ebenfalls auf ihrer Homepage nennt die Ortheum-Gruppe ihr durchaus ambitioniertes Unternehmensziel: Man wolle „eine der führenden europäischen Orthopädiegruppen“ werden.